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Nordische Kombination
Hoffen auf Wende im Wohnzimmer

Kombinierer Eric Frenzel läuft und springt seiner Topform hinterher.
Kombinierer Eric Frenzel läuft und springt seiner Topform hinterher. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Seefeld. Kombinierer Eric Frenzel setzt voll auf das Seefeld-Triple von heute bis Sonntag.

Die Rückkehr in Eric Frenzels Wohnzimmer soll endlich die Wende bringen. Nirgendwo hat der einstige „König der Kombinierer“ so oft gewonnen wie im kleinen Seefeld in Tirol, wo heute der erste Höhepunkt der Saison beginnt. Und nur selten hat Frenzel Erfolge so dringend nötig gehabt wie kurz vor den Winterspielen in Südkorea. „Seefeld ist ein gutes Pflaster. Wenn wir dort Schwung aufnehmen, ist noch alles möglich“, sagt der Sachse.


Zwei Wochen vor Olympia sucht Frenzel wie der Rest des deutschen Teams seine Topform. Erst zwei Podestplätze hat er in dieser Saison bei neun Starts verbucht. Der erneute Triumph im Gesamtweltcup, es wäre der sechste in Folge, ist in weite Ferne gerückt. „Momentan habe ich speziell auf der Schanze meine Schwierigkeiten“, sagt der 29-Jährige vor dem dreitägigen Triple (also Wettkämpfen heute, morgen und am Sonntag), das sein letzter Auftritt vor Pyeongchang sein wird.

Wie Frenzel mussten auch Johannes Rydzek, immerhin Rekord-Weltmeister und Deutschlands Sportler des Jahres 2017, sowie Fabian Rießle zuletzt dem Rivalen Norwegen den Vortritt lassen. Im Kampf um die Kristallkugel führt Jan Schmid, auch beide Staffeln des Winters gewannen die Skandinavier. Besonders auf der Schanze waren die Unterschiede eklatant. „Die Norweger springen derzeit in einer eigenen Liga“, sagt Frenzel.



Wie gut also, dass nun Seefeld auf dem Programm steht. Seit 2014 gibt es das Triple, alle bisherigen vier Auflagen hat Frenzel gewonnen. „Ich weiß auch nicht, warum es dort immer läuft wie beim Brezel backen“, sagte der Olympiasieger einmal. Nimmt man die letzten 14 Einzelwettkämpfe in dem WM-Ort von 2019, wird die deutsche Dominanz noch beeindruckender. Zwölf Mal gewann Frenzel, zwei Mal Rydzek. Weitere Sieger: Fehlanzeige.

Das Seefeld-Wochenende wird somit zwangsläufig ein Fingerzeig in Richtung Südkorea. Hält die deutsche Dominanz – oder ist die Wachablösung vollzogen? „Ich bin überzeugt, dass wir das noch hinbekommen. Wir können Norwegen auch noch schlagen“, sagt Hermann Weinbuch. Der Bundestrainer gibt aber auch zu: „Uns fehlt, was uns letztes Jahr ausgezeichnet hat. Da waren wir in einem Flow und haben eine breitere Brust bekommen.“

In genau diesen Flow wollen Frenzel und Co. jetzt kommen. Dabei wartet ein wahrer Marathon: Am Freitag sind in der Loipe fünf Kilometer zu absolvieren, am Samstag zehn, am Sonntag folgen sogar gleich zwei Sprünge und 15 Kilometer auf der Piste. „Ich fahre mit einem gewissen Selbstbewusstsein dorthin. In Seefeld ging es immer recht gut“, sagt Frenzel. Gelingt also im Wohnzimmer die Wende? Seine eigenen vier Wände hat Frenzel in Seefeld jedenfalls schon lange: Im deutschen Teamhotel „Zum Gourmet“ gibt es inzwischen eine „Eric-Frenzel-Suite“.