Squash: Hier bewegen sich alle auf Höhe der Basis

Squash : Hier bewegen sich alle auf Höhe der Basis

Die Zukunft des Saarländischen Squash Racket Verbandes ist auch von den Entscheidungen der Betreiber privater Anlagen abhängig.

Es dauert nicht lange, da sagt Heiko Doll diesen Satz: „Squash ist eine Randsportart.“ Wer dem Kassenwart des Saarländischen Squash Racket Verbandes (SSRV) eine Weile zuhört, der versteht: Ein Nachteil ist das nicht.

Der Landesverband vertritt neun Vereine, 252 Mitglieder. „Ein sehr kleiner Verband“, findet auch Doll. So, dass die Verantwortlichen genau wissen, wen sie repräsentieren, wer sich wo in der Region für den früheren Trendsport engagiert. Zu jeder Frage fallen Doll und Uwe Daum, dem Sport- und Jugendwart, konkrete Beispiele ein – und Namen von Ehrenamtlichen aus der überschaubaren Vereinslandschaft. Das heißt: Im SSRV bewegen sich alle auf Höhe der Basis.

Squash kam in der Bundesrepublik erst spät so richtig an. Populär wurde das temporeiche Spiel mit dem schwarzen Gummiball gegen Ende der Siebziger. „In den Achtziger- und Neunziger Jahren hat Squash einen schönen Boom erlebt“, blickt Doll zurück. Der Pfälzer kennt den Sport aus allen Perspektiven. Er zählt selbst zu den Aktiven, seit vier Jahrzehnten. Doll führt den SC Zweibrücken, der dem Verband im Saarland angehört. 2014 ließ sich der Unternehmer zum Kassenwart des SSRV wählen.

Mehr noch: Als die Tennis- und Squash-Arena in Zweibrücken vor dem Aus stand, stieg Doll als Pächter ein. Kein Neuland für ihn: Mit seiner World of Fun Freizeitpark GmbH betreibt der 53-Jährige in der Stadt auch die Eissport-Arena. „Ich wollte die Halle nicht sterben lassen“, sagt Doll über sein Engagement, das heute unter anderem dem SC Güdingen zugute kommt: Der Club trägt seine Bundesliga-Heimspiele in Zweibrücken aus.

Heiko Doll verkörpert die Verbindung, ohne die Squash hierzulande undenkbar wäre. Denn die Vereine nutzen private Anlagen, „ausnahmslos“, wie Doll erklärt. Es gibt keine öffentliche Infrastruktur. Das war früher kein Problem. Mitte der Neunziger existierten in Deutschland weit über 1000 Squashcenter, in der Spitze stolze 6815 Plätze. Damit bewegte man sich weltweit an zweiter Stelle hinter England, dem Mutterland mit gut 9000 Courts – so der englische Name für das Spielfeld, das im Squash vier Wände hat. Doch diese Hochzeiten sind vorbei.

„Wir haben den Trend, dass viele Center schließen“, sagt Sportwart Daum: „Die Möglichkeiten werden weniger.“ Die Zahl der verfügbaren Courts habe sich in den letzten fünf Jahren locker halbiert, meint Doll. Heute bestehen im Einzugsgebiet des SSRV sieben Center – in Güdingen, Bexbach, Ensdorf, Illingen, St. Ingbert und St. Wendel. Die räumliche Abdeckung mit Centern stimme noch. Doch: „Wenn jetzt was wegfällt, würde das große Löcher reißen“, erklärt Doll.

Über die größte Squash-Anlage verfügt Güdingen mit sechs Plätzen. Vor sieben Jahren war sie Austragungsort der Europameisterschaft. Ein Drittel der saarländischen Clubs spielt hier. An den übrigen Standorten stehen zwei bis maximal drei Courts zur Verfügung.

Wie viele Plätze es in Zukunft sein werden? Das hängt von der Nachfrage ab. Oder Trends, die einer Halle mehr Umsatz versprechen. Seltener von dem, was die Vereine sich wünschen. „Sie sind von den Betreibern abhängig“, erklärt Doll – ohne einen Vorwurf formulieren zu wollen. Schließlich kennt er als Hallenbetreiber auch die betriebswirtschaftliche Seite. Er sagt: „Courts, die nicht belegt sind, bringen keine Einnahmen, ganz klar.“

Squash muss sich unter diesen Bedingungen behaupten. Was als Sport, der bei Olympia fehlt, eine besondere Herausforderung darstellt. Denn wer mehr Aktive gewinnen will, braucht Aufmerksamkeit. Ein Glück für den SSRV: Als im Juli im polnischen Breslau die World Games stattfanden, sozusagen die Olympischen Spiele für nicht-olympische Disziplinen, war mit Franziska Hennes eine Squasherin aus dem Saarland dabei. Die Homburgerin, mittlerweile in Paderborn zu Hause, schied zwar direkt in der ersten Runde aus, nahm aber bereits zum zweiten Mal an den World Games teil, diesmal als eine von nur drei Sportlern aus der Region. Die anderen beiden waren die Footballer Alexander Haupert und Leon Helm vom Bundesligisten Saarland Hurricanes. Mehr Sichtbarkeit der Sportart Squash bringt auch der SC Güdingen – im zweiten Jahr als Erstligist. „Das Aushängeschild einer Bundesliga-Mannschaft trägt immer dazu bei, dass eine Sportart bekannt wird“, sagt Doll.

Dazu kommt die „Basisarbeit“, von der sein Mitstreiter Daum spricht. Der Einstieg beim Squash sei wesentlich einfacher als beim Tennis, meint er. Deshalb sucht der SSRV den Kontakt zu Schulen. Der Verband stellt Schläger, Schutzbrillen, verteilt Handbücher.

Daum lobt als Jugendwart die Talentförderung einzelner Vereine. Beim 1. SRC Wiesental aus St. Ingbert, früher in der Bundesliga, bemüht sich Britta Dabrock intensiv um Nachwuchs. Kürzlich organisierte die Lehrerin die Wiesental Junior Open, ein Jugendturnier. Beinahe die Hälfte der Meldungen kam von der Gemeinschaftsschule in St. Ingbert-Rohrbach, an der Darbrock unterrichtet. Nils Kempf, Erstliga-Spieler des SC Güdingen, engagiert sich an mehreren Orten als Trainer. Güdingen leistet sich zudem einen grenzüberschreitenden Perspektivkader, fördert drei Jugendliche aus der Großregion. Mit Erfolg: Die Brüder Arnaud und Nathan Masset kamen in dieser Saison schon zu Einsätzen in der 1. Liga.

Heiko Doll ist Finanzvorstand des Squash Racket Verbandes. Foto: Oliver Dietze

Für Doll kennt Nachwuchsarbeit indes kein Alter. Wenn der Squash-Präsident und seine Mitstreiter einen Hobbyspieler entdecken, sprechen sie ihn „aktiv“ an. „Oft ist unser Nachwuchs schon 30 Jahre alt“, sagt Doll. So gewannen sie in Zweibrücken neulich zwei 56-Jährige für den SC Zweibrücken. Beim SSRV zählt jedes Mitglied.

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