| 21:46 Uhr

3. Handball-Liga
Ein Anker in der Findungsphase

Peter Walz geht seit Jahren bei der HG Saarlouis voran, musste beim Abstieg in der vergangenen Saison wegen eines Kreuzbandrisses tatenlos zusehen. Jetzt steht er wieder auf der Platte.
Peter Walz geht seit Jahren bei der HG Saarlouis voran, musste beim Abstieg in der vergangenen Saison wegen eines Kreuzbandrisses tatenlos zusehen. Jetzt steht er wieder auf der Platte. FOTO: Andreas Schlichter
Saarlouis. Mit dem wiedergenesenen Peter Walz am Kreis startet Handball-Drittligist HG Saarlouis in die neue Saison – auswärts in Haßloch. Von David Benedyczuk

Das Knie ist stabil. Wieder voll belastbar. „Da habe ich gar keine Bedenken“, sagt Peter Walz. Der 24-Jährige sitzt auf einem Hocker im Foyer eines Saarlouiser Fitnessstudios. „Individuelles Krafttraining“ hat Trainer Philipp Kessler den Spielern des Handball-Drittligisten HG Saarlouis für heute verordnet. Walz ist mit seinem Pensum durch: Gewichte stemmen, um für den Ligastart an diesem Samstag um 19.30 Uhr bei der TSG Haßloch gerüstet zu sein. Dort wird das Kraftpaket nach einem Kreuzbandriss wieder am Kreis seinen Mann stehen, vorne den Kollegen Wege freisperren oder selbst abschließen. Zudem soll er hinten mit Zweikampfstärke für Stabilität sorgen.


Die kam der HG häufig abhanden, nachdem sich Walz im November 2017 so schwer verletzte: Er musste tatenlos zusehen, wie das Team ungebremst dem Zweitliga-Abstieg entgegen taumelte. Mit dem 1,91-Meter-Hünen an Bord wäre die Runde anders gelaufen, da sind sich die HG-Verantwortlichen heute noch sicher. Nicht von ungefähr soll Walz beim Neuaufbau in Liga drei eine Führungsrolle übernehmen.

Eigentlich wollte Walz mit Saarlouis gleich wieder „vorne angreifen“, hatte er bei der Bekanntgabe seines Verbleibs betont. Inzwischen klingt er moderater: „Ein Wiederaufstieg ist momentan eher utopisch.“ Nach dem personellen Umbruch kamen „zwar gute Jungs, aber wir müssen uns halt erst mal finden“, sagt Walz und glaubt nicht, dass die HG zu den Drittliga-Schwergewichten zählt: Mitabsteiger Konstanz, Dansenberg und Meister Kornwestheim, der einen Aufstieg ablehnte, seien in ihrer Entwicklung weiter. „Sie haben den Vorteil, eingespielt zu sein – da müssen wir erst noch hinkommen“, meint Walz.



Und das könnte dauern, nachdem Saarlouis vom Verletzungspech gebeutelt wurde. „Wir konnten nie trainieren, wie wir es wollten“, sagt er zur bescheidenen Vorbereitung und vielen Ausfällen. Die Abstimmung hakt gewaltig. Das wurde im DHB-Pokal gegen den Bergischen HC überdeutlich, als Walz und Co. gegen den Erstligisten mit 11:36 (3:17) untergingen. „Da lief es echt gar nicht. Der Gegner war vor allem viel zweikampfstärker“, sagt Walz. Auch bei sich sieht Walz Luft nach oben. „Ich bin überzeugt, dass ich mit ein paar Spielen wieder dorthin komme, wo ich vor der Verletzung war“, sagt er. Und mittelfristig hält er auch eine Zweitliga-Rückkehr für möglich: „In Saarlouis wird seit Jahren gut gearbeitet. Ich würde mich freuen, mit der HG wieder aufzusteigen.“ Der Verein, die Zuschauer, die saarländische Heimat und seine Arbeit: Das alles habe dazu beigetragen, warum er trotz anderer Angebote beim Neuaufbau mit anpackt.

In den Spielen wollen die Saarlouiser vor allem ordentlich zupacken: „Für uns als neuformiertes Team wird es ganz wichtig sein, in der Abwehr Vollgas zu geben“, sagt Walz. Dahingehend erhofft er sich viel vom jüngeren Bruder Lars, der von der HSG Völklingen zurückgekehrt ist: „Lars ist ein Kämpfer, genau solche Typen brauchen wir jetzt. Er ist defensiv extrem stark und bringt uns da weiter.“

Einen Schlüssel, um rasch in Liga drei Fuß zu fassen, sieht Walz in den Heimspielen. Er hofft, „dass die Stadtgartenhalle wieder zur Festung wird“. Er habe öfters von Gegnern gehört, es sei „eklig, im Stadtgarten zu spielen, weil die Kulisse so laut und die Halle so klein ist. Es wäre gut, wenn wir da wieder hinkämen.“ Erst wartet aber der schwere Start in Haßloch – wo Walz bereits umsetzen möchte, was er sich für die Runde vornimmt: „Ich habe fünf Jahre Zweitliga-Erfahrung gesammelt und zähle mich daher zu den Erfahreneren. Ich will Verantwortung übernehmen, für die anderen Führungsspieler sein – und vor allem gewinnen.“ Am liebsten schon in Haßloch.