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„Hohe Leitplanken“ für die FCS-Fans

„Hohe Leitplanken“ für die FCS-Fans

Die personalisierten Tickets für das Spiel des 1. FC Saarbrücken am Samstag in Trier sind eine Strafe – und sie sorgen für Diskussionen.

Wenn Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken an diesem Samstag zum Südwest-Derby bei Eintracht Trier antritt (14 Uhr), werden die Kassenhäuschen rund um das Moselstadion geschlossen bleiben. Tickets gibt es nur bis Freitag im Vorverkauf im FCS-Fanshop in der Saarbrücker Innenstadt. Und: Die Eintrittskarten sind personalisiert. Doch was heißt das eigentlich?

"Wir schreiben den Namen des Käufers auf die Karte und stempeln diese ab", erklärt FCS-Geschäftsführer David Fischer: "Der Name wird auf eine Liste eingetragen. Diese wird am Freitag nach Ende des Vorverkaufs gleich wieder vernichtet." Eine "Vorratsdatenspeicherung" findet also nicht statt - keine Adresse, kein Foto, kein Geburtsdatum. "Viele Käufer fragen uns, ob sie ihr Auto angeben müssen oder wenn sie mit der Bahn fahren", erzählt Fanshop-Leiterin Petra Münz: "Wir raten jedem, sich den bestehenden Bussen anzuschließen. Aber natürlich darf jeder individuell anreisen."

Gleich fünf Tickets holte gestern Mathias Reifenberger für den Fanclub Saarbotage ab. Sie hatten ihre Namen vorher per E-Mail an die Geschäftsstelle gemeldet, normalerweise soll jeder Käufer nur seine Karte bekommen. "Wir haben im Fanclub diskutiert und sind zu der Entscheidung gekommen, nach Trier zu fahren", sagt Reifenberger: "Für uns ist die Personalisierung kein Problem. Ich kann auch angesichts der Vorfälle bei den letzten Spielen gegen Trier die Restriktionen verstehen. Aber ich habe auch Verständnis, dass andere Fans das anders sehen."

Teile der Trierer Fanszene haben schon ihren Boykott des Spiels angekündigt. Auch einige Saarbrücker werden wohl nicht ins Moselstadion reisen, wo der Personalausweis mit dem Namen auf der Karte verglichen werden soll. "Es wird verstärkte Einlasskontrollen geben. Es war der ausdrückliche Wunsch, das Spiel mit Zuschauern auszutragen. Da muss man damit leben, dass die Leitplanken höher gezogen werden", sagt FCS-Geschäftsführer Fischer.

"Es ist ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Es ist nicht üblich, dass man bei Veranstaltungen in Deutschland seinen Namen angeben muss", erwidert Jörg Rodenbüsch vom Saarbrücker Fanprojekt Innwurf: "Das Ganze wurde auch schlecht kommuniziert. Die Frage, was mit den erfassten Daten passiert, wer sie einsehen kann und wann und wie sie gelöscht werden, ist für viele nicht ausreichend beantwortet."

Frank Schmelczyrsch, Leiter der Abteilung szenekundige Beamte bei der saarländischen Polizei, klärt auf: "Wir bekommen diese Daten nicht. Und es wird auch keinen Abgleich geben. Das ist aus datenschutzrechtlichen Gründen schon gar nicht möglich." Warum trotzdem personalisiert wird? Vielleicht um den Einzelnen das Gefühl zu nehmen, in der Masse untertauchen zu können. Doch das sagt so niemand öffentlich.

Personalisierte Eintrittskarten und verschärfte Einlasskontrollen sind aber nur ein Teil der Strafe, die vom Sportgericht der Regionalliga Südwest gegen beide Vereine verhängt wurde, weil sich Teile ihrer Fans in der Vergangenheit mehrfach daneben benommen haben. Beim FCS folgt noch ein Teilausschluss der Anhänger beim nächsten Liga-Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers (9. April, 14 Uhr). Hier wird nur die Tribüne mit 550 Plätzen im Hermann-Neuberger-Stadion geöffnet sein.

 FCS-Fan Mathias Reifenberger (links) holt im Fanshop bei Geschäftsführer David Fischer und Petra Münz seine Karte für die Partie bei Eintracht Trier ab – und vier weitere für den Fanclub Saarbotage. Foto: Schlichter
FCS-Fan Mathias Reifenberger (links) holt im Fanshop bei Geschäftsführer David Fischer und Petra Münz seine Karte für die Partie bei Eintracht Trier ab – und vier weitere für den Fanclub Saarbotage. Foto: Schlichter Foto: Schlichter

Dass dazwischen noch das Derby gegen den FC Homburg im Halbfinale des Saarlandpokals ansteht (Mittwoch, 18 Uhr, Völklingen), das von den Verantwortlichen als "Rotspiel" angesehen wird, macht der Polizei aber keine Sorgen. "Das Pokalspiel hat besondere Brisanz, weil es für beide ein Alles-oder-Nichts-Spiel ist", sagt Polizei-Einsatzleiter Eric Schweizer: "Es ist ein Risikospiel zwischen FCS und FCH - wie immer. Wir werden dem Rechnung tragen."

Auch beim FCS ist man gelassen, setzt auf Einsicht. "Es werden auch alle Personen Zutritt haben, die eigentlich ein bundesweites Stadionverbot haben. Das ist im Saarlandpokal so üblich", sagt Fischer: "Wir sehen das auch als Chance für die Betroffenen."