HG Saarlouis fiebert dem Knaller gegen die Rhein-Neckar Löwen entgegen

Handball : Ein Handball-Fest zum Saisonauftakt

Die HG Saarlouis trifft an diesem Samstag in der ersten Runde des DHB-Pokals auf die Stars der Rhein-Neckar Löwen.

Die neue Handball-Saison beginnt für den Drittligisten HG Saarlouis mit einem echten Kracher: An diesem Samstag um 19.30 Uhr machen die Bundesliga-Stars der Rhein-Neckar Löwen ihre Aufwartung in der Stadtgartenhalle. „Das ist ein Riesenerlebnis, sowohl für die Fans als auch für die Jungs“, sagt HG-Trainer Philipp Kessler zum Erstrunden-Turnier im DHB-Pokal vor heimischer Kulisse.

Nach dem ersten Halbfinale zwischen Zweitligist TuS Ferndorf und Drittligist SG Nussloch (17 Uhr) begegnet der Gastgeber dem deutschen Meister von 2016 und 2017 als krasser Außenseiter. Welche Strahlkraft die Löwen besitzen, zeigte sich anhand des Kartenvorverkaufs: „Das ist das attraktivste Los, das man im Südwesten ziehen kann. Die Menschen standen von der Tür bis auf den Parkplatz Schlange. Binnen einer Stunde waren alle Sitzplatzkarten vergriffen. Wir rechnen mit einem restlos ausverkauften Haus“, sagt der Vorsitzende der HG Saarlouis, Richard Jungmann.

Chancen auf eine Sensation rechnet sich die HG nicht aus. „Träumen darf jeder“, sagt Trainer Kessler: „Aber es ist sehr unwahrscheinlich. Der Unterschied zwischen 1. und 3. Liga ist riesig. Selbst wenn bei den Löwen drei, vier Spieler einen schlechten Tag erwischen, macht das kaum was aus: Dann kommen eben drei, vier andere rein.“ Kessler richtet den Fokus daher eher auf den Startschuss in der 3. Liga Süd: „Das ist das erste eigentliche Pflichtspiel für uns“, sagt er zum Auftakt in der Fremde am kommenden Freitag. Der Gegner: die zweite Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen. Kessler sieht darin weder Vor- noch Nachteil: „Wir werden wohl den einen oder anderen Spieler doppelt sehen, aber das war’s dann auch.“

Die Vorbereitung auf diesen ersten richtigen Ernstfall sei „vernünftig verlaufen, allerdings haben wir einen sehr kleinen Kader“, sagt Kessler. Wie zu Beginn der Vorsaison, der ersten nach dem Zweitliga-Abstieg, plagen den Saarlouiser Trainer Ausfallsorgen. Das betrifft etwa Niklas Louis, der wegen zweier Bänderrisse im Fuß die heiße Vorbereitungsphase komplett verpasste. Zudem muss Kessler bis zu drei Wochen ohne Spielmacher Ivo Kucharik planen, der mit Meniskusproblemen fehlt. Ganz zu schweigen von Linksaußen Lars Walz, der nach Kreuzbandriss frühestens im Januar zurückkehrt.

„Aktuell habe ich nur neun Feldspieler“, verdeutlicht Kessler die Engpässe. Er hätte sich daher gewünscht, dass der Verein nach Luxemburgs Nationalspieler Tommy Wirtz (HB Dudelange) und Rückkehrer Wladislaw Kurotschkin (VTZ Saarpfalz) weitere Zugänge an Land zieht – doch das ist laut Jungmann „unwahrscheinlich“. „Wir sagen ja nicht, dass wir nicht stärker werden wollen – allerdings gibt unsere wirtschaftliche Situation schlicht nicht mehr her“, betont der HG-Vorsitzende. Der Kader sei aufgestellt wie bei anderen Teams der Liga auch: „Und wir können ihn mit Spielern aus der Jugend-Bundesliga ergänzen, was ja die Philosophie des Vereins ist“, sagt Jungmann. Als ehemaliger Trainer könne er Kessler und seine Forderung verstehen, in seiner jetzigen Position aber müsse er eben auch das finanzielle Wohl des Vereins im Blick haben.

Weitere neue Gesichter sind also nicht zu erwarten. Immerhin zeigt sich Kessler mit den zwei genannten Neuen voll zufrieden. „Beide haben voll eingeschlagen, bringen enorm viel Handball-Sachverstand ein und sind bereits bestens ins Team integriert. Gerade Tommy hat eine herausragende Vorbereitung absolviert und seine bekannten Qualitäten eingebracht“, lobt der Trainer den einzig fitten Linksaußen im Kader.

Was die Zielsetzung in dieser Drittliga-Saison angeht, hält sich Kessler ob der beschriebenen Probleme bedeckt. „Wenn alle fit sind, können wir eine gute Rolle spielen. Das ist aber nicht der Fall, und bei Ivo müssen wir zum Beispiel schauen, wie es mit seiner Verletzung weitergeht. Wir legen daher keine tabellarischen Ziele fest, sondern konzentrieren uns auf die handballerische Entwicklung. Wenn die stimmt, werden wir auch entsprechend abschneiden“, setzt der HG-Trainer auf eine Philosophie der kleinen Schritte. Favoriten sind aus seiner Sicht andere, etwa der TuS Dansenberg und die TGS Pforzheim mit eingespielten Teams und im Vergleich breiterem Kader.

Trainer Philipp Kessler weiß, dass ein Sieg praktisch nicht zu realisieren ist. Foto: Ruppenthal
Der Vorsitzende Richard Jungmann erläutert die Kaderstruktur der HG. Foto: Oliver Dietze

Beim Pokal-Höhepunkt ist die Favoritenrolle noch sehr viel klarer verteilt. Daher gilt auch gegen die Löwen um Uwe Gensheimer und Co. eine Marschroute der kleinen Schritte: „Wir stecken uns kleine interne Ziele und hoffen, das Spiel zumindest phasenweise offen zu gestalten“, sagt Kessler, der verspricht: „Wir werden um jeden Hallenmeter kämpfen und alles raushauen, was wir haben.“ Selbst wenn das bei Weitem nicht reichen dürfte, um eine Sensation zu schaffen.