Hitzlsperger will keine Galionsfigur sein

Hitzlsperger will keine Galionsfigur sein

Thomas Hitzlsperger hatte Bundestrainer Joachim Löw bereits lange vor seinem „Coming-out“ eingeweiht. Nach seinem Bekenntnis lehnt der Ex-Nationalspieler eine Rolle als Galionsfigur für Homosexuelle ab.

Thomas Hitzlspergers "Coming-out" ist für Fußball-Bundestrainer Joachim Löw schon lange keine Neuigkeit mehr gewesen. Hitzlsperger habe ihm vor der Europameisterschaft 2012, bei der er nicht im Kader stand, von den Plänen für den Schritt an die Öffentlichkeit durch ein Interview berichtet, bestätigte Löw dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel": "Ich habe ihm gesagt: ,Wenn Du mit einem Interview an die Öffentlichkeit gehen möchtest, habe ich großen Respekt davor.'" Einige Tage später habe Hitzlsperger ihn angerufen, um zu sagen, dass er es sich mit dem "Coming-out" noch einmal anders überlegt hätte. Aus Löws Sicht hätte 2012 für Hitzlsperger schon ein geeigneter Zeitpunkt für das nun am vergangenen Mittwoch vollzogene Bekenntnis sein können. "Er möchte ein normales Leben führen, wollte ein klares Bekenntnis abgeben und nicht irgendwann von einem Fotografen überrascht werden. Als er mir davon erzählte, dachte ich: ,Es ist für ihn persönlich sicher eine gute Entscheidung.'", sagte Löw. Hitzlsperger bestritt unter ihm 36 seiner 52 Länderspiele. Bei seinem letzten Auftritt im deutschen Trikot im August 2010 gegen Dänemark (2:2) stand er sogar als Kapitän der Nationalmannschaft auf dem Platz.

Seine lange vorbereitete Aktion hat nach Hitzlspergers eigener Einschätzung ihr Ziel vollauf erreicht. "Ich habe einen Nerv getroffen. Profisport und Homosexualität sind bislang nicht vereinbar gewesen, und die auch für mich überraschend hohe Anzahl von Reaktionen zeigt, dass es auch noch nicht normal ist", sagte der 31-Jährige: "Die vielen Briefe, die ich bekommen habe, sind für mich eine Bestätigung, das Richtige gemacht zu haben."

Zu einer Galionsfigur für die Homosexuellen-Szene will sich Hitzlsperger trotz seiner Vorreiter-Rolle nicht machen lassen. "Ich will nicht zur Ikone einer Schwulen-Bewegung im Sport werden. Ich nehme diese Rolle nicht an", sagte der Bayer: "Eine Vereinnahmung und Instrumentalisierung durch Leute, die damit ein Eigeninteresse verfolgen, werden mit mir nicht möglich sein." Auf die Auswirkungen seines "Coming-Out" wie Bekenntnisse womöglich aktiver Profis ist er gespannt. "Vielleicht hat diese Diskussion dazu beigetragen, dass die Spieler merken, dass es diese homophobe Stimmung weder in den Kabinen noch in den Stadien gibt. Die Gesellschaft in Deutschland gibt sich offen und tolerant. Das sollte den Spielern Mut geben."