| 19:46 Uhr

Haug hofft auf den magischen Tag

Saarbrücken. Die Deutsche Triathlon Union versank in den letzten Wochen in den Querelen um die Olympia-Nominierung. Darunter litt auch die längst qualifizierte Anne Haug. Inzwischen blickt die 33-Jährige optimistisch auf Rio. Daniel Konrad

Häkeln - das ist ein Hobby, das man so gar nicht mit Leistungssport in Verbindung bringt. Doch für Anne Haug spielt beides eine wichtige Rolle. Die Triathletin des LAZ Saarbrücken wird am 20. August beim Olympischen Triathlon in Rio de Janeiro starten und hat in ihrem Koffer für Brasilien sicherlich auch ihre Häkel-Utensilien. "Das entspannt mich total. Als Triathlet ist man fast 24 Stunden im Einsatz, da ist es schon wichtig, dass man etwas findet, was in der Birne den Stöpsel rauszieht", sagt sie und muss lachen.



Querelen überwunden

Nach London 2012 konnte sich Haug schon früh für ihre zweiten Olympischen Spiele qualifizieren. Mit Platz sieben sicherte sie sich am 2. August 2015 beim Qualifikationswettkampf in Rio das Ticket und musste in diesem Jahr nur noch einen Leistungsnachweis erbringen, um die Qualifikation zu bestätigen. An diese starke Leistung von Rio vor einem Jahr will sie nun anknüpfen. Und gerade die Schwimmstrecke, ihre Problem-Disziplin, scheint ihr mit der längeren Gerade nach dem Start zu liegen. Eine wirkliche Taktik gibt es aber nicht. "Ich bin nicht in der Schwimmverfassung, um herumzutaktieren. Ich muss ins Wasser springen und alles geben, damit ich in der Spitzengruppe mitschwimmen kann", erklärt Haug. Sollte ihr das gelingen und die Form an diesem einen Tag stimmen, kann es für sie sogar zu einer Medaille reichen. "Wenn ich den perfekten Tag erwische und beim Laufen dran bin, dann glaube ich auch an eine Medaillenchance", erzählt die 33-Jährige selbstbewusst.

Und das, obwohl die direkte Vorbereitung durch die Querelen um die Nominierung der anderen deutschen Triathleten gestört wurde. "Das war natürlich nicht optimal. Wir haben uns fünf Quotenplätze erkämpft, da sollten wir auch fünf Teilnehmer stellen", sagt Haug, die allerdings die einzige war, die die Kriterium des Verbandes erfüllt hat. "Das wirkt sich zwar nicht auf das Training selbst aus", sagt Bundestrainer Dan Lorang: "Psychisch ist das aber nicht einfach." Weil die Deutsche Triathlon Union (DTU) dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) neben Haug zunächst Laura Lindemann und Anja Knapp vorgeschlagen hatte, klagte die besser platzierte Rebecca Robisch. Nach einem langen Hin und Her und einer gerichtlichen Auseinandersetzung fahren nur Lindemann und Haug nach Rio - die Männer um Steffen Justus müssen ganz zu Hause bleiben.

Über zumindest eine weitere Deutsche im Teilnehmerfeld darf sich Haug, die Vize-Weltmeisterin von 2012, also freuen: "So liegt nicht die ganze Aufmerksamkeit auf zwei Schultern." Helfen wird Lindemann ihr aber nicht können. "Jede macht ihr eigenes Rennen. Laura wird aber definitiv nicht führen, also das Tempo machen. Das ist für sie und für Anne besser", sagt Trainer Lorang.



Feinschliff auf Mallorca

Bevor es in Brasilien um alles geht, arbeitet Haug noch einmal in einem Trainingslager am Feinschliff. Seit gestern und bis 12. August ist sie auf Mallorca, bevor sie sich in Rio noch eine Woche an den Zeitunterschied und die Bedingungen gewöhnen kann. "Da wir nach Westen fliegen, ist das kein so großes Problem", sagt sie.

Anne Haug wirkt fokussiert, konzentriert, die Freude auf Olympia ist ihr anzusehen. "Die steigt jetzt mit jedem Tag. Es ist die finale Phase. Und die Zeit rennt", erklärt die gebürtige Bayreutherin mit einem Lächeln und erklärt, was die Spiele für sie besonders macht: "Am Ende des Tages ist es ein Rennen wie jedes andere, doch das Drumherum ist viel größer und anders. Das hat schon etwas Magisches." Da sie wegen des Trainingslagers nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen kann, gibt es für sie zwei Dinge, auf die sie sich besonders freut: die Abschlussfeier und "der Moment, wenn ich über die Ziellinie laufe und weiß, ich habe alles gegeben". Und vielleicht erwischt sie ja diesen einen Tag, nimmt das Magische auf - dann kann sie alles erreichen. Mit den Häkel-Utensilien im Gepäck sollte es auf jeden Fall möglich sein.