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Neuer Trainer des Hamburger SV
„Holleraxt“ trifft auf Freund Hasenhüttl

Hamburg. Bernd Hollerbach debütiert in Leipzig als HSV-Trainer. Müssen die Hamburger eine Ablöse zahlen?

Natürlich kam die Frage nach der Nervosität, doch da musste Bernd Hollerbach nur schmunzeln. Der Mann mit dem Fünf-Tage-Bart und dem eingebauten grimmigen Blick gibt sich vor seinem Debüt als Trainer des Hamburger SV cool. "Bis jetzt ist alles gut", sagte der 48-Jährige, den sie als Spieler "Holleraxt" gerufen haben, schließlich habe er schon viel erlebt. "Ich freue mich drauf", sagte Hollerbach über sein Bundesliga-Debüt als Trainer bei RB Leipzig an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky).



Bei seinem neuen Arbeitgeber wird die Freude über die Verpflichtung des Franken möglicherweise getrübt. Denn nach einem Bericht des „Mannheimer Morgen“ stand Hollerbach noch bei den Würzburger Kickers unter Vertrag, als er seinen Kontrakt in der Hansestadt unterschrieb. Träfe dies zu, wäre eine erkleckliche Ablösesumme an den Drittligisten fällig.

Vielleicht hätte Hollerbach sich für seinen Start insgeheim einen etwas leichteren Gegner gewünscht, aber das sagte der Nachfolger von Markus Gisdol selbstverständlich nicht. "Wir haben mit dem Trainerteam einen Plan gemacht, wie man so schön sagt. Klar ist, dass Leipzig eine starke Mannschaft ist", sagte der neue Hoffnungsträger beim Dauerkrisenklub von der Elbe: "Ich bin aber auch überzeugt davon, dass man immer eine Chance hat."

Zuletzt präsentierte sich sein am Montag übernommenes Team allerdings recht chancenlos. Seit sechs Spielen wartet der HSV auf einen Sieg, die letzten vier Partien wurden verloren, nur die Hanseaten sind in der Rückrunde noch ohne Punkt und Tor. Und Hollerbach ist auf der Mission, den seit Jahren taumelnden Traditionsklub wieder irgendwie in der Liga zu halten, nun der Chef. "Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst", sagte er. Als erstes drückte der Franke den Resetknopf. Auch Streikprofi Walace bekommt eine neue Chance.

2005 erwarb Hollerbach mit Ralph Hasenhüttl die Trainer-A-Lizenz in Köln. Seitdem ist er mit dem Leipzig-Coach befreundet. Hasenhüttl bestätigt die gute Bekanntschaft, lässt aber auch erkennen, dass er bei der täglichen Arbeit andere Schwerpunkte setzt: "Was die Trainingsinhalte angeht, sind wir keine Brüder im Geiste." Auch wenn Hollerbach seit Montag härter und mehr als zuletzt trainieren sowie den Volkspark "zur Kaserne" (Hamburger Morgenpost) für sein Team ausbauen ließ, zeigte der Schüler von Felix Magath aber auch, dass mehr als nur ein kompromissloser Schleifer in ihm steckt. Es wurde tatsächlich auch gelacht im Training. Hollerbach redete viel und ließ durchblicken, dass unter ihm mehr als nur ein taktisches System zur Anwendung kommen könnte. "Ich habe schon einige Ideen im Kopf – aber die werde ich meinem Freund Ralph Hasenhüttl jetzt nicht verraten", sagte Hollerbach und versprach: "Wenn alle mitmachen und wir geschlossen auftreten, dann sind wir schwer zu schlagen."