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Historische Rallye Monte Carlo: Wolfgang Heinz belegt am Ende Rang 17

Rallye : Sogar besser als Walter Röhrl

Wolfgang Heinz hat sich einen Traum erfüllt: Der Losheimer startete in diesem Jahr erstmals bei der historischen Rallye Monte Carlo. Angepeilt hatte er einen Platz „um die 50“. Doch er schnitt deutlich besser ab — und es gab viel Geld für einen guten Zweck.

Es ist Mittwochmorgen, 1.30 Uhr, als der entscheidende Anruf kommt – und Wolfgang Heinz fast die Sprache verschlägt. Weil die Ergebnisse der letzten beiden Wertungsprüfungen der „Rallye Monte Carlo historique“ nur schleppend eintrudeln, hat bis zu diesem Zeitpunkt keiner der Teilnehmer eine Ahnung, wie die Rallye ausgegangen ist. Bis der Anruf kommt.

Am anderen Ende ist kurioserweise nicht die Rallye-Leitung, sondern Martin Brack aus Lebach, selbst aktiver Rallyefahrer und früherer Co-Pilot von Heinz. „Gerade laufen die Ergebnisse im Internet ein: Ihr seid auf Platz 17“, erzählt Brack ganz aufgeregt. Heinz kann es kaum glauben, denkt zunächst an einen Scherz. Doch es stimmt.

Im Vorfeld der Rallye war der Losheimer, der mit seinem Frankfurter Beifahrer Rolf Pellini zum ersten Mal bei der Monte am Start war, noch überzeugt: „Ein Platz unter den besten 50 ist bei der ersten Teilnahme kaum möglich.“ Und nun Platz 17 – unter mehr als 300 Teams aus 30 Ländern. „Das ist sensationell, das hätten wir nie gedacht“, sagt Heinz. Auch einen zweifachen Weltmeister hat er hinter sich gelassen.

Die „Rallye Monte Carlo historique“ ist quasi „die Mutter aller Oldtimer-Rallyes“. Startberechtigt sind nur Fahrzeuge, die schon in den Jahren 1955 bis 1979 bei der Rallye rund um Monaco dabei waren. Bildschöne Autos wie Renault Alpine, Lancia Beta und Porsche 911. Oder der rund 185 PS starke Ford Escort RS 2000 von Heinz. Es sind ein paar weniger Zuschauer, es liegt in diesem Jahr kein Schnee, und es geht auch nicht ganz so schnell zu wie zu früheren Zeiten.

Und doch lassen die Piloten die Autos richtig fliegen – in den Kurven, und immer wenn es irgendwie geht. Denn bei der Rallye Monte Carlo für historische Autos geht es nicht um Bestzeiten. Es geht darum, eine vorgegebene Richtgeschwindigkeit möglichst genau zu treffen. Auch Walter Röhrl, mittlerweile 72, ist am Start – in einem Porsche 911 SC aus dem Jahr 1979.

Gerne würde „der Lange“, 1980 und 1982 Weltmeister, noch mehr Gas geben. „St. Bonnet le Froid ist eine Prüfung, die ich normalerweise mit Tempo 130 fahre, und nun ist es ziemlich hart für mich, diese nur mit knapp 50 fahren zu dürfen und dieses Tempolimit respektieren zu müssen“, lamentiert der Regensburger. Doch in engen Kurven hat er Spaß. Da treibt er den Porsche im wilden Drift um die Ecken, dass die Fans johlen. Und nicht nur er begeistert die Zuschauer. Zwar sind Röhrl und sein Beifahrer Christian Geistdörfer 40 Jahre nach ihrem ersten Sieg bei der legendären Monte die großen und von den Fans umlagerten Stars, doch im Endklassement landet das Team weit hinter Heinz/Pellini auf Rang 49.

