Handball-Drittligist HG Saarlouis gewinnt 35:28 gegen Rhein-Neckar Löwen II

3. Handball-Liga Süd : Walz und Co. überrollen die Junglöwen

Handball-Drittligist HG Saarlouis liefert beim 35:28 gegen Rhein-Neckar Löwen II eine überragende zweite Halbzeit ab.

Ein ohrenbetäubender Schrei hallt am Freitagabend durch die Katakomben der Stadtgartenhalle, als das letzte Heimspiel der HG Saarlouis in diesem Jahr in der 3. Handball-Liga Süd beendet ist. Er stammt von Michel Abt, dem Trainer der Rhein-Neckar Löwen II, und zeugt von dessen Frust nach der klaren Niederlage seines Teams. „Jetzt geht’s mir besser“, sagt Abt, als sein Schrei verstummt ist. Wenige Meter entfernt könnte die Stimmung dagegen nicht besser sein: Mit einer „Humba“ verabschieden sich die HG-Akteure von den begeisterten 1225 Zuschauern in der Stadtgartenhalle, denen sie beim unerwartet klaren 35:28 (13:14)-Erfolg gegen den Tabellensechsten erneut ein Spektakel geboten haben.

„Wir gewinnen gegen ein Topteam mit sieben Toren – obwohl die erste Halbzeit gar nicht so war, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt HG-Kapitän Peter Walz. In der Tat sah es zunächst nicht nach einem Erfolg aus – im Gegenteil: Nach 20 Minuten hieß es 6:11 aus Sicht der HG. Bis anderthalb Minuten vor Ende der Halbzeit lag sie mit 10:14 klar hinten. Es drohte ein schwarzer Freitag der 13. samt der ersten Heimpleite der Saison zu werden. Erst ein starker Endspurt mit drei Toren durch Julian Kreis, Tommy Wirtz und Josip Grbavac brachte die Gastgeber zurück ins Spiel.

In der Pause fand Kessler die richtigen Worte, denn Saarlouis kam wie verwandelt aus der Kabine. Philipp Leist und Wirtz sorgten für die erste Führung seit dem 4:3 – gefolgt von den Festspielen des Peter Walz: Der 25-Jährige war nicht zu stoppen. Die nächsten sechs HG-Tore gingen alle auf das Konto von Walz, der Abt beim 21:19 (42.) zur Auszeit zwang. Danach wurde Walz von den „Junglöwen“ in Manndeckung genommen, doch Saarlouis brüllte weiterhin lauter – nicht zuletzt, weil hinten auf Patrick Schulz Verlass war. Der HG-Torwart entschärfte reihenweise Würfe der Gäste, ließ vor allem Jugend-Nationalspieler Philipp Ahouansou verzweifeln.

Durch vier Tore in Folge setzte sich die HG auf 26:21 (48.) ab. Spätestens nach dem Doppelschlag von Walz und Gilles Thierry zum 31:24 (56.) war die Partie gelaufen. „Ich habe die Jungs in der Pause etwas wachgerüttelt – dass es unsere Halle ist und die vielen Zuschauer nur gekommen sind, um uns zu sehen“, sagt Kessler angesichts der zwei unterschiedlichen Hälften. „Wir haben daheim in der Hinrunde ja fast alles gewonnen – daraus zieht man eine gewisse Stärke“, versucht Torwart Schulz, die Steigerung zu erklären, die eng mit dem Namen Walz verbunden war. „Wir hatten anfangs sehr viele technische Fehler drin, gerade auch ich selbst – das hat mich sehr geärgert“, erklärt Walz. Seine Reaktion? Schlichtweg überragend, denn er sorgte mit elf seiner 13 Tore für die Hälfte der HG-Treffer nach der Pause.

Durch den siebten Sieg im achten unbesiegten Heimspiel verbesserte die weiter neuntplatzierte HG ihre Bilanz auf 17:15 Punkte. „Zu Hause sind wir eine Macht. Woran es auswärts liegt, weiß ich nicht genau“, sagt Walz angesichts von sieben Niederlagen aus acht Partien in der Fremde: „Immerhin aber haben wir ein paar Punkte mehr als letzte Saison.“ Damals schloss Saarlouis das Jahr mit 16:18 Zählern ab. „2019 war zu Hause eines der erfolgreichsten Jahre der HG-Geschichte: Nur sechs Verlustpunkte – ich weiß nicht, wann das zuletzt geschafft wurde“, ist Kessler mit der Heimbilanz hochzufrieden. Jetzt soll beim HC Erlangen II (Samstag, 18 Uhr) die Auswärts-Ausbeute aufpoliert werden. „Dort wollen wir ein letztes Mal für 2019 alles raushauen“, sagt Walz – damit zum Abschluss dann vielleicht ein Saarlouiser Schrei der Erlösung zu hören ist.