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Hochgejubelt und tief gefallen

Hochgejubelt und tief gefallen

Ernüchterung statt Euphorie: Hoffnungsträger Vincent Feigenbutz hat durch die K.o.-Niederlage gegen Giovanni De Carolis die Krönung zum jüngsten Profi-Weltmeister der deutschen Box-Geschichte verpasst.

Nach dem unerwarteten Rückschlag trat Vincent Feigenbutz in Rocky-Manier erst einmal die Flucht nach vorne an. "Ich komme wieder", rief der gefallene Hoffnungsträger nach der Niederlage im Rückkampf gegen den Italiener Giovanni De Carolis ins Ring-Mikrofon. Die Fans in der ausverkauften Offenburger Baden Arena jubelten ihrem "Prince Vince" trotz fehlender WM-Krone zu.

Doch gut eine Stunde nach dem technischen K.o. in der elften Runde und der verpassten Krönung zum jüngsten Profi-Weltmeister der deutschen Box-Geschichte schlugen Ernüchterung und Enttäuschung voll durch. Blass, die schwarze Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen, saß der 20-Jährige weit nach Mitternacht in der Pressekonferenz und fand ebenso wie sein Trainer Hans-Peter Brenner ("Irgendwie hat heute alles gefehlt") keine Erklärung für die dürftige Leistung.

Für Erleichterung im Lager des Super-Mittelgewichtlers sorgte die Tatsache, dass im Vertrag eine Option für einen Rückkampf des Rückkampfes verankert worden war. Das De-Carolis-Management stimmte zu. Der Trilogie steht nichts im Wege. "Ich habe Giovanni ein Re-Match gegeben, er wird mir eines geben - und im dritten Kampf wird es entschieden", sagte Feigenbutz dazu.

Kritische Worte musste sich Feigenbutz, der als Heilsbringer des taumelnden Profi-Boxens aufgebaut werden soll, von Promoter Wilfried Sauerland gefallen lassen. "Wir müssen uns Gedanken machen, warum noch nicht mal das gehalten werden konnte, was Vincent beim letzten Mal gezeigt hat", sagte der 75-Jährige. Sauerland machte aber auch unmissverständlich klar, dass der Glaube an eine große Profi-Karriere des Feinmechaniker-Azubis der Karlsruher Stadtwerke nach wie vor groß ist. "Der Traum, dass er der jüngste Weltmeister wird", betonte der Promoter, "der ist noch nicht ausgeträumt." Trainer-Ikone Ulli Wegner mahnte allerdings zur Geduld mit dem Shootingstar. "Vince steht die Welt offen, er hat das Potenzial. Aber man muss ihn kontinuierlich aufbauen, nicht mit Gewalt", sagte Wegner.

Durch die zweite Niederlage im 23. Kampf (19 K.o.-Siege) ist der rasche Aufstieg von Feigenbutz erst mal ins Stocken geraten. Bereits beim ersten Vergleich mit De Carolis im Oktober 2015 in Karlsruhe hatte er nur äußerst umstritten nach Punkten gewonnen. Auch im zweiten Duell mit dem stolzen Römer agierte Feigenbutz insgesamt zu passiv und wirkte konditionell nicht auf der Höhe. Zum Zeitpunkt des Abbruchs lag De Carolis mit Punkten klar vorne. Nur ein K.o. des 31-Jährigen hätte den Lokalmatador retten können.

Der Abbruch nach einem Schlag auf den Hinterkopf von Feigenbutz war allerdings umstritten. Sogar ein WBA-Offizieller hatte dem Sauerland-Team einen Protest empfohlen.

Bei einem Sieg von Feigenbutz wäre ein Duell um den Titel des Super-Champions mit dem Sieger des Kampfes zwischen Felix Sturm (Leverkusen) und Fjodor Tschudinow (Russland) wahrscheinlich gewesen. Der Leverkusener und der Russe kämpfen am 20. Februar in Oberhausen gegeneinander. Das folgende Duell um die WM-Krone muss bis 20. Mai stattgefunden haben.

Zum Thema:

HintergrundDer saarländische Boxprofi Jürgen Doberstein und Vincent Feigenbutz kämpfen in der gleichen Gewichtsklasse, im Supermittelgewicht. Und beide sind beim Boxverband WBA am höchsten gelistet. Während Feigenbutz nun den Kampf um den WBA-WM-Gürtel verloren hat, hofft Doberstein, im Juni um den Interims-WM-Gürtel boxen zu können, den Feigenbutz für den WM-Kampf niederlegen musste.Der Sauerland-Boxstall hat Feigenbutz auf dem Weg nach oben unterstützt, allerdings hatte der Karlsruher vor den Kämpfen gegen Giovanni De Carolis fast nur schwache Gegner. Doberstein, der vor Jahren auch kurz bei Sauerland unter Vertrag war, geht einen anderen Weg. Die Qualität der Gegner wurde bisher von Kampf zu Kampf besser. red