Hectors Rückkehr missglückt, Beierlorzer unter Druck

Kostenpflichtiger Inhalt: Pokal-Coup des FCS : Eine missglückte Rückkehr und ein Trainer unter Beschuss

Jonas Hector erlebt einen enttäuschenden Abend in Völklingen und lässt einen TV-Reporter stehen. Die Krise des 1. FC Köln verschärft sich.

Die Laune von Fußball-Nationalspieler Jonas Hector war an seinem Gesicht überdeutlich abzulesen. Der Auersmacher hatte nach der 2:3-Pokalpleite seines 1. FC Köln beim 1. FC Saarbrücken eine richtige Krawatte. Auf die Frage eines Fernsehreporters, ob er denn – trotz Niederlage – wenigstens ein „paar nette Worte für die alten Freunde aus dem Saarland übrig“ hätte, reagierte der 29-Jährige mit einem genervten „Neee“. Danach ließ er den Journalisten stehen und war – wie vor der Partie – auch nicht für weitere Gespräche bereit. „Ihr kennt ihn doch“, versuchte Vater Erhard im Vip-Raum des Völklinger Hermann-Neuberger-Stadions zu besänftigen: „Interviews waren doch noch nie seine Sache.“

Vor zwölf Jahren hatte Hector das Saarland verlassen, um Karriere zu machen – und tatsächlich schaffte er es über die U23 zu den Profis des 1. FC Köln und in die Nationalmannschaft. Dass für den „Auersmacher Bub“ die Entscheidung, in die Domstadt zu wechseln, die richtige war, hat die Geschichte gezeigt.

Viele Freunde und Wegbegleiter von Hector hatten sich am Dienstag in Völklingen eingefunden zu seinem ersten Pflichtspiel mit dem großen FC im Saarland. Selbst sein Jugendtrainer Emil Poklitar, der als „der weiße Wal“ Stürmer-Geschichte beim FCS geschrieben hatte, war nach vielen Jahren erstmals wieder bei einem Spiel der Blau-Schwarzen.

Von seinem früheren Schützling sah er zunächst wenig Positives. Eine Gelbe Karte für ein rüdes Einsteigen an der Außenlinie, zwei Beinschüsse kassierte er von Fanol Perdedaj und Kianz Froese. Nach einer halben Stunde leitete Hector dann die beste und einzige Chance der Gäste in der ersten Halbzeit ein. Doch Dominick Drexler scheiterte am starken Daniel Batz im FCS-Tor.

Nach dem 0:2-Rückstand war es der Saarländer Hector, der die Gäste zurück ins Spiel brachte. Sein 1:2 (71. Minute) leitete die beste Phase des Bundesligisten ein. Für die Kölner Medienvertreter vor Ort war Hector „noch einer der besseren, er hat es wenigstens versucht“, so die Meinung in der Pressekonferenz. Doch auch das 2:2 durch Simon Terrode (84. Minute) konnte nichts am enttäuschenden Auftritt der Kölner ändern. In dieser Form dürfte es auch im Abstiegskampf der Bundesliga schwer werden für die alte Liebe von FCS-Trainer Dirk Lottner – und eng für seinen Kollegen Achim Beierlorzer. „Wir“, sagte Hector noch knapp zur aufkommenden Trainerdiskussion, ehe er in der Kabine verschwand: „Wir stehen auf dem Platz.“

Dennoch steht Beierlorzer unter Beobachtung. Er scheint in der laufenden Saison der erste Trainer in der Fußball-Bundesliga zu sein, dessen Stuhl wackelt. Nach dem desolaten Auftritt in Völklingen braucht der erst im Sommer zum Aufsteiger gekommene Coach am Sonntag im Krisen-Derby bei Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr/Sky) unbedingt ein Erfolgserlebnis. Diesen Druck gab der 51-Jährige erst einmal an die Profis weiter. „Ich habe kein Verständnis für die Mannschaft. Ich bin maßlos enttäuscht“, sagte der gebürtige Erlanger: „Wir müssen die Finger in die Wunde legen. So kann es nicht gehen. Aber es ist ganz wichtig, dass man durch Niederlagen nicht kleiner wird. Wir müssen hart mit uns ins Gericht gehen, aber dann in Düsseldorf voller Selbstvertrauen auflaufen – es gibt keine Alternative dazu.“

Das gilt auch für Kapitän Hector nach der missglückten Rückkehr ins Saarland. „Wir waren heute mit einigen Leuten vom Vorstand des SV Auersmacher da“, sagte André Hemmer, heute im Vorstand, früher Hectors Mitspieler: „Auch wir konnten leider nicht mit ihm sprechen. Aber er kommt ja öfter zu unseren Spielen.“ Dort wird Hector dann sicher auch wieder gesprächiger sein.

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