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Heimsieg gegen Kornwestheim
HG Saarlouis begeistert mit unbändigem Willen

HG-Kapitän Peter Walz (Mitte) lässt sich nicht aufhalten.
HG-Kapitän Peter Walz (Mitte) lässt sich nicht aufhalten. FOTO: Andreas Schlichter
Saarlouis. Der Handball-Drittligist besiegt in der heimischen Stadtgartenhalle den amtierenden Meister SV Kornwestheim mit 35:32. Von David Benedyczuk

140 Sekunden sind in einer hochemotionalen Handballpartie noch zu spielen, als sich die Zuschauer in der Saarlouiser Stadtgartenhalle für das große Finale im Duell der HG Saarlouis mit dem amtierenden Meister der 3. Liga Süd von den Sitzen erheben. Gerade hat HG-Torwart Patrick Schulz mit seiner Glanztat gegen Peter Jungwirth, Rechtsaußen des SV Salamander Kornwestheim, das 32:32 verhindert. Die Gäste blieben danach zwar in Ballbesitz – aber nur kurz, denn die Saarlouiser Abwehr entpuppt sich in der Endphase als echtes Bollwerk.


Anders als im Spiel zuvor beim VfL Pfullingen, wo der Zweitliga-Absteiger nach katastrophaler Angriffsleistung mit 15:26 untergegangen war, stimmt es diesmal auch vorne. Maximilian Hartz trifft 100 Sekunden vor Schluss zum 33:31, Schulz pariert danach auch gegen Kornwestheims Linksaußen Fabian Kugel, ehe Toms Lielais mit dem 34:31 eine gute Minute vor Ultimo alle Zweifel ausräumt – am Ende entthront das Team von Trainer Philipp Kessler den Meister mit 35:32 (15:17).

„Letzte Woche war es leider gar nix. Heute hat es einfach gepasst – jeder hat seine Leistung abgerufen“, freute sich Hartz, der am Ende mächtig aufdrehte und sechs seiner sieben Toren nach der Pause erzielte – fünf davon in den letzten 13 Minuten, als die HGS einen 25:28-Rückstand noch umbog. „Wir haben das gezeigt, was uns gerade in eigener Halle ausmacht: Mit dem Publikum zusammen die Emotionen mitnehmen – und unbändigen Kampf und Willen zeigen“, ergänzte Hartz, der den Coup mit den Mitspielern im Kreis tanzend gefeiert hatte.



Mittendrin im euphorischen Saarlouiser Jubel war auch Pascal Noll, der auf Linksaußen abwechselnd mit Lars Walz agierte und in der Endphase zu einem der Sieggaranten avancierte. So traf der lange verletzte 22-Jährige mit dem 32:31 (55. Spielminute) zur erstmaligen HG-Führung seit dem 14:13 (27.), für das er in Hälfte eins ebenfalls gesorgt hatte. „Nach Pfullingen war es bitter nötig, eine Reaktion zu zeigen. Dort haben wir mit elf Toren auf den Sack bekommen. Heute war es ein Sieg der Moral – wir haben gezeigt, was in uns steckt“, sagte Noll nach dem Kraftakt seines Teams.

Das ließ sich selbst vom Aus für Kapitän und Topschütze Peter Walz (acht Tore), der gut drei Minuten vor Schluss nach drei Zeitstrafen disqualifiziert wurde, nicht beirren. Ebenso wenig von den teils strittigen Entscheidungen des Schiedsrichter-Duos, das von den 875 Zuschauern in der Halle mit „Schieber“-Sprechchören bedacht und nach Abpfiff mit gellendem Pfeifkonzert verabschiedet wurde. Unter anderem wegen einer Vier-Minuten-Strafe für HG-Torwart Darius Jonczyk (46.), der sich über eine Entscheidung zu sehr echauffiert hatte.

Doch trotz der langen Überzahl zog Kornwestheim von 28:25 nicht weiter davon – im Gegenteil: Peter Walz traf im Siebenmeter-Nachwurf zum 29:30-Anschluss – und leitete so den furiosen HG-Endspurt ein. „Ich bin sehr stolz auf alle Jungs, die heute auf der Platte standen. Wir haben einen überragenden Kampf gezeigt“, lobte Trainer Philipp Kessler, der sich in den letzten zehn Minuten selbst brachte und mit Dominik Rifel im Mittelblock den Laden zusammenhielt. „Wir haben letzte Woche hart trainiert und müssen das nun so beibehalten – dann sieht man, was alles möglich ist“, sagte Noll vor den nächsten Aufgaben.

Übernächsten Freitag geht es erneut zu Hause gegen den makellosen Primus TSB Heilbronn-Horkheim (14:0 Punkte). „Das wird ähnlich schwer. Wenn wir aber die gleiche Leistung und Aggressivität aufs Feld bringen, kann auch das was werden“, war Hartz überzeugt.