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Harting packt den Hammer aus

Harting packt den Hammer aus

Barcelona. Vor dem Diskus packte Robert Harting erst einmal den Hammer aus: Einen Tag vor seinem EM-Start in Barcelona hat der Weltmeister mächtig Staub aufgewirbelt und den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) unter Druck gesetzt

Barcelona. Vor dem Diskus packte Robert Harting erst einmal den Hammer aus: Einen Tag vor seinem EM-Start in Barcelona hat der Weltmeister mächtig Staub aufgewirbelt und den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) unter Druck gesetzt. Der 25 Jahre alte Berliner fordert vom "trägen Verband" endlich eine stärkere Unterstützung für seinen im Nachwuchsbereich sehr erfolgreichen Bruder Christoph.

"Wenn ich eine Medaille mache, will ich eine Förderungsgarantie für meinen Bruder", schrieb Harting am Freitag in einer Pressemitteilung. Der "träge Verband und Diskus-Bundestrainer Jürgen Schult" müssten sich "endlich mal bewegen, ihn verstärkt fördern", forderte Harting, für den am Samstag in Barcelona die Qualifikation beginnt.

Doch zunächst dachte Harting an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder. Immer wieder hatte er eine bessere Unterstützung angemahnt. "Der Verband hat es versäumt, die letzten zwei Jahre in die zweite Reihe zu schauen. Jetzt ist Christoph der beste Nachwuchs-Diskuswerfer. Sein Verein, der Berliner Leichtathletik-Verband und meine Eltern haben ihm das finanziell möglich gemacht", schildert Robert Harting. Christoph müsse verstärkt gefördert werden; zugleich sollte sich der Verband dafür einsetzen, ihm "die Aufnahme in die Bundespolizei und Bundeswehr" zu ermöglichen.

Dabei weiß Harting ganz genau: Das Problem ist nicht neu, und es ist während einer Europameisterschaft schon gar nicht aus der Welt zu schaffen. Außerdem muss sich der Diskus-Recke auf seinen Wettkampf konzentrieren. Vielleicht geht ja das Motto auf: Die Letzten werden die Ersten sein. Als letzter der 73 DLV-Athleten war er am Donnerstag nach Barcelona geflogen. "Hat alles gut geklappt. Essen und Unterkunft sind super."

Nun muss nur noch der Diskus fliegen - wie bei der Heim-WM in Berlin, als der 2,01-Meter-Mann im letzten Versuch noch Gold aus dem Feuer riss. Bis zur Qualifikation am Samstag ließ es der Hüne ganz locker angehen. Am Freitag stand noch eine Lymphdrainage an, am Samstagmorgen ist nur ein bisschen Laufen angesagt. "Und ganz viel Konzentration", sagte Harting.

Vor der hammer-harten Konkurrenz hat der Berliner jedenfalls keinen Bammel. "Ich trainiere ja nicht ein ganzes Jahr, um dann, wenn es drauf ankommt, Angst zu haben", betonte er. Im Olympiastadion von 1992, da ist sich Harting sicher, erwartet die Fans am Sonntag ein super-spannendes Finale. "Die EM wird ein 70-Meter-Krimi. Ich bin mir sicher, dass die 70 Meter geworfen werden", hatte er unlängst auf seiner Internetseite vorausgesagt. "Und ich glaube fest daran, dass auch ich sie drauf habe. Nur leider kann man so etwas nicht erzwingen."

Harting muss bis zum erhofften großen Wurf bis zum EM-Schlusstag warten. In seinem zehnten Wettkampf 2010 trifft er auf seine Dauer-Rivalen Piotr Malachowski (Polen), Olympiasieger Gerd Kanter (Estland) und den Ungarn Zoltan Kövago. Dieses Trio steht in der europäischen Saisonrangliste (noch) vor ihm. "Bis zum Wettkampf am Sonntag werde ich alle Zweifel ablegen und meine geistige Stärke neu festigen", sagte Robert Harting, der sich bis zur Abreise nach Spanien im Trainingszentrum Kienbaum in EM-Form gebracht hat. dpa