1. Sport
  2. Saar-Sport

Handball in der TV-Zwickmühle

Handball in der TV-Zwickmühle

Hamburg. Die deutsche Handball-Bundesliga (HBL) ist derzeit als TV-Rechteverwalter gefordert. Der Spartensender Eurosport, der seit 2006 bereits umfassend die Handball-Champions League überträgt, signalisiert großes Interesse, ab Sommer 2009 auch die TV-Rechte der Bundesliga erwerben zu wollen

Hamburg. Die deutsche Handball-Bundesliga (HBL) ist derzeit als TV-Rechteverwalter gefordert. Der Spartensender Eurosport, der seit 2006 bereits umfassend die Handball-Champions League überträgt, signalisiert großes Interesse, ab Sommer 2009 auch die TV-Rechte der Bundesliga erwerben zu wollen. Am Montag traf sich die HBL-Führung in München, um mit ihrem Marketing-Berater Michael Gott die denkbaren Szenarien zu entwerfen. "Eurosport ist für mich eine Option", sagt Uwe Schwenker, Manager des THW Kiel.

Der aktuelle TV-Vertrag besteht seit Sommer 2006 und ist recht komplex. Der Sportvermarkter Sportfive garantiert der HBL dabei die Summe von einer Million Euro jährlich, außerdem verdient die Liga an dem digitalen TV-Projekt "hbl.tv" sowie der Auslandsvermarktung. Die Hälfte dieser garantierten Million (480000 Euro) zahlt die Sport A, die gemeinsame Rechteagentur von ARD und ZDF und bedient damit die Magazin-Sendung "Liga 1" (im WDR und NDR um 17 Uhr). Eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich zahlt das DSF, das jeweils dienstags das "Spiel der Woche" zeigt und gestern bekannt gab, auch alle Spiele der deutschen Handball-Frauen bei der EM vom 2. bis 14. Dezember in Mazedonien live zu zeigen.

Das deutsche Fernsehen zeigt also recht viel Handball, aber oft weiß der Fan nicht, auf welchem Programm. "Wir brauchen einen Fernsehsender der Bundesliga, Pokal und die Champions League sendet", fordert daher Fynn Holpert, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, denn nur so sei der Handball ganzjährig zu bewerben und als Produkt besser zu verkaufen. Und vor dem Hintergrund, dass jeder Bundesliga-Klub aus den nationalen TV-Rechten nur kümmerliche 50000 Euro jährlich erlöst (was im Falle des THW Kiel nicht einmal ein Prozent des Jahresetats von ca. acht Millionen Euro ausmacht), verlangen die Liga-Verantwortlichen eine deutliche Steigerung. "Wir wollen und müssen das Ergebnis verbessern", unterstreicht dies HBL-Präsident Reiner Witte.

Die Ausschreibung der TV-Rechte soll bis Ende 2008 erfolgen, bis Ende März soll der neue Vertrag stehen. Das Angebot von Eurosport, das für die Champions League-Rechte auf dem deutschen Markt rund eine Million Euro an die Europäische Handball-Föderation (EHF) zahlt, ist aber nicht allein aus finanziellen Gründen interessant. "Das hätte auch einen gewissen Charme, weil sich auf diese Weise die Probleme beim Terminkalender besser synchronisieren ließen", erklärt Witte. Der HBL-Präsident hat sich diesbezüglich bereits mit EHF-Generalsekretär Michael Wiederer verständigt.

"Aber auch die Sport A ist interessiert, die Zusammenarbeit fortzusetzen", berichtet Witte. Dies sei aber stark abhängig von Ausgang der Verhandlungen um die Rechte in der Fußball-Bundesliga. Wegen der unsicheren Ausgangslage im Fußball hatten WDR und NDR mit dem Handball eine neue Mannschaftsballsportart aufgebaut. "Das ist kein Geheimnis, dass dieses Magazin damals für den Fall der Fälle installiert worden ist", so Witte. Auch Eurosport aber ist dem Vernehmen nach an einem Magazin-Format, wie es bereits für die Champions League existiert, stark interessiert. Für den Spartensender ist Handball so interessant, weil viele ausländische HBL-Profis aus wichtigen Eurosport-Märkten wie Polen stammen.

Nicht unwahrscheinlich, dass das DSF als Verlierer aus dem TV-Poker hervorgeht. Der Münchner Sender profitierte bislang davon, dass der deutsche Markt zu wenig Sendeplattformen bot und erwarb die Rechte daher zu einem Spottpreis. Mit diesen soll auf nationaler Ebene nun aber laut HBL-Präsident Witte Schluss sein. "Die Einnahmen aus Champions League sind höher als die nationalen Erlöse, das muss und wird sich ändern."