1. Sport
  2. Saar-Sport

Hamilton fährt um seinen RufWenn ein Weltmeister Kommissare "vergackeiert"

Hamilton fährt um seinen RufWenn ein Weltmeister Kommissare "vergackeiert"

Diffus, konfus, Plattfuß, von Hand zu Fuß - so liest sich die Würze eines modernen Formel-1-Rennens. Neuerdings dauert dieses ja nicht mehr maximal zwei Stunden. Nein, es zieht sich über vier Nächte und fünf Tage, von Sonntag bis Donnerstag. Dann stand wieder mal ein Ergebnis von Melbourne fest - das dritte. Verstehe, wer will

Diffus, konfus, Plattfuß, von Hand zu Fuß - so liest sich die Würze eines modernen Formel-1-Rennens. Neuerdings dauert dieses ja nicht mehr maximal zwei Stunden. Nein, es zieht sich über vier Nächte und fünf Tage, von Sonntag bis Donnerstag. Dann stand wieder mal ein Ergebnis von Melbourne fest - das dritte. Verstehe, wer will.

Natürlich gab es auch am Sonntag direkt nach der Zieldurchfahrt ein Ergebnis. Aber das ist in der Regel unter Vorbehalt. Ist alles okay, wird dieses bestätigt. Wie zunächst am Sonntag. Doch Stunden später war es nicht mehr okay. Die Regelhüter entdeckten im Rennregel-Dschungel Unregelmäßigkeiten. Platz drei futsch für Trulli, Hamilton rutscht nach auf das Podium.

Vier Tage später schlagen die Rennkommissare erneut gnadenlos zu. Sie fühlen sich kurz vor Ostern "vergackeiert". Hat sie doch ein Weltmeister bei ihrem Verhör zum (Funk-)Verkehr absichtlich in die Irre geführt - und belogen. Zum Durchdrehen!

Also kurzer Prozess mit Hamilton. Im Schnellverfahren Ausschluss des Fahrers und seines Teams aus der Australien-Wertung. Trulli findet sich am Donnerstag wieder dort, wo er bereits am Sonntag nach der Zieldurchfahrt war: auf Platz drei. Aber nur bis 14. April. Dann gibt's die Berufungsverhandlung gegen die diffusen Diffusoren des Sieger-Teams Brawn GP. Die beschleunigen die Brawn-Boliden schneller, als der Konkurrenz lieb ist. Mein Gott, dabei hatten sich in der Winterpause alle Teams sooooo lieb. Die Tanks randvoll mit der Formel Harmonie - schnell geleert mit einem fehlgeleiteten Weltmeister als "Lügenbaron". Sepang. Im Büßerhemd spielte Lewis Hamilton vor der versammelten Weltpresse die Hauptrolle - und auf der Strecke rasen ihm seine Fahrerkollegen davon. Einen Tag nach dem Urteil wegen Falschaussage gab sich der Formel-1-Weltmeister reuevoll. "Ich habe gemerkt, dass es ein großer Fehler war. Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt", sagte McLaren-Mercedes-Pilot Hamilton sichtlich mitgenommen: "Ich bin kein Lügner. Ich habe in meinem Leben noch nie gelogen. Ich kann nicht sagen, wie beschämend das für mich ist."

In den Trainingseinheiten auf dem Tropen-Kurs in Sepang, wo an diesem Sonntag der Große Preis von Malaysia (11 Uhr/RTL) startet, zeigte sich, dass Hamilton auch sportlich nicht in Fahrt kommt. Platz sieben und elf im Training am Freitag waren ein Indiz für Mittelmaß. Dagegen unterstrich Nico Rosberg im Williams mit der Bestzeit im ersten und dem vierten Platz im zweiten Durchgang seinen Ruf als Trainings-Weltmeister. In der zweiten Session dominierte Ferrari mit Kimi Räikkönen vor Felipe Massa. Doch das interessierte nur am Rande. Mit seinem Auftritt vor der Presse versuchte der 24-jährige Hamilton, sein Saubermann-Image zu retten.

Die Flucht nach vorn war seine einzige Chance. Die Verantwortung für seine falsche Aussage vor den Rennkommissaren nach dem Grand Prix in Australien gab er aber seinem Teammanager Dave Ryan. Dieser habe ihn aufgefordert, Informationen zurückzuhalten.

"Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken", sagte Hamilton mit leiser Stimme vor den etwa 100 Journalisten und Fotografen: "Ich bin in die Irre geführt worden." McLaren-Mercedes reagierte und suspendierte Ryan am Freitag. "Lewis war nicht ganz ehrlich", gab Teamchef Martin Whitmarsh zu, nahm ihn zugleich aber in Schutz: "Er wurde bei seinen Aussagen von Dave Ryan gelenkt."

Der angeschlagene Formel-1-Star Hamilton betonte, er habe keine Absicht gehabt, jemanden zu schaden. Doch letztlich war sein Verhalten und das seines Teammanagers nichts anderes als versuchter Betrug und ein klarer Verstoß gegen das "Fairplay". Denn durch seine Aussagen hatte Toyota-Pilot Jarno Trulli eine 25-Sekunden-Zeitstrafe wegen verbotenen Überholens in der Safety-Car-Phase erhalten - und Hamilton war für ihn von Rang vier auf drei vorgerückt.

Am Donnerstag hatten sich die Rennkommissare in Sepang noch einmal zusammengesetzt. Dabei wiesen sie Hamilton und Ryan nach, die Unwahrheit gesagt zu haben. Der Weltmeister hatte auf der Strecke Trulli absichtlich auf Anweisung des Teams überholen lassen. Vor der Jury in Melbourne hatten Hamilton und Ryan das zurückgewiesen. Die Strafe für die Lüge: Hamilton wurde für das Rennen in Australien nachträglich disqualifiziert, verlor somit Platz drei und sechs Punkte. Trulli wurde hingegen wieder als Dritter gewertet.