Handball-Drittligist HG Saarlouis gewinnt Heimspiel gegen TGS Pforzheim

HG Saarlouis schlägt TGS Pforzheim : Im Stile einer Spitzenmannschaft

Die HG Saarlouis präsentiert sich gegen das Topteam TGS Pforzheim wie aus einem Guss – trotz erheblicher personeller Probleme.

Eine Viertelstunde ist am Samstag in der Saarlouiser Stadtgartenhalle noch zu spielen, als sich die 920 Handball-Fans im Drittliga-Auftritt der HG Saarlouis von den Sitzen erheben: Die Zuschauer huldigen laut ihrem personell gebeutelten Team, das sich gegen die hoch gehandelte TGS Pforzheim gerade wie im Rausch präsentiert. Erst ein Dreher von Peter Walz, gefolgt von einem toll herausgespielten Treffer durch Gilles Thierry, der mangels Alternativen oft auf Linksaußen agiert. Danach ein Walz-Knaller sowie ein Gegenstoßtor von Philipp Leist – nach dem vierten Saarlouiser Tor in Folge zum 25:18 nimmt Pforzheims Trainer Michael Rost entnervt die Auszeit, begleitet von stehenden Ovationen der Besucher.

Es ist die Vorentscheidung, am Ende feiert die HG mit 32:28 (16:13) den dritten Sieg in Serie und zieht mit 6:2 Zählern am Gegner vorbei vorerst auf Rang drei. Dabei stand die Partie für die Gastgeber unter keinem guten Stern: Trainer Philipp Kessler musste neben den Langzeitverletzten Ivo Kucharik und Lars Walz auf Rückraumakteur Josip Grbavac verzichten – er fehlte grippekrank. Zudem hatten unter der Woche Walz und Niklas Louis „gekränkelt“.

Doch mit nur sieben Feldspielern – Julian Kreis und A-Jugend-Akteur Alexander Herzig kamen kaum zum Zug – bestimmte Saarlouis nach einem 3:4-Rückstand (6.) das Spiel und hielt das hohe Niveau bis zum Ende durch. „Großen Respekt an alle, dass wir mit so wenigen Leuten, noch dazu auf ungewohnten Positionen, ein solches Spiel zeigen – eine super Teamleistung, jeder Einzelne ist ans Limit gegangen“, lobte HG-Torwart Patrick Schulz. Er war ebenfalls ein Garant für den Sieg, mit einem parierten Siebenmeter von Pforzheims Florian Taafel sorgte „Pat“ für die Initialzündung (9.). Aus dem 3:4 machte Saarlouis ein 11:6 (19.) – nicht zuletzt dank Max Hartz, der fünf der ersten neun Tore erzielte und mit acht Toren hinter dem zehn Mal erfolgreichen Leist (davon drei Siebenmeter) zweitbester HG-Schütze war. „Ich wusste, dass ich nicht ausgewechselt werden kann – das hat es irgendwie leichter gemacht“, sagte Hartz und lachte fröhlich.

Das Selbstvertrauen schien bei allen mit jeder gelungenen Aktion noch mehr zu wachsen. „Neben Kampfkraft und Zusammenhalt haben wir vor allem taktische Disziplin gezeigt“, war Kessler angetan. „Wir haben vorne mit ganz viel Geduld agiert, haben viel gekreuzt und viele offene Eins-gegen-eins-Situationen erzwungen. Peter hatte davon gefühlte 40 – und gefühlte 35 gewonnen“, hob Leist die Leistung seines Kapitänskollegen Walz hervor, der als „Mentalitäts-Monster“ sieben Tore beisteuerte – einige in ganz wichtigen Momenten, etwa als Pforzheim nach der Pause wieder auf 16:17 (35.) rankam.

Saarlouis bewahrte einen kühlen Kopf und hatte stets eine passende Antwort – im Stile eines Spitzenteams. „Das kam schon überraschend“, räumte Leist ein: „Mit so einer ausgedünnten Truppe war das eine Bombenleistung. Es wird aber schwer, das auf die Dauer so beizubehalten“, sieht der Kapitän allerdings einen weiten Weg bis zum erhofften Spitzenresultat. Am Freitag ab 20 Uhr möchte die HG ihren positiven Lauf beim sieglosen Aufsteiger TV Hochdorf fortsetzen.

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