Leichtathletik-WM in London: Holzdeppe geht heute voll auf Angriff

Leichtathletik-WM in London : Holzdeppe geht heute voll auf Angriff

Der Stabhochspringer fühlt sich bei der WM gut. Im Rampenlicht ruft er seine besten Leistungen ab.

Raphael Holzdeppe mag London. Vor fünf Jahren begann die Weltkarriere des Stabhochspringers vom LAZ Zweibrücken genau hier. Im Olympiastadion. Der heute 27-Jährige flog damals über 5,91 Meter – und gewann überraschend Bronze. Zwar hatte er wenige Wochen zuvor bei den Europameisterschaften in Helsinki auch den dritten Platz belegt, aber das war eine EM im olympischen Jahr. Da nimmt nicht jeder Topathlet teil. Und seine Höhe (5,77 Meter) war letztlich international ordentlich, aber beileibe nicht Weltklasse.

Seit London ist Holzdeppe ein Star der deutschen Leichtathletik – vor allem, weil er es mit Ausnahme der Olympischen Spiele 2016 in Rio immer geschafft hat, beim Saisonhöhepunkt seine besten Leistungen abzurufen. 5,89 Meter bescherten ihm 2013 in Moskau WM-Gold, 5,90 Meter 2015 in Peking WM-Silber. Holzdeppe ist eine Rampensau, einer, dessen Leistung jederzeit explodieren kann, wenn der Rahmen entsprechend groß ist. In London zum Beispiel. Deswegen macht er vor dem heutigen Finale (20.35 Uhr/Eurosport) aus seinen Zielen auch gar kein Geheimnis: „Ich will eine Medaille, am liebsten die goldene.“

Und helfen soll vor allem die Atmosphäre in London. „Ich habe mich im Vorfeld sehr auf die WM hier gefreut, weil ich die Stimmung von Olympia noch im Hinterkopf hatte. Das hat man auch bei der Qualifikation gesehen. Wir sind reingekommen und wurden mit Applaus begrüßt, obwohl wir noch gar nichts gemacht hatten“, sagt Holzdeppe.

Die Qualifikation hatte er am Sonntagmittag mit Hängen und Würgen überstanden. Sie war ein bisschen ein Spiegelbild der bisherigen Saison mit Höhen und Tiefen, auf jeden Fall ausbaufähig. Nach der ausgelassenen Anfangshöhe war er bei 5,45 Metern in die Konkurrenz eingestiegen. Er meisterte die Einstiegshöhe souverän im ersten Durchgang. Danach tat er sich schwer, der Abstand zur Latte stimmte meist nicht. So brauchte er über 5,60 Meter einen zweiten Versuch, über 5,70 Meter sogar einen dritten, um das Final-Ticket zu lösen.

Mit ihm überquerten sieben weitere Athleten die Marke. So brauchte es noch nicht einmal die geforderte Qualifikationshöhe von 5,75 Metern. „Der Wind hat zwischenzeitlich gedreht, das war nicht einfach. Ich habe mich trotzdem gut gefühlt. Ich werde versuchen, im Finale ganz vorne mitzuspringen.“

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