Horrorfilm in Dauerschleife

Horrorfilm in Dauerschleife

Der Hamburger SV hat sich gegen Schalke wie ein Absteiger präsentiert und steht jetzt auf dem Relegationsplatz. Die Zweifel mehren sich, ob der Kader für den Kampf um den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga geeignet ist.

Erst versagten den Profis bei ihrer Laienvorstellung Nerven und Beine, dann suchten Trainer Bert van Marwijk und Sportdirektor Oliver Kreuzer vergeblich nach Erklärungen für den Horrorfilm in Dauerschleife. Das desaströse 0:3 (0:1) gegen Schalke 04 lieferte den Beweis, dass Rafael van der Vaart und Co. den Ernst der Lage nicht begriffen haben. Mit der Arbeitsauffassung vom Sonntag wird der Hamburger SV im Kampf um den Klassenverbleib nicht bestehen.

"Wir müssen viel böser sein", sagte van Marwijk. Bei der vierten Niederlage in Serie hatte der HSV alles vermissen lassen, war den abgezockten Schalkern in jedem Mannschaftsteil unterlegen. Die Hamburger Presse ging gnadenlos mit dem sechsmaligen deutschen Meister um, der nach dem Desaster am 18. Spieltag auf dem Relegationsplatz rangiert. "Der HSV wird schockgefroren", titelte die Hamburger Morgenpost, "die Lage ist dramatisch" schrieb das Hamburger Abendblatt. "Der HSV ist nur noch Schrott", fasste die Bild-Zeitung in ihrer Abrechnung zusammen.

Am Sonntag hatte die Mehrzahl der 49 457 Zuschauer bereits eine Viertelstunde vor dem Abpfiff das Stadion verlassen. "Ich wäre wohl auch früher nach Hause gegangen", sagte van Marwijk. Mehr als die üblichen Durchhalteparolen hatten er und Sportdirektor Oliver Kreuzer aber nicht zu bieten: "Ich weiß, dass wir es besser machen können. Wir haben die Qualität", sagte der 48-Jährige, dem seine Mannschaft zuvor aber auch jegliche Argumente gestohlen hatte.

Zuversicht gewannen die Hanseaten nur aus der Aussicht auf das Auswärtsspiel am Samstag in Hoffenheim. Die Kraichgauer stellen derzeit eine noch schlechtere Abwehr, doch der HSV muss Torjäger Pierre-Michel Lasogga verzichten. Er zog sich gegen Schalke einen Faserriss im linken Oberschenkel zu und fällt mindestens zwei Wochen aus.