Handlungsempfehlung des SFV gegen "Vereine vor" sorgt für Empörung

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußballverband : Eine Empfehlung des SFV sorgt für Empörung

Die aktuelle Führung im Saar-Fußball will einen außerordentlichen Verbandstag verhindern. Ein weiterer Kandidat ist Udo Hölzer.

Wer wird neuer Präsident des Saarländischen Fußballverbandes? Nachdem der ehemalige Regierungssprecher Thorsten Klein mit seiner prominent besetzten Gruppe „Vereine vor“ sowie der bisherige SFV-Vizepräsident Adrian Zöhler mit einem ersten Personaltableau ihren Hut in den Ring geworfen haben, ist im Fußball-Saarland eine gewaltige Diskussion losgebrochen. Und zwischen beiden Lagern wird die Auseinandersetzung bereits jetzt mit harten Bandagen geführt.

Klein und seine Mitstreiter, darunter Ex-Nationalspieler Philipp Wollscheid, werben offensiv für ihre Unterschriftenaktion, um zeitnah einen außerordentlichen Verbandstag mitsamt Neuwahl herbeiführen zu können. Der noch amtierende SFV-Vizepräsident Bernhard Bauer hat sich daher am Sonntag mit einem Schreiben an die Vereine gewandt und von einem solchen Schritt abgeraten.

Es sei „obligatorisch“, dass vor einem Verbandstag Kreis-, Jugend- und Kreisschiedsrichtertage „durchgeführt werden müssen“. Bauer betonte, dass der Zeitgewinn gering sei, Geschäftsstelle, Ausschüsse und Kommissionen „ihre Themen zügig und fachkundig abarbeiten“ würden. „Aus diesem Grunde empfehle ich allen Vereinen der derzeit angestrebten Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages nicht zuzustimmen“, erklärte Bauer in dem Schreiben, das auf dem Briefpapier des SFV und über dessen E-Mail-Verteiler verschickt wurde: „Es wäre sowohl für die Vereine als auch für die Geschäftsstelle kein Vorteil, wenn in einer laufenden Saison die Verantwortlichkeiten wechseln würden.“

Das Vorgehen des Amtskollegen des Kandidaten Zöhler stößt bei Thorsten Klein auf Unverständnis und Kopfschütteln. Der Herausforderer sieht die Argumentation über die vorgeschalteten Kreistage als nicht von der Satzung abgedeckt. „Ich verstehe nicht, dass sich die derzeitige Führung unseres Verbands zu solchen Tricksereien und Handlungsempfehlungen hinreißen lässt. Wir setzen trotz solcher Tricks auf fairen Wettbewerb der besseren Argumente und der besseren Köpfe“, sagte Klein: „Die Vereins-Führungen sind mündig und brauchen keine Empfehlungen von oben. Genau da zeigt sich das Problem des derzeitigen SFV.“

Während die beiden Lager schon heftig streiten, gibt es noch einen dritten Kandidaten, der das Spitzenamt des mit 100 000 Mitgliedern größten Einzelsportverbandes des Landes einnehmen möchte: Udo Hölzer. „Ich sehe mich als Mann der Basis und als Fußball-Experte“, sagte der langjährige Trainer des Saarlandligisten 1. FC Reimsbach: „Wir müssen endlich wieder den Fußball in den Mittelpunkt stellen.“

Das beginne für Hölzer bei den Spitzenvereinen, setze sich aber nahtlos bis in die Jugendarbeit fort. „Wir sind hier mittlerweile eine Fußball-Diaspora. Auf der bundesdeutschen Fußball-Karte ist das Saarland seit Jahren nicht mehr vertreten. Die Talente verlassen das Land. Nicht weil sie es wollen, sondern weil sie bei unseren Vereinen keine wirkliche Perspektive haben. Daran müssen wir arbeiten.“

Hölzer hat ausgezeichnete Kontakte zum japanischen Fußball. Er hat in den vergangenen Jahren etliche Talente von dort nach Europa und ins Saarland geholt, gleichzeitig an der Verbesserung der Trainerausbildung im Land der aufgehenden Sonne mitgewirkt. Hölzer ist selbstständig, gehört zum Vorstand der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Saarbrücken und arbeitet als Referent auch für den DFB.

Hölzer sieht die Bewerbung von Adrian Zöhler vor dem Hintergrund seiner zusätzlichen Tätigkeit als Präsident des Landessportverbands (LSVS) kritisch. Doch auch die Initiative von Klein sorgt beim Fußball-Trainer Hölzer für Unverständnis: „Wir müssen endlich wieder den Sport nach vorne bringen, bevor wir uns darüber Gedanken machen, wie wir die Clubheime wieder beleben.“ Klein will diese als Treffpunkte für den Saar-Fußball stärken.

Wer Hölzer bei seinen Plänen für den SFV unterstützt, ist offen. Er werde sein Team erst „in einigen Wochen präsentieren, es gibt keinen Grund zur Eile“. Sollte „Vereine vor“ allerdings mit der Unterschriftenaktion zur Einberufung eines Verbandstages erfolgreich sein, muss sich das schnell ändern.

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