| 21:18 Uhr

Fußball-WM in Russland
Hoffnungsträger der Fußball-Nation

Marco Reus kommt zur Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Sotschi. Der 29-jährige Angreifer von Borussia Dortmund könnte der deutschen Elf entscheidende Impulse geben.
Marco Reus kommt zur Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Sotschi. Der 29-jährige Angreifer von Borussia Dortmund könnte der deutschen Elf entscheidende Impulse geben. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Sotschi. Marco Reus soll die deutsche Nationalmannschaft am Samstag gegen Schweden im Turnier halten.

An das WM-Finale von 2014 hat Marco Reus noch eine präzise Erinnerung. Er erlebte es auf der heimischen Couch und sah dort das 1:0 seines Kumpels Mario Götze im Fernsehen. Natürlich hat er sich gefreut. Aber „nach dem Spiel bin ich ins Bett gegangen“, sagt er. Später schrieb er auf Twitter im internationalen Gangslang der Großsportler: „Danke, Bro!“ - Danke, Bruder!


Reus‘ Freude über den Titel war sicher nicht ungetrübt, denn eigentlich hätte er ja da unten im legendären Maracana-Stadion stehen müssen. Der Spieler von Borussia Dortmund galt als feste Größe im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw. Bis zum letzten Testspiel. In Mainz wollte sich die DFB-Auswahl gegen Armenien noch mal so richtig warmschießen für Brasilien. Das gelang, Deutschland gewann mit 6:1. Aber das bekam Reus schon nicht mehr mit. Er war verletzt ausgeschieden, und im Krankenhaus wurde ein Syndesmose-Riss festgestellt. Damit war die WM gelaufen.

Das ist eine typische Reus-Geschichte. Immer, wenn er mal wieder so richtig auf dem Sprung schien, warf ihn die nächste Verletzung zurück. Seit der Saison 2009/2010 zählten die allgegenwärtigen Statistiker beim Fußball-Arbeitnehmer Reus 826 Fehltage wegen Krankheit zusammen. In neun Jahren fiel er 2,26 Jahre aus. Aber Reus stand oft wieder auf, wenn ihn andere am Boden wähnten. Andere mit seiner Krankenakte hätten vielleicht irgendwann gesagt: „Es reicht.“ Das steht für den Dortmunder Stürmer nicht zur Debatte. In Russland erlebt er deswegen mit 29 Jahren seine erste WM – und nach der vor allen Dingen in der ersten Hälfte bestürzenden Vorstellung der Mannschaft beim 0:1 gegen Mexiko ist der schnelle Mann vom BVB der Hoffnungsträger für den taumelnden Weltmeister.



Bereits nach seiner Einwechslung im Auftaktspiel brachte er so etwas wie Bewegung in die Begegnung. Am Samstag soll er nun mit seinen Läufen aus der vielzitierten Tiefe des Raumes die schwedische Abwehr durcheinander bringen. Ganz Fußball-Deutschland setzt auf Reus. Das habe er natürlich mitbekommen, sagt er in Sotschi. Er sagt es leise, wie er überhaupt kein Mann für die großen öffentlichen Worte ist. An diesem Tag sitzt er ausgerechnet neben Thomas Müller, der natürlich ein Mann für die großen öffentlichen Worte ist. Und da fällt es besonders auf, wie schüchtern Reus außerhalb des Rasenvierecks ist.

Auf dem Platz ist das ganz anders. Da wird aus ihm ein mutiger Kerl, der schwierige Zweikampfsituationen sucht, der selbstbewusst seine Sprints anzieht und der über eine unvergleichliche Schusstechnik verfügt. „Marco ist wahnsinnig geschickt und intelligent, für jeden Gegner überraschend“, erklärt Bundestrainer Joachim Löw. Trotzdem stellte er ihn im Auftaktspiel nicht in die Startelf. Das war gewiss ein Fehler, soviel weiß man mittlerweile.

Diesen Fehler wird Löw am Samstag wohl kaum wieder tun. Es wäre eine dicke Überraschung, wenn er auf die Dienste des Dortmunders, den seine Kollegen „Rakete“ nennen, verzichten würde. Das weiß Reus. Aber er sagt die ganz artigen Nationalspieler-Sätze: „Die Aufstellung ist noch nicht festgelegt. Jeder hat den Ehrgeiz zu spielen. Der Trainer kennt mich schon länger und meine Fähigkeiten. Es liegt nicht in meiner Hand. Das oberste Prinzip muss sein, der Mannschaft zu helfen. Wo, ist mir egal.“ Die Antwort auf diese Frage gibt es am Samstag.