Holsteiner Aufregung

Kiel. Das dänische Lügumkloster, rund zehn Kilometer nördlich der Grenze zu Deutschland gelegen, ist ein Ort der Stille. Wen es hierhin verschlägt, der bestaunt die Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert, eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenbauten Dänemarks. Oder er flüchtet vor der Hektik des Alltags

Kiel. Das dänische Lügumkloster, rund zehn Kilometer nördlich der Grenze zu Deutschland gelegen, ist ein Ort der Stille. Wen es hierhin verschlägt, der bestaunt die Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert, eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenbauten Dänemarks. Oder er flüchtet vor der Hektik des Alltags. Oder er bereitet sich als Fußballer auf das wohl wichtigste Spiel seiner Laufbahn vor - so wie die Profis des Regionalligisten Holstein Kiel, der heute im ersten Viertelfinale des DFB-Pokals den deutschen Meister Borussia Dortmund empfängt (20.30 Uhr/ARD).Drei Tage hat das Team von Trainer Thorsten Gutzeit hier trainiert. Geplant war aber nicht, den "Geist des Lügumkloster" zu beschwören. Die "Störche" wurden durch das eisige Wetter aus Kiel vertrieben. "Hier war kein adäquates Training möglich", erklärt Gutzeit. Der Kunstrasenplatz in Lügumkloster, präpariert mit einer speziellen Salzmischung, bot ihnen den gewünschten Untergrund, um sich auf das Spiel des Jahres einzustellen. Auf den größtmöglichen Kontrast zum beschaulichen Leben in der dänischen Provinz.

Allein der Medienauftrieb: "Es sind 300 Medienvertreter akkreditiert", berichtet Holsteins Medienkoordinator Patrick Nawe. "Unfassbar, wie der Parkplatz vor dem Holstein-Stadion aussieht", sagt Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke: "Da stehen überall Übertragungswagen."

Der schrille Kosmos des großen Fußballs überfällt Kiel, eine Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten durch Handball-Rekordmeister THW Kiel von sich reden machte. Holstein war zwar früher eine nationale Größe, deutscher Meister 1912, Finalist des Jahres 1930. Aber nach dem Ende der zweigeteilten 2. Bundesliga war der Kieler Fußball in eine Art Dornröschenschlaf gefallen. Umso größer ist die Freude bei den Verantwortlichen. "Wir haben die Region richtig angezündet", freut sich Schwenke.

Es herrscht also Aufregung in Kiel. Aber die Spieler scheint das nicht zu irritieren. Selbst der hoch veranlagte Außenverteidiger Dan-Patrick Poggenberg betrachtet das alles mit einer bemerkenswerten Mischung aus Erstaunen und Amüsement. Dabei lebt der 19-Jährige aktuell einen Traum: "Ich bin BVB-Fan, seit ich fünf bin", berichtet er freimütig. Am liebsten wäre er seinem Vorbild Dede begegnet. Doch er freut sich nun genauso auf Stars wie Mats Hummels, Sebastian Kehl, Robert Lewandowski. Aber die Perspektive eines Fans werde ihn in den 90 Minuten nicht interessieren: "Dann werde ich alles tun, um meinen Gegenspieler zu stoppen."

Allzu großen Respekt legen sie nicht an den Tag, das verrät schon der Plan des BVB-Fans Poggenberg. "Wir müssen möglichst lange die Null halten, und dann sitzt vielleicht der eine oder andere Konter", sagt er. Überhaupt hat die Mannschaft großes Selbstvertrauen geschöpft durch Pokalsiege gegen Energie Cottbus (3:0), MSV Duisburg (2:0) und Mainz 05 (2:0). Auch Fiete Sykora, der ruhende Pol im Kieler Mittelfeld, sieht kein Problem in der großen Form der Dortmunder: "Das ist kein Nachteil für uns. Wenn man so gut spielt, dann geht schnell mal ein Stück Konzentration verloren. Und wenn den Dortmundern ein paar Prozent fehlen, sind wir da."

Hintergrund

Gute und schlechte Nachrichten für Borussia Dortmund. Die schlechte: Der Meister muss zwei Wochen auf Sven Bender verzichten. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, hat sich der Mittelfeldspieler beim 2:0 seiner Mannschaft am Freitag beim FC Nürnberg einen Teilabriss des Außenbandes im linken Sprunggelenk und eine Dehnung des Syndesmosebandes zugezogen. Er wird damit mindestens im Pokal-Viertelfinale heute bei Holstein Kiel und im Bundesliga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen fehlen.

Die gute Nachricht: Dortmund und Hauptsponsor Evonik setzen ihre Zusammenarbeit bis 30. Juni 2016 fort. Der bis 2013 datierte Vertrag mit dem Industriekonzern wurde um drei Jahre verlängert. Dem Vernehmen nach garantiert der bisherige Kontrakt dem BVB 7,5 Millionen Euro jährlich. Dazu kommen erfolgsabhängige Zahlungen. dpa

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