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2. Handball-Bundesliga
HG Saarlouis richtet klare Worte an die Spieler

Saarlouis. Dem Handball-Zweitligisten droht der Absturz in die 3. Liga. Trainer Philipp Kessler genießt die Rückendeckung des Vorstandes. Sebastian Zenner

Eigentlich wollte die HG Saarlouis in dieser Saison einen großen Schritt nach vorne machen. Doch der Handball-Zweitligist ist dort zu finden, wo er sich seit Jahren befindet: im Abstiegskampf. Nur vier Siege aus 18 Spielen lassen die HG wahrscheinlich auf einem Abstiegsplatz überwintern. „Das Wort Krise würde ich so nicht verwenden“, sagt der HG-Vorsitzende Richard Jungmann und formuliert eine Alternative: „Wir sind mitten in einer Umstellungsphase des gesamten Mannschaftsgebildes. Da hakt es etwas, weil das wechselhafte Spielverständnis von vorher einer gewissen Struktur weichen soll.“


Jungmann spielt auf den Trainerwechsel an. Anfang November wurde Jörg Bohrmann freigestellt und Co-Trainer Philipp Kessler zum Chef befördert. Der holte zwei Siege aus den ersten drei Spielen. Die folgenden fünf Partien gingen jedoch allesamt verloren. Der neue, noch unerfahrene Trainer steht trotzdem nicht zur Disposition: „Ich bin mit der Arbeit von Philipp Kessler sehr zufrieden, auch die Mannschaft ist äußerst zufrieden. Es liegt am Team, das ist eindeutig“, sagt Jungmann, der die 25:29-Heimpleite gegen Eintracht Hildesheim am 2. Dezember als Knackpunkt sieht: „Das durfte nicht verloren gehen. Alle anderen Spiele fanden bei Gegnern statt, die wie wir ums Überleben kämpfen. Da ist es keine große Überraschung, dass das Heimteam gewinnt.“

Er hinterfrage sich ständig und überlege, was er besser machen könne, sagt Kessler, der die eigenen Stärken wieder mehr in den Fokus rücken will: „Vielleicht hilft das unseren jungen Spielern, mit der Drucksituation umzugehen und auf dem Feld die Führung zu übernehmen.“ Das Team ist mit einem Durchschnittsalter von etwa 24 Jahren relativ jung. Zu jung? „Es ist schon so, dass in manchen Phasen des Spiels schon ein Routinier fehlt, der die einfachen Tugenden des Handballs auf die Mitspieler überträgt“, gibt Jungmann zu und ergänzt: „Verschiedene Spieler können ihr Potenzial offensichtlich nicht abrufen.“

Das gilt zum Beispiel für die Torleute Patrick Schulz und Darius Jonczyk oder die Neuzugänge Julius Lindskog Andersson und Arthur Muller. Während Andersson nach gutem Saisonstart nach einem Rippenbruch nicht wieder zu seiner Form zurückfand, kam Muller sichtbar unfit in Saarlouis an. „Wir haben intern angesprochen, dass diese Art der Vorbereitung suboptimal war. Wir haben klargemacht, dass er Nachholbedarf hat“, sagt Jungmann. „Dass er hier nicht fit erschienen ist, steht außer Frage. Das ist natürlich ein großes Problem, weil ich ihn in der Abwehr noch nicht einsetzen kann. Julius Andersson braucht noch seine Zeit, um sich unserem System und der Liga anzupassen“, findet Trainer Kessler.

Vorkämpfer Peter Walz schafft das in dieser Saison nicht mehr. Er musste nach seinem Kreuzbandriss durch Moritz Barkow ersetzt werden. Und Michael Schulz hat seit Wochen mit unterschiedlichen Verletzungen zu kämpfen. „Das ist eine Baustelle, an der der Verein und auch der Spieler arbeiten müssen. Es ist schon schwierig, wenn ein Spieler nur bedingt zur Verfügung steht“, sagt Jungmann.



Personell nachlegen will die HG Saarlouis in der Winterpause allerdings nicht. „Der Kader ist ohnehin schon größer als in den vergangenen Jahren“, stellt Jungmann klar. Auch Kessler sagt: „Ich brauche keine anderen Spieler. Die, die wir haben, müssen nur auf ihr höchstes Niveau gebracht werden.“ Abgänge sind während der Saison nicht zu befürchten. Auch nicht von den umworbenen Junioren-Nationalspielern Jerome Müller und Lars Weissgerber, deren Verträge im Sommer 2018 auslaufen.

Im Moment dreht sich alles nur um den Heimspiel-Doppeltag am Freitag gegen Eisenach sowie am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen Nordhorn. „Am Freitag muss die Mannschaft ein Zeichen setzen“, fordert Jungmann: „Die Spieler sollen keine Ausreden suchen, sondern sich voll reinhauen.“ Trainer Kessler wird konkreter: „In den beiden letzten Spielen müssen wir unseren Fans absoluten Kampf bis zum Erbrechen liefern. Ich will, dass jeder Spieler aus der Halle kriecht und Blutgeschmack im Mund hat, weil er nicht mehr kann. Das war immer mein Credo, und das will ich sehen.“