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Herzenssache der „Holleraxt“ in der Heimat

Herzenssache der „Holleraxt“ in der Heimat

Saarbrücken. Die Würzburger Kickers sind mit nur einer Niederlage durch die Fußball-Regionalliga Bayern marschiert. Am Mittwoch ist die Mannschaft von Trainer Bernd Hollerbach im Hinspiel der Aufstiegs-Relegation beim 1. FC Saarbrücken zu Gast. SZ-Redakteur Marcus Kalmes fragte den Ex-Profi nach Felix Magath, dem „3 x 3“-Plan der Kickers und einem Kreis, der sich für den 45-Jährigen schließt.

Herr Hollerbach, Ihre Truppe hat nur eine Niederlage in dieser Saison kassiert und hat Mannschaften wie die Reserve des FC Bayern München abgeschüttelt. Was macht die Würzburger Kickers so stark?

Hollerbach: Wir sind stark als Kollektiv, jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Zudem haben wir in der Vorbereitung und in der Winterpause hart gearbeitet, das zahlt sich aus.

Vor der Saison krempelten Sie als Nachfolger von Dieter Wirsching den Kader um. Es galt, 14 neue Spieler zu einer Einheit zu formen. Sie sagten damals, Sie hätten bei null angefangen. Wie erklären Sie es sich, dass alle Rädchen ineinander greifen?

Hollerbach: Es fängt schon bei der Verpflichtung der richtigen Spieler an. Wir legen viel Wert auf den Charakter, denn nur so kann eine Gemeinschaft über eine lange Saison erfolgreich funktionieren.

Aufgrund der Relegation hat Ihre Mannschaft trotz einer tollen Saison noch nichts erreicht. Sie haben in Ihrem Profi-Leben vieles erlebt. Was bewirkt diese Situation in Ihnen?

Hollerbach: Es ist eine ungewohnte Situation. Nach dem Gewinn einer Meisterschaft steht normalerweise nur noch Feiern auf dem Programm. Das ist jetzt anders.

Wie gehen Sie damit um?

Hollerbach: Professionell, was bleibt mir auch anderes übrig?

Erwischt eine Mannschaft am Ende der Saison in einem der beiden Relegations-Spiele einen schlechten Tag oder hat sie zum falschen Zeitpunkt Verletzte zu beklagen, kann die Arbeit einer ganzen Meister-Saison umsonst gewesen sein. Entspricht die Relegations-Regel Ihrer Vorstellung des Fair-Play-Gedankens?

Hollerbach: Klares Nein. Ich habe das auch schon mehrfach gesagt: Als Sportsmann muss für mich der Meister am Ende einer langen Saison aufsteigen. Die Tatsache, dass viel über das Thema diskutiert wird, zeigt mir, dass der aktuelle Modus noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Sie haben als Abwehrspieler 223 Erstliga- und 98 Zweitliga-Partien auf dem Buckel. Ihr Spitzname war "Holleraxt". Die Kickers haben mit nur 14 Gegentoren die mit Abstand beste Defensive aller Regionalligisten in den fünf Ligen. Inwieweit prägt Ihr eigener, oft beinhart genannter Spielstil von früher die Spielweise Ihrer Mannschaft?

Hollerbach: Sicherlich liegt mir eine funktionierende Defensive am Herzen, weil ich selbst in meiner Zeit als Profi dafür verantwortlich war, Tore zu verhindern. Wie Sie aber der Statistik entnehmen können, funktioniert auch unsere Offensive ausgezeichnet (lacht). Denn nur mit einer stabilen Defensive allein gewinnst Du auch keine Spiele.

Ihr Name wird in Bezug auf Ihre Trainerkarriere unweigerlich mit dem des Ex-Saarbrückers Felix Magath verknüpft. Sie waren bei namhaften Clubs sein Co-Trainer. Was haben Sie sich vom Typ Magath abgeschaut, den Sie als einen der besten Trainer der Welt bezeichnen?

Hollerbach: Felix ist ein absoluter Profi, kümmert sich um alle Details, weil nur dann nachhaltig Erfolg entsteht. Da ticken wir ganz ähnlich. Wir sind beide akribische Arbeiter, denen nichts egal ist.

