| 21:52 Uhr

German Darts Open in Saarbrücken
Historischer Erfolg in der Saarlandhalle

So sieht ein echter Sensations-Sieger aus: Max Hopp feiert seinen Turniersieg mit den Fans in der Saarbrücker Saarlandhalle.
So sieht ein echter Sensations-Sieger aus: Max Hopp feiert seinen Turniersieg mit den Fans in der Saarbrücker Saarlandhalle. FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Der 21-jährige Max Hopp gewinnt als erster Deutscher überhaupt ein Profiturnier im Dartssport. Die Fans in Saarbrücken rasten völlig aus. Von Heiko Lehmann

„Alleh Hopp! Alleh Hopp! Alleh Hopp“, schreien 3000 verrückte Darts-Fans am späten Sonntagabend in der ausverkauften Saarbrücker Saarlandhalle in Richtung Bühne. Dort geht der deutsche Max Hopp aus Idstein zum letzten Mal an die Abwurflinie. Der 21-Jährige steht sensationell im Finale der German Darts Open und hat auf dem Weg dahin bereits die Nummer zwei der Welt, Peter Wright, und Weltmeister Rob Cross in die Knie gezwungen. 121 Punkte muss Hopp noch werfen, um gegen die Nummer zehn der Welt, Michael Smith aus England, mit 8:7 zu gewinnen – es wäre Darts-Geschichte, die in Saarbrücken geschrieben wird.


Die Fans schreien sich mit dem saarländischen Fastnachts-Ruf die Seele aus dem Leib. Hopp wirft den ersten Pfeil, und der landet genau in der dreifachen 20 für insgesamt 60 Punkte. Ein ohrenbetäubendes „Jaaaa“ kommt sofort von den 3000 Fans als Reaktion. Es bleiben noch 61 Punkte übrig. Hopp wirft mit dem zweiten Pfeil in die 11, um 50 Punkte Rest zu haben. Es folgt das nächste „Jaaaa“, und direkt im Anschluss rufen die 3000 „Bull, Bull, Bull“.

Hopp muss mit dem letzten Pfeil ins Bulls-Eye treffen – der kleine, 1,27 Zentimeter große, rote Punkt genau in der Mitte der Darts-Scheibe, der 50 Punkte bringt. Hopp setzt noch einmal ab und geht einen Schritt zurück – es ist plötzlich mucksmäuschenstill in der Saarlandhalle. Hopp geht einen Schritt vor zur Abwurfmarkierung, dreht den Pfeil ein letztes Mal in der Hand und donnert ihn dann genau in die Mitte der Scheibe.



Die Zuschauer rasten völlig aus, tanzen und springen in der Halle. Hopp schlägt die Hände vor sein Gesicht, bekommt direkt feuchte Augen, vergisst aber bei aller Freude auch nicht, seinem Gegner für ein atemberaubendes Finale zu danken. „Saarbrigge, ihr seid der Wahnsinn“, ruft Hopp als geborener Hesse in saarländischem Platt in das Mikrofon bei der Siegerehrung. Die Fans danken es ihm mit „Alleh Hopp“-Sprechchören.

„Die Fans haben einen großen Anteil, dass ich das heute und hier geschafft habe“, sagte der von Emotionen überwältigte 21-Jährige, der im Finale mit 3:6 zurücklag: „Ich habe zwar immer an mich geglaubt, aber es ist mir nach vier extrem anstrengenden Tagen immer schwerer gefallen, die Konzentration aufrechtzuerhalten. Und dann ziehen die Zuschauer wieder so ein Ding ab.“

Hopp kommt zurück und holt sich sensationell als erster Deutscher einen Titel bei der European-Tour der Professional Darts Corporation (PDC) – es ist ein historischer Erfolg, der größte in der Geschichte des Darts-Sports in Deutschland. Für Finalgegner Michael Smith war das alles zu viel. Er musste sich dem Topspiel des Deutschen und den 3000 Fans geschlagen geben und war mental nicht mehr in der Lage, an der Siegerehrung teilzunehmen. „Das ist das Größte, was ich je geschafft habe. Und es ist auch das größte, das es in der Sportart in Deutschland jemals gab. Ich muss das jetzt alles erst einmal sacken lassen“, sagt der 21-Jährige.

Als Hopp seinen Pokal und 25 000 Pfund Preisgeld (knapp 29 000 Euro) entgegennimmt, ist Michael van Gerwen, der beste Darts-Spieler der Welt, schon längst wieder auf dem Weg zurück in seine Heimat Boxtel in den Niederlanden. Wie im Vorjahr scheitert van Gerwen vorzeitig am Engländer Ian White und kann seinen Saarbrücken-Fluch auch bei den zweiten German Darts Open nicht ablegen. White verliert später im Halbfinale gegen Michael Smith.

Bereits am Samstag scheidet der Vorjahressieger und Weltranglisten-Zweite Peter Wright aus – mit 4:6 gegen Hopp, bei der Geburtsstunde des neuen Darts-Schlachtrufes „Alleh Hopp“. „Max ist ein fantastischer Spieler mit großem Talent. Er wird seinen Weg machen“, lobt Wright den Deutschen, dem auch Weltmeister Rob Cross ein starkes Spiel bescheinigt.

Drei Tage sehen mehr als 15 000 Darts-Fans absoluten Spitzensport in der Saarlandhalle, bei dem die Zuschauer nicht nur die Spieler anfeuern, sondern selber auch eine große Party feiern. Fußballspieler des SV Auersmacher kommen als Giraffen verkleidet in die Saarlandhalle. „Wir waren letztes Jahr schon hier“, sagt Christoph Brandstetter. Das Daumendrücken für Hopp hat geholfen. Der rockte die Saarlandhalle und qualifizierte sich nebenbei als erster Deutscher überhaupt für das World Matchplay (21. bis 29. Juli) im englischen Blackpool. Es ist nach der Weltmeisterschaft das bedeutendste Turnier des Jahres.

Für die German Darts Open musste sich Hopp übrigens am vergangenen Donnerstag erst einmal qualifizieren. Genau wie der Saarländer Gabriel Clemens, der in der ersten Runde der Quali scheitert. Auch Hopp ist da fast schon draußen, als er in Runde eins gegen den erfahrenen Bernd Roith mit 4:5 zurückliegt und ein verloren geglaubtes Spiel mit 6:5 noch für sich entscheidet.

Die Fußballer des SV Auersmacher sind kaum zu identifizieren unter ihren Giraffen-Kostümen – vermutlich deswegen hatten sie ihren Spaß.
Die Fußballer des SV Auersmacher sind kaum zu identifizieren unter ihren Giraffen-Kostümen – vermutlich deswegen hatten sie ihren Spaß. FOTO: Heiko Lehmann
Die Zuschauer in der Saarlandhalle rasten aus, als Max Hopp nacheinander die Stars der Szene besiegt, und feiern ihn mit Sprechchören.
Die Zuschauer in der Saarlandhalle rasten aus, als Max Hopp nacheinander die Stars der Szene besiegt, und feiern ihn mit Sprechchören. FOTO: Heiko Lehmann
Titelverteidiger Peter Wright hatte nicht viel zu feiern in Saarbrücken. Er verlor überraschend seine Auftaktpartie gegen Max Hopp mit 4:6.
Titelverteidiger Peter Wright hatte nicht viel zu feiern in Saarbrücken. Er verlor überraschend seine Auftaktpartie gegen Max Hopp mit 4:6. FOTO: Heiko Lehmann