| 20:52 Uhr

Fußball-WM in Russland
Hauptsache Achtelfinale

Angreifer Marco Reus sagt zum Spiel gegen Südkorea: „Ich bin mir sicher, dass wir einen Plan vom Bundestrainer bekommen.“
Angreifer Marco Reus sagt zum Spiel gegen Südkorea: „Ich bin mir sicher, dass wir einen Plan vom Bundestrainer bekommen.“ FOTO: dpa / Christian Charisius
Kasan. Noch schwebt die Gefahr der Blamage über dem Weltmeister. Mit einem deutlichen Sieg gegen Südkorea könnte sich die WM-Stimmung endgültig drehen. Dafür müssen Löws Spieler die individuellen Patzer abstellen.

In der Nachmittagshitze von Kasan müssen sich Deutschlands Weltmeister mit aller Kraft gegen den Thron-Sturz stemmen. Das Ziel gegen Südkorea lautet: Rein ins Achtelfinale und in ein emotionales Fußball-Hoch rauschen. Nach dem in letzter Sekunde geglückten Sieg gegen Schweden muss das Team von Bundestrainer Joachim Löw am heutigen Mittwoch (16 Uhr/ZDF) nicht nur dem letzten Gruppengegner, sondern auch den äußeren Widrigkeiten trotzen, um den erstmaligen Vorrunden-K.o. bei einer Weltmeisterschaft abzuwenden.


Für die Anstoßzeit sind in der über 1000 Jahre alten Tatarenstadt an der Wolga Temperaturen um 30 Grad angesagt. Am Dienstag flog der DFB-Tross ins 800 Kilometer östlich von Moskau entfernte Kasan. Wegen Starkregen und Hagel musste das Abschlusstraining der Deutschen dann verlegt werden. Statt in der Kasan-Arena trainierte der Weltmeister im Elektron-Stadion, das im Zentrum der Stadt liegt. Gegner Südkorea konnte 90 Minuten zuvor wegen des Unwetters ebenfalls nicht trainieren und verlegte die Einheit ins Zentralstadion.

Die Ausgangslage ist klar: In der 45 000 Zuschauer fassenden Kasan-Arena muss das deutsche Team (3 Punkte) mit mindestens zwei Toren Vorsprung gewinnen, um alle Rechenspielchen mit Mexiko (6), Schweden (3) und Südkorea (0) bis hin zu einem Los­entscheid auszuschließen. Ob Erster oder Zweiter – Hauptsache Achtelfinale.



Deutschland muss als Mannschaft funktionieren und den „Sieg der Moral“ (Löw) gegen Schweden für sich weiter nutzen. „Wir sind als Mannschaft noch enger zusammengerückt“, berichtete Angreifer Timo Werner. „Wir haben natürlich noch Luft nach oben für ein paar Sachen. Daran müssen wir weiter arbeiten“, sagte Manager Oliver Bierhoff. Gerade die im bisherigen Turnierverlauf immer wieder gravierenden Fehler im Spielaufbau und die Lücken in der Defensive sind eine Warnung. Löw verbreitete viel Zuversicht und verwies auf seine Turniererfahrung: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich so eine Situation erlebe.“

Noch einmal muss der wankende Titelverteidiger gegen die negative Energie des frühen Ausscheidens ankämpfen. Wie Spanien 2014, Italien 2010 und Frankreich 2002 als Titelträger schon in der Vorrunde zu scheitern, klebt noch ein wenig an den Deutschen. Ob es dann im Achtelfinale gleich gegen Rekordweltmeister Brasilien geht oder gegen die Schweiz oder Serbien, ist egal. Die Offensivspieler Reus und Werner sind die bisherigen Gewinner in Löws Kader und sollen gemeinsam mit Supertorschütze Toni Kroos auch gegen Südkorea mit den Unterschied ausmachen. Andere wie Thomas Müller, 2010 und 2014 mit jeweils fünf Treffern der beste deutsche WM-Torschütze, haben noch nicht gezündet.

Das DFB-Team muss sich gegen die Nummer 57 der Weltrangliste auf „unheimlich schnelle und wendige Spieler“ einstellen, warnte Reus: „Sie haben schon viele Mannschaften vor Probleme gestellt.“ Bei der WM 1994 in den USA siegte das DFB-Team gegen Südkorea 3:2. 2002 gab es dank Torschütze Michael Ballack und Torwart-Titan Oliver Kahn in Seoul ein 1:0 im Halbfinale.

Die größte Gefahr droht vom Ex-Leverkusener Heung-Min Son. „Auf den müssen wir vor allem aufpassen. Er ist ein Spieler, der in der Weltklasse schon gezeigt hat, was er kann“, erklärte Werner. Im deutschen Defensivblock sind Umstellungen nötig. Jérôme Boateng ist gesperrt. Für ihn könnte Bayern-Kollege Niklas Süle in die Innenverteidigung neben Mats Hummels rücken, dessen Nackenprobleme überwunden sind. Sebastian Rudy muss nach Nasen-OP wohl passen. „Die Südkoreaner werden viel über Konter agieren, sind beweglicher als die Schweden. Ich bin mir sicher, dass wir einen Plan vom Bundestrainer bekommen“, meinte Reus.

Die DFB-Mitarbeiter Uli Voigt und Georg Behlau sind aufgrund der Vorfälle nach dem 2:1 gegen Schweden von der Fifa mit einer Geldstrafe von je 4340 Euro belegt worden. Dei beiden hatten nach Spielende mit ihren Jubelgesten die Schweden provoziert. Auch der schwedische Offizielle Jan Gustavsson wurde verwarnt.