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Halden-Inferno: 170 Lauf-Fans machen in Ensdorf die Nacht zum Tag

Halden-Lauf : Bis ans andere Ende der Nacht

Höhenmeter „schrubben“ bis der Morgen erwacht: Beim 3. Halden-Inferno machten an Karfreitag 170 Ultra-Lauf-Fans auf der Ensdorfer Bergehalde Duhamel die Nacht zum Tag.

Es weht kein Wind. Auf 330 Metern über Null ist die Luft noch warm, aber es dämmert schon, die glutrote Sonne legt sich hinter dem Saargau schlafen. Auf dem Hochplateau der Bergehalde Duhamel denkt dennoch niemand an Schlaf. Die rund 170 Teilnehmer, die sich am Karfreitag-Abend in der Startzone des 3. Halden-Infernos getroffen haben, wollen wach bleiben, die Nacht zum Tag machen.

 Während Hendrik Dörr vom Ausrichter „Hartfüßler Trail“ am Fuß des Saarpolygons noch einige Tipps zum Besten gibt, scharren die Ausdauer-Fans schon mit den Sohlen. „Jeder läuft so lange er kann. Wir laufen nicht gegeneinander, sondern zusammen oder jeder für sich“, erklärt der Hartfüßler-Boss die Vereins-Philosophie. Und weil man sich bei einem Freundschaftslauf vertraut, erfasst jeder die Werte selbst, mit GPS-Uhr oder Smartphone.

Gleich dürfen die Ultras im schlacke-grauen Boden Gummi geben und Höhenmeter schrubben, denn darauf kommt es an. Gelaufen wird steil runter, knackig oder weniger knackig hoch, aber eigentlich spielt das keine Rolle. Die Höhenmeter sind das Maß aller Dinge. Jeder darf seine eigene Strecke laufen, vier verschiedene Aufstiege rund um die Halde gibt es. Gewertet werden die Meter, die vom Untergang bis zum Aufgang der Sonne gesammelt werden.

 Um 20.21 Uhr fällt der Startschuss. Saarländer, Lothringer und Pfälzer stürmen los, wuseln kreuz und quer über die Halde, auf und ab auf unterschiedlichen Wegen. „Einige laufen runter bis zum Drehkreuz und die gesamte Strecke wieder hoch – das bringt 130 Höhenmeter. Andere joggen nur bis zu den Weinreben und ab der Mitte der Halde wieder über das Steilstück hoch – geht auch“, lacht Dörr. Andere wiederum konzentrieren sich auf die 60 Tonnen schwere Stahl-Skulptur am Gipfel und sammeln Höhenmeter beim Treppenlauf über das Polygon. 132 Stufen und 25 Meter hoch zum 35 Meter überspannenden Querstück, auf der anderen Seite runter und wieder hoch – Kleinvieh macht auch Mist.

Um 21 Uhr gehen die Kopflampen an. Das Licht des Vollmondes reicht nicht aus, um die Wege auszuleuchten. Dafür ist die Stimmung mystisch. Der Untertitel des kuriosen Berglauf-Marathons passt: „From dusk till dawn“ – so heißt auch das Roadmovie, in dem Vampire vom „Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang“ im Blutrausch toben. Qualen wie im völlig abgedrehten Gangster-Horror-Streifen von Quentin Tarantino erleben die Halden-Läufer nicht. „Aber beißen müssen sie auch. Es ist hart“, stellt Dörr fest. Kurz nach 0 Uhr lichtet sich das Feld. 1000 Höhenmeter waren für viele das erklärte Ziel. Und während die stolzen Träger des kleinen Halden-Hammers nach Hause fahren und ins Bett gehen, laufen die Härtesten der Harten weiter, und weiter, und weiter. Treffpunkt für eine kurze Rast ist immer die Verpflegungsstelle vor der riesigen Landmarke (sogar Sushi gibt es). Hier finden auch Gespräche statt, Taktiken werden geändert und Gruppen neu formiert.

Endlich geht die Sonne auf: Neun Unentwegte haben durchgehalten – und sind um Punkt 6.11 Uhr am Ziel. Foto: Hendrik Dörr
Malerische Momente: Der Lauf von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang bietet viele tolle Augenblicke. Da muss man auch mal kurz halt machen. Foto: Hendrik Dörr
Laufen vom Sonnen-Untergang bis zum Sonnenaufgang: Halden-Inferno des Vereins Hartfüßler-Trail in Ensdorf. Foto: Hendrik Dörr Foto: Hendrik Dörr

Um 6.11 Uhr kommt die Sonne raus. Endlich. Neun Teilnehmer haben durchgehalten. Der Spuk ist nun vorbei. Bei den Männern schafft Julian Konrad von der LG Filder 3222 Höhenmeter auf 60,33 Kilometern. Claudia Müller von der VT Zweibrücken sammelt auf 51,1 Kilometern 2814 Höhenmeter. Total irre, aber klasse Leistung. Und der Wahnsinn wird in die nächste Runde gehen. Dörr verspricht: „Das 4. Halden-Inferno steigt im April 2020.“