1. Sport
  2. Saar-Sport

1. FC Saarbrücken: Heimspiele erlebt der FCS oft auswärts

1. FC Saarbrücken : Heimspiele erlebt der FCS oft auswärts

Beim 1. FC Saarbrücken brach nach dem Umzug nach Völklingen fast ein Drittel des Zuschauerzuspruchs weg. Geht es dagegen auswärts in ein reines Fußballstadion, fahren tausende FCS-Fans mit. Zum Ludwigspark gibt es ein Info-Treffen.

„Dieses Stadion bringt in der Saison zehn Punkte.“ Der Vize-Präsident des 1. FC Saarbrücken, Dieter Ferner, wusste bei seinem ersten Besuch in der neuen Arena von Liga-Konkurrent Kickers Offenbach vor einigen Jahren, wie sehr gute Stimmung von den Rängen ein Team beeinflussen kann. Das sah man auch beim überzeugenden 3:0-Erfolg des Fußball-Regionalligisten bei der U23 des FSV Mainz 05. 1200 FCS-Fans unter 1800 Besuchern „rockten“ das Stadion am Bruchweg – bei einem Auswärtsspiel am Sonntagnachmittag.

„Auswärtsspiel? Diese Unterstützung haben viele Vereine nicht zuhause“, sagt FCS-Verteidiger Marco Kehl-Gomez. „Wenn du bei jedem Ballkontakt so laut beklatscht wirst, steigert das dein Selbstvertrauen und zieht beim Gegner auch den Stecker“, erklärt Marcus Mann, früher selbst Profi und jetzt Sportdirektor, „der Sonntag hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig ein Stadion ist.“

Torsten Kreis vom Fanclub Underdogs geht schon seit 29 Jahren zum FCS – zuhause und auswärts. „Es geht auch um das Fußball-Erlebnis“, sagt der Elektriker, „und das ist in Mannheim mit 2000 Fans oder jetzt in Mainz mit 1200 doch ein anderes als gegen Stadtallendorf mit 2200 in Völklingen. Dort sieht man auch die gegnerischen Fans gar nicht, eine Wechselwirkung kann so nicht aufkommen.“

Auch Thomas Fischer vom Fanclub Panteras Negras schwärmt von echten Fußballstadien: „In Mainz, Mannheim oder Offenbach unterstützt das vorhandene Dach die Lautstärke, und die gegenüberliegende Tribüne wirft den Schall verstärkt zurück. Außerdem fehlen in Völklingen Sitzplätze. Zum Ludwigspark bist du einfach hingefahren und hast immer einen überdachten Sitzplatz bekommen.“

Diese Möglichkeit hat das Völklinger Stadion nicht. Dennoch erwartet FCS-Geschäftsführer David Fischer „gegen den FSV Frankfurt am Sonntag zwischen 3000 und 3500 Besucher“. Die Gänsehaut-Stimmung wie unter dem Tribünendach am Bruchweg werden sie aber nicht erzeugen können. „Für die Gegebenheiten in Völklingen ist die Unterstützung eigentlich okay“, sagt der FCS-Fanbeauftragte Andreas Kulz, „die Stimmung verfliegt dort halt ins Grüne Richtung Freibad.“

Zwar werden die Verantwortlichen des FCS nicht müde, immer wieder zu betonen, welch gute Gastgeber die Völklinger sind, doch sprechen die Zuschauerzahlen eine eindeutige Sprache. In der letzten Drittliga-Saison kamen fast 89 000 Besucher zu den 19 Spielen in den Ludwigspark. Selbst im Jahr danach waren es bei 17 Regionalliga-Partien immerhin noch fast 75 000. Mit dem Umzug nach Völklingen brach fast ein Drittel des Zuschauerzuspruchs weg. In der abgelaufenen Saison 2016/17 passierten gerade einmal noch 50 157 Menschen die Stadiontore. Dabei sind das die Zahlen der verkauften Karten, die der Verein angibt. Die Zahl der tatsächlich Anwesenden lag oftmals darunter.

Die rückläufige Zuschauerzahl hängt auch an vereinsinternen Problemen. „Viele Fans sind aus Prinzip gegen Völklingen, weil es auf Betreiben eines ehemaligen Vereinsmitarbeiters zustande kam“, erinnert Fan Thomas Fischer an den umstrittenen Milan Sasic, „auch die ganze Geschichte um diese Gruppe UnserFC und den schmutzig geführten Aufsichtsrats-Wahlkampf hat daran Anteil.“ Aber eben auch der Spielort.

„Ich kann dieses Gemecker über das Stadion nicht mehr ertragen“, sagt Wolfgang Brenner, Vorsitzender des SV Röchling Völklingen, genervt über den anhaltenden Unmut der FCS-Anhänger über das Ausweichquartier, „wir haben dem FCS damals eine Spielmöglichkeit geboten, die er andernorts nicht gehabt hat.“ Das bestreitet ernsthaft niemand. „Die Gastfreundschaft ist top, aber es ist nicht unsere Heimat“, betont FCS-Fan Kreis, selbst Völklinger, „wir haben alle die Sehnsucht nach der Rückkehr in unseren Saarbrücker Ludwigspark.“

Dort tut sich an der Baustelle aber derzeit wenig bis gar nichts. „Ende des Monats sollen die städtischen Gremien die Beauftragung der Bauleitung beschließen, es folgen bis November die Ausschreibung der Ausführungsplanung für die Tribünen und die Funktionsgebäude“, erklärt Robert Mertes, Sprecher der Landeshauptstadt: „Maßnahmen, die vorgezogen werden können, wie die Sanierung der Flutlichtmasten oder die Hangsicherung Nord zur Saarlandhalle hin, werden früher in die Planung und Vergabe gebracht.“ Am 14. September wolle die Verwaltung zunächst den Sport- und den Werksausschuss des Gebäudemanagementbetriebs und im Anschluss auch die Fans in den Räumen des Fanprojekts Innwurf über den Fortgang der Maßnahmen detailliert informieren. Einen möglichen Termin für Baubeginn und Abschluss ließ Mertes offen.