Wie beurteilen Sie die Mannschaft des 1. FC Saarbrücken ?

Hollerbach: Eine sehr starke Mannschaft mit vielen erfahrenen Spielern, die schon in einer höheren Liga im Einsatz waren.

Worauf muss Ihre Mannschaft bei Ihrem Relegations-Gegner achten?

Hollerbach: Wir müssen uns vor allen Dingen auf uns und unser eigenes Spiel konzentrieren.

In der Regionalliga Bayern kicken die Kickers in Buchbach, Schalding-Heining oder Seligporten vor ein paar Zuschauern. Das hat Wohnzimmer-Atmosphäre. Wie bereiten Sie ihre Mannschaft auf das Spiel vor großer Kulisse in Saarbrücken vor? Der altehrwürdige "Ludwigspark" versprüht im Hinspiel sicherlich noch einmal den (Bundesliga-) Charme von früher.

Hollerbach: Eine tolle Kulisse ist für jeden Fußballer mehr Lust als Last. Wir freuen uns darauf. Und wir haben ja auch in unserer Liga einige Spiele vor sehr großer Kulisse gehabt - wie gegen Bayern, die Löwen oder das Derby gegen Schweinfurt. Nicht zu vergessen die Spiele im DFB-Pokal gegen Düsseldorf und Braunschweig vor jeweils vollem Haus.

Hätten Sie sich für die Relegation einen anderen Gegner gewünscht?

Hollerbach: Gewünscht wird an Weihnachten. Als Profi musst Du dich mit jedem Gegner auseinander setzen. Mir war es wirklich egal, gegen wen wir spielen, denn jeder im Topf hat über eine lange Saison Überdurchschnittliches geleistet. Es gibt keine leichten Gegner in den Spielen um den Aufstieg.

Sie sind in Würzburg geboren. Ihre erste Aktiven-Station waren die Kickers. Das Ziel der Kickers lautet, innerhalb von drei Jahren aufzusteigen. Sie haben das Projekt "3 x 3 - in drei Jahren in die 3. Liga" von Beginn an als Unterstützer gefördert. Und sich dann bereit erklärt, als Trainer mitzuhelfen. Schließt sich für Sie in Würzburg ein Kreis?

Hollerbach: Meine Rückkehr nach Würzburg ist in der Tat eine schöne Geschichte. Das ambitionierte Projekt der Kickers und mein Wunsch, wieder als Cheftrainer zu arbeiten, kamen zeitgleich zusammen. Und die handelnden Personen im Verein sind super Typen. Mit unserem Vorstandschef Michael Schlagbauer habe ich früher zusammen Fußball gespielt und Aufsichtsrats-Chef Thorsten Fischer kenne ich auch schon lange. Dazu ein tolles Team auf und neben dem Platz. Und nicht zu vergessen: eine Stadt und Region, die richtig Lust auf Profi-Fußball haben. Es passt.

wuerzburger-kickers.de

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zur personBernd Hollerbach absolvierte 223 Erstliga- und 98 Zweitliga-Partien. Der heute 45-jährige Würzburger war Abwehrspieler bei fünf Vereinen: ASV Rimpar (Jugend), Würzburger Kickers (1988 bis 1990), FC St. Pauli (bis 1995), 1. FC Kaiserslautern (bis 1996) und Hamburger SV (bis 2004). Die Karriere als Trainer begann für Hollerbach 2005 beim VfL Hamburg. 2006 ging es für ihn zum VfB Lübeck . Es folgten Posten als Co-Trainer: Von 2007 bis 2009 war Hollerbach Assistent von Felix Magath beim VfL Wolfsburg , wo er 2008 zudem auch die Reserve-Elf trainierte. Es folgte der Wechsel mit Magath zu Schalke 04 , wo beide bis 2011 arbeiteten. Wieder in Wolfsburg war Hollerbach bis 2012 Magaths Co-Trainer beim VfL. Nach einer Pause ist er seit der laufenden Saison Trainer der Würzburger Kickers. mak