Heidler ist der Hammer

Heidler ist der Hammer

Halle. Betty Heidler - wie sie wirft, singt und lacht: Fünf Stunden nach ihrem Weltrekord ließ es die Hammerwerferin in Halle/Saale noch einmal krachen. Bei der abendlichen Feier sang die rothaarige Frankfurterin beim Karaoke mit Strohhut und Blumengürtel um die Hüfte "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen" aus dem Musical "My Fair Lady"

Halle. Betty Heidler - wie sie wirft, singt und lacht: Fünf Stunden nach ihrem Weltrekord ließ es die Hammerwerferin in Halle/Saale noch einmal krachen. Bei der abendlichen Feier sang die rothaarige Frankfurterin beim Karaoke mit Strohhut und Blumengürtel um die Hüfte "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen" aus dem Musical "My Fair Lady". Stehende Ovationen waren der Lohn für die bühnenreife Aufführung - und natürlich für ihre 79,42 Meter beim Werfermeeting zuvor.Bereits am Nachmittag hatte die Weltmeisterin von 2005 und Vizeweltmeisterin von Berlin 2009 die 3000 Zuschauer begeistert. Gleich im ersten Versuch warf Heidler mit 77,19 Meter den achten deutschen Rekord ihrer Karriere. "Ich kann noch mehr", kündigte die 27-Jährige an. Im dritten Durchgang drehte sich die gebürtige Berlinerin vier Mal im Ring, der vier Kilo schwere Hammer verließ mit etwa 100 Stundenkilometern ihre Hände und schlug bei 79,42 Metern ein.

Damit übertraf Heidler die alte Bestmarke der polnischen Weltmeisterin Anita Wlodarczyk aus dem Vorjahr (78,30) um über einen Meter. Schon zwölf Jahre ist es her, dass Stabhochspringerin Nicole Rieger-Humbert mit 4,56 Metern den letzten Weltrekord eines deutschen Athleten erzielt hatte. "Für mich sind der WM-Titel von Osaka und dieser Weltrekord von Halle gleich viel wert", erklärte Heidler strahlend.

Zwischen diesen Höhepunkten erlebte die Athletin auch Abstürze. So reiste sie 2005 zur WM nach Helsinki und 2008 zu den Olympischen Spielen in Peking als Mitfavoritin an und musste bereits nach der Qualifikation die Segel streichen. "Niederlagen sind sehr wichtig, wenn man die richtigen Lehren daraus zieht", sagte Trainer Michael Deyhle.

Im Vorjahr erklomm Betty Heidler als Europameisterin von Barcelona erneut einen Gipfel. "Betty ist technisch noch einmal besser geworden", lobte Deyhle nach dem dreiwöchigen Trainingslager auf Zypern. Die Weltrekordlerin ist zu einer Ästhetin im Hammerwurfring geworden. Zudem ist die Bundespolizistin, die ein Jura-Grundstudium an der Frankfurter Universität hinter sich hat, psychisch stabil.

"Ich bin sehr stolz auf diesen Weltrekord, und ich weiß, was ich kann", sagte Heidler selbstbewusst. Dass der Weltrekord zum Saisonauftakt einen großen Erwartungsdruck für die WM-Saison hervorrufen könnte, das stört sie nicht. Ihr Trainer hat noch ein weiteres Ziel im Hinterkopf: "Unser Traum ist es, dass Betty den Hammer als erste Frau über die 80 Meter wirft", sagte Deyhle.

Für die Veranstalter in Halle erfüllte Heidler einen Traum. "Wir haben 37 Jahre auf den ersten Weltrekord bei den Werfertagen warten müssen", meinte der sportliche Leiter Falk Ritschel sichtlich gerührt. Dafür ging er nach Heidlers starkem Karaoke-Auftritt sogar auf die Knie. dpa

Auf einen Blick

Bei den Werfertagen in Halle hat Till Wöschler vom LAZ Zweibrücken den Speerwurf der Männer gewonnen. Er siegte mit 80,93 Metern knapp vor Vize-Europameister Matthias de Zordo vom SV schlau.com Saar 05 (80,77). Beim Speerwurf der Frauen wurde Esther Eisenlauer (Saar 05) mit 54,84 Metern Siebte. Hier setzte sich Christina Obergföll mit 64,53 Metern vor Katharina Molitor (63,58) durch. red