Begonnen hatte die Veranstaltung mit der Dokumenten- und Technischen Abnahme donnerstags in Bad Homburg. Wie in den 60er Jahren üblich erfolgte aus mehreren Orten in Europa eine Sternfahrt der Teilnehmer zum Startort der Rallye in Valence. Knapp 22 Stunden dauerte die Anfahrt aus Deutschland gen Süden. Ab Samstag standen dann die 15 Wertungsprüfungen an der Ardèche, in den Seealpen und rund um Monaco auf dem Programm. Schon früh setzten Heinz/Pellini ein Glanzlicht – mit dem Sieg auf der neunten Prüfung. „Der Wagen lief über alle Tage ohne technische Probleme, nur Tanken und Reifenwechsel waren angesagt“, schwärmt Heinz.

Und so ging das Team auf dem starken 34. Platz in die letzten beiden Prüfungen – und in die legendäre „Nacht der langen Messer“. „Wir waren mit diesem 34. Platz äußert zufrieden und wollten ihn eigentlich nur halten. Denn die Finalprüfungen inklusive des legendären Col de Turini haben es fahrerisch in sich“, erzählt Heinz. Doch dann katapultierten sich die beiden ausgerechnet auf den beiden Königsetappen noch auf Platz 17 nach vorne. „Das war unfassbar. Welch eine Nachricht nach rund 3000 Kilometern Streckenlänge, 15 Gleichmäßigkeits-Prüfungen, 41 Col-Überquerungen mit 31 Zeitnahmen und Dutzenden von schwierigen Haarnadelkurven rechts oder links“, erzählt Heinz. „Alleine die wohl anspruchsvollste Prüfung, die vorletzte, hatte mehr als 40 schwierige Kehren, der Col de Turini als Finale der 2020-er Ausgabe deren 39.“

Das Team hatte also allen Grund zum Feiern. Und das tat es auch. „Im edlen Ambiente des Sporting-Clubs von Monaco war am Mittwochabend mit tollem Buffet und Show die Preisvergabe an die drei Erstplatzierten – ein würdiger Abschluss dieser unvergesslichen und unglaublichen Rallye“, sagt Heinz.

Doch nicht nur der Losheimer und Pellini dürfen sich über den Erfolg freuen. „Wir wollen auch etwas für einen sozialen Zweck tun und werden fünf Euro für jeden Mitbewerber stiften, den wir hinter uns lassen“, hatte das Team vor der Veranstaltung angekündigt. Da die Losheimer Firma Extra-Haus diesen Betrag noch verdoppelte und auch das „Historic Rallye & Racing Team Germany“, das den Ford Escort vorbereitet und eingesetzt hatte, noch 300 Euro zuschoss, kamen am Ende 3300 Euro zusammen. Sie sollen an soziale Zwecke in der Gemeinde Losheim gespendet werden.

Alle Ergebnisse gibt es im Internet auf der Homepage des Automobil-Clubs von Monaco:

 Zeitreise: Die Rallye Monte Carlos historique ist ein rollendes Museum. Auch dieser Lancia Fulvia begeisterte die Fans.   Photo Alexandre Guillaumot / DPPI
Zeitreise: Die Rallye Monte Carlos historique ist ein rollendes Museum. Auch dieser Lancia Fulvia begeisterte die Fans. Photo Alexandre Guillaumot / DPPI Foto: picture alliance / DPPI Media/dpa Picture-Alliance / ALEXANDRE GUILLAUMOT
  Wolfgang Heinz (links) und Rolf Pellini bei der Gala.   Foto: presse-bilder.com
Wolfgang Heinz (links) und Rolf Pellini bei der Gala. Foto: presse-bilder.com Foto: Heinz
 Ex-Weltmeister und Rallye-Legende Walter Röhrl war 40 Jahre nach seinem ersten Sieg in Monte Carlo ebenfalls am Start.
Ex-Weltmeister und Rallye-Legende Walter Röhrl war 40 Jahre nach seinem ersten Sieg in Monte Carlo ebenfalls am Start. Foto: imago images / Manfred Segerer/Manfred Segerer;via www.imago-images.de

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