Handwerk hat immer noch goldenen Boden

Jede Menge Linien hat Alexander Endres da auf den Holzbalken gezeichnet. Kompliziert? Ach was. Der 18-Jährige erklärt ihre Funktion und erzählt begeistert: "Der Beruf ist sehr gefragt. Es macht viel Spaß. Und auch der Verdienst ist später gut." Alexander macht eine Ausbildung als Zimmermann. Genau wie sein Kollege Michael Falk hat er einen Hauptschulabschluss

Jede Menge Linien hat Alexander Endres da auf den Holzbalken gezeichnet. Kompliziert? Ach was. Der 18-Jährige erklärt ihre Funktion und erzählt begeistert: "Der Beruf ist sehr gefragt. Es macht viel Spaß. Und auch der Verdienst ist später gut." Alexander macht eine Ausbildung als Zimmermann. Genau wie sein Kollege Michael Falk hat er einen Hauptschulabschluss. "In dem Job ist nichts, was man nicht lernen kann", sagen beide unisono.

Wir sind auf dem ersten Aktionstag "Fit fürs Handwerk" in der saarländischen Handwerkskammer (HWK) in Saarbrücken. Dort konnten Jugendliche in zwölf Berufe reinschnuppern. Zeitgleich hatten der saarländische Kfz-Verband, der Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff und das Sanitär-, Heizungs- und Klempnerhandwerk ihre Tore geöffnet. Auch ein Bewerbungs-Check war in den Räumen der HWK möglich.

HWK-Pressesprecher Dietmar Henle erklärt die Gründe für das Pilotprojekt: "Die Berufe werden immer komplizierter, die Anforderungen höher. Hier können die Jugendlichen ihre Neigungen überprüfen, bei Arbeitsabläufen zuschauen und mitmachen. Im nächsten Jahr gibt es wegen G8 ja einen doppelten Abiturjahrgang, auch diese Klientel wollen wir erreichen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Denn danach sinken die Schulabgängerzahlen immer weiter."

Zurück zu Alexander. Er ist familiär "vorbelastet", sein Onkel hat einen Betrieb. "Der Job ist vielseitig. Und sauber. Am Anfang war es anstrengender als gedacht. Und in Mathe sollte man schon fit sein", sagt der Losheimer. Letzteres hören wir immer wieder. Außerdem seien Kopfnoten wichtig. Das ist auch bei Schornsteinfeger Peter Barth so. "Der Job ist hoch technisiert, es gibt viel zu messen. Energieberatung spielt eine immer größere Rolle. Man muss aber auch körperlich fit sein", umreißt er die Anforderungen.

Weiter geht es zu den Elektrotechnikern. Hier informiert sich Dennis Horsch, 15, aus Neunkirchen. "Ich fände es praktisch, wenn es einen solchen Aktionstag öfters geben würde", sagt Dennis, den das Arbeiten mit Holz oder Metall reizen würde. Drei Wochen Praktikum in einer Schreinerei führten ihn zu der Erkenntnis: "Ich will lieber mit den Händen arbeiten als im Büro zu sitzen." "Handwerk ist auf jeden Fall modern", ergänzt seine Mutter Martina.

Einen Raum weiter sitzt Annika Hary an einem Rechner. Die 15-Jährige interessiert sich für Elektromechanik. "Es macht Spaß, herauszufinden, wie Dinge funktionieren. Ich bastele gerne, baue mit meinem Bruder Modellflugzeuge", erzählt das Mädchen aus Homburg. Ihr Traum: Später mal richtige Flugzeuge bei der Bundeswehr zu reparieren.

Ein Stockwerk weiter oben sitzen die Friseure. Hier wimmelt es vor Mädchen. Sie kämmen wie Isabel Nachrichter, 14, aus Bexbach Puppen mit Echthaar. Es scheint Spaß zu machen, sogar ein Junge versucht sich an den künstlichen Köpfen. Auch Ausbildungsmeisterin Mercedes Schmidt schwärmt von ihrem Job. Für sie ist es ein Traumberuf. Auch wenn immer wieder die Rede von Allergien und geringem Verdienst ist. "Das Schöne ist die Kreativität, immer was Neues machen zu können. Laut einer Studie gehören Friseure zu den glücklichsten Menschen", sagt Schmidt. Man glaubt es ihr sofort. Und was braucht man? "Wichtig ist Offenheit und Freundlichkeit, ein angenehmes Äußeres."

Von den Friseuren gehen wir ein Stockwerk höher zu den Bäckern und Konditoren. Welcher Jugendliche will heute eigentlich noch früh aufstehen? Offenbar doch noch viele. Sie schlafen in zwei Schichten, sagen sie. Dafür haben sie früher frei. Und wirken wie Alexander Stutz, 19, aus Püttlingen recht zufrieden.

"Bäckerei hat goldenen Boden", sagt Gerd Wohlschlegel. Der Geschäftsführer des saarländischen Bäckerinnungsverbandes wirkt auch zufrieden mit seiner Berufswahl. Er beißt genüsslich in ein Mohnhörnchen. Wenn's schmeckt, ist Handwerk offenbar noch mal so schön … "Es macht Spaß, herauszufinden, wie Dinge funktionieren."

Annika Hary, 15