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HG Saarlouis hat den Ligaverbleib fast sicher

Martin Murawski (vorne) dreht ab, Peter Walz (dahinter) streckt die Arme in die Höhe, und die Zuschauer in der Stadtgartenhalle reißt es von ihren Sitzen. Der so wichtige Heimsieg gegen Empor Rostock ist perfekt. Foto: Ruppenthal
Martin Murawski (vorne) dreht ab, Peter Walz (dahinter) streckt die Arme in die Höhe, und die Zuschauer in der Stadtgartenhalle reißt es von ihren Sitzen. Der so wichtige Heimsieg gegen Empor Rostock ist perfekt. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Der Handball-Zweitligist bringt eine wechselhafte Partie gegen Schlusslicht Rostock spektakulär zu Ende und gewinnt mit 24:23. Sebastian Zenner

Es läuft die letzte Minute des Zweitliga-Handballspiels HG Saarlouis gegen HC Empor Rostock. Es steht 23:23. Die Uhr zeigt nach einer HGS-Auszeit noch 13 Sekunden Spielzeit an. Nicht hektisch, aber druckvoll lässt die HGS den Ball zirkulieren. Acht Sekunden vor Schluss spielt Peter Walz den Ball zu Kapitän Jonas Faulenbach, der ihn unter Gegnerdruck hinter seinem Rücken nach Linksaußen weiterleitet. Dort lauert Martin Murawski. Fünf Sekunden bleiben noch, als er den Ball greift, zwei kraftvolle Schritte macht und abspringt. Sein Heber streift die Finger des starken Torwarts Paul Porath, landet aber dennoch in den Maschen - 24:23 für die HGS.


Die Stadtgartenhalle bebt. Nach der unmittelbar danach ertönenden Schluss-Sirene macht ein grüner Mob wie ein hungriges Löwenrudel kollektiv Jagd auf den Siegtorschützen. Mangels Fluchtweg bringen die Mitspieler "Gnu Muri" auf der gegenüberliegenden Hallenseite zu Fall und begraben ihre Beute johlend unter sich. "Ich habe gesehen, dass er einen Schritt nach vorne gemacht hat. Da dachte ich: Machste einen Heber", hechelt Murawski, nachdem er sich befreien kann.

Dass es einen glücklichen Siegtreffer in letzter Sekunde benötigte, um das abgeschlagene und seit Wochen als Absteiger feststehende Tabellenschlusslicht zu schlagen, schien anfangs absurd. Mit 6:1 führte Saarlouis nach zehn Minuten. Dann wurde Faulenbach gefoult, und während seiner verletzungsbedingten Pause stellten die Mitspieler das Torewerfen ein. Schlechtes Rückzugsverhalten begünstigte die Aufholjagd des HC. In der 22. Minute gingen die Gäste durch Vyron Papadopoulos sogar mit 8:7 in Führung. Der Top-Torschütze der Liga (245 Treffer) bekam dafür sogar den Applaus einiger höhnischer HGS-Anhänger. Bis zur Pause baute Rostock seine Führung auf 13:10 aus.



"Das war wie im Hinspiel. Da führten wir zur Halbzeit 15:10 und dachten: Wir geben jetzt noch mal zehn Minuten Gas, und dann haben die keine Lust mehr. Am Ende haben wir 26:27 verloren", rief Murawski in Erinnerung. Genau das wollte die HG nicht wieder erleben und glich nach dem Wiederanpfiff zügig aus (14:14). In der 45. Minute lag sie jedoch erneut in Rückstand - mit 15:19. Verantwortlich dafür zeichnete der starke HC-Schlussmann Porath, der unzählige Torchancen vereitelte und deshalb von HGS-Spieler Philipp Leist nach dem Spiel anerkennend "Kung Fu Panda" getauft wurde. Doch auch die Saarlouiser hatten einen Bären zwischen den Pfosten: Darius Jonczyk brachte die Hausherren zurück ins Spiel und damit auf die Siegerstraße.

"Wir haben das Spiel aus drei Gründen gewonnen: Die Halle stand hinter uns, Darius Jonczyk brachte eine ganz starke Leistung, und Peter Walz setzte in der Schlussphase von der Rückraum-Mitte wichtige Akzente", fasste HGS-Trainer Bohrmann zusammen. "Als wir mit vier Toren zurücklagen, habe ich ehrlich gesagt etwas gezweifelt, ob wir es noch schaffen" gestand Torwart Jonczyk: "Aber dann standen wir in der Abwehr wieder besser und konnten es noch einmal herumreißen. Und besser als Peter, Fauli und Muri kann man den letzten Spielzug nicht machen."

Durch den Sieg gegen Rostock und den 25:24-Erfolg der HSG Konstanz gegen die SG Leutershausen hat Saarlouis vor den beiden letzten Saisonspielen drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone und damit den Ligaverbleib fast geschafft.