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"Hätte mir nichts Besseres vorstellen können"

"Hätte mir nichts Besseres vorstellen können"

Herr Schwarzer, Sie sind jetzt seit einem anderthalben Jahr sowohl beim Handball-Verband Saar (HVS) als auch beim Deutschen Handball-Bund (DHB) in der Funktion des Jugendkoordinators tätig. Welche Bilanz ziehen Sie bis zu diesem Zeitpunkt?Christian Schwarzer: Generell muss ich sagen, dass mir diese Aufgabe sehr, sehr viel Spaß macht

Herr Schwarzer, Sie sind jetzt seit einem anderthalben Jahr sowohl beim Handball-Verband Saar (HVS) als auch beim Deutschen Handball-Bund (DHB) in der Funktion des Jugendkoordinators tätig. Welche Bilanz ziehen Sie bis zu diesem Zeitpunkt?Christian Schwarzer: Generell muss ich sagen, dass mir diese Aufgabe sehr, sehr viel Spaß macht. Ich hätte mir nach meiner aktiven Laufbahn nichts Besseres vorstellen können. Es war für mich das Wichtigste, nach der Karriere etwas zu finden, das mir Spaß macht. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist genau das, und von daher bin ich zufrieden.

Gleichzeitig zum doppelten Jugendkoordinator sind Sie Trainer der deutschen U18-Nationalmannschaft - welche sind Ihre genauen Aufgabenbereiche?

Schwarzer: Die Kombination war mir wichtig. Anfangs konnte ich mit dem Begriff Jugendkoordinator nicht wirklich viel anfangen. Gerade weil ich nicht jemand bin, der nur am Schreibtisch sitzt und koordinative Aufgaben wahrnimmt, sondern eher ein Mann der Praxis bin. Aber es muss beides gemacht werden. Ich bin beim DHB für den gesamten männlichen Jugendbereich unter anderem zuständig für Sichtungs-Veranstaltungen und die neun DHB-Stützpunkte. Das ist ein interessanter und wirklich schöner Job.

Sie sind deshalb bestimmt viel unterwegs - wo arbeiten Sie hauptsächlich?

Schwarzer: Hauptsächlich arbeite ich eigentlich hier im Saarland, hier findet das Tagesgeschäft statt - zusammen mit unserem Landestrainer Dirk Mathis. Ansonsten bin ich in ganz Deutschland unterwegs. Anfang 2011 finden Sichtungs-Veranstaltungen in Hamburg, Berlin und Heidelberg statt. Dann habe ich mit meinen Jungs Lehrgänge in Leipzig, Koblenz und Flensburg.

Sie sagen, Ihre Arbeit macht ihnen Spaß und es sei so etwas wie Ihr Wunsch-Job nach der Karriere. Haben Sie auch das Ziel, irgendwann Trainer einer Bundesliga-Mannschaft zu werden?

Schwarzer: Dafür habe ich momentan gar keine Ambitionen. Dieses Tagesgeschäft Bundesliga habe ich lange genug mitgemacht, und dazu habe ich gar keine Lust. Ich sehe mich auch in der Zukunft auf gar keinen Fall dort.

Sie haben bei einer Veranstaltung des Saarbrücker Sportarztes Dr. Tim Meyer an der Sportschule jüngst die Zusammenarbeit zwischen dem DHB und der Handball Bundesliga (HBL) kritisiert. Was sind Ihre Kritikpunkte, und inwieweit haben Sie Einfluss auf Besserung?

Schwarzer: Mein Haupt-Kritikpunkt ist derselbe, den auch Heiner Brand seit mehreren Jahren anspricht. Nämlich der hohe Ausländeranteil in der Bundesliga. Ich habe einfach ein Riesenproblem, meine Jungs in der 1. Liga unterbringen zu können. Die Möglichkeiten sind einfach beschränkt. Das hat nichts mit der Leistung zu tun, sondern mit dem Umstand, dass so viele Ausländer in der Bundesliga tätig sind. Und solange sich da nichts ändert und die HBL einer Selbstbeschränkung zustimmt, wird sich da auch nichts ändern. Aber vielleicht setzt ja ein Umdenken ein, und die HBL legt fest, dass drei oder vier U20-Spieler im Kader stehen müssen. Dann würden sich die Verhältnisse für die Nachwuchsspieler in der HBL auch wieder verbessern. Aber darauf habe ich keinen Einfluss. Ich kann nur Dinge verändern, die in meinem Einflussbereich beim DHB liegen. Ich kann den Jungs nur Tipps geben, was und wie sie es künftig machen können.

In Ihrer Funktion als Trainer der U18 nehmen Sie am Victor's Cup in Merzig teil. Inwieweit können solche Turniere als Vorbereitung für die WM im kommenden August in Argentinien gelten?

Schwarzer: Das sind Testspiele unter Länderspiel-Bedingungen. Die sind für uns sehr wichtig zum Ausprobieren und für die Spieler, um Erfahrungen sammeln. Wir spielen im eigenen Land und sind deswegen Favorit. Aber wir können gut damit leben. Mit Ägypten ist der Jugend-Olympiasieger mit dabei, was sehr interessant ist. Dann hat man mit der Schweiz, Polen und Slowakei Teilnehmer der Europameisterschaft dabei, insofern ist es ein gutes Teilnehmerfeld.

Hätten Sie es vielleicht trotzdem lieber gehabt, dass starke Nationen wie Frankreich, Dänemark oder Norwegen dabei wären?

Schwarzer: Gegen Dänemark spielen wir im Januar drei Mal, gegen Frankreich im Februar ebenfalls drei Mal. Insofern sind wir diesbezüglich gut aufgestellt und werden uns auch mit den besten Mannschaften messen können. Deshalb bin ich jetzt nicht traurig, dass sie nicht bei diesem Turnier dabei sind.

Werden Sie in Merzig die beste Mannschaft aufs Feld schicken oder vornehmlich Spieler aus der zweiten Reihe oder dem erweiterten Blickfeld spielen lassen?

Schwarzer: Wir werden immer wieder Spieler testen, und es fallen uns ja auch immer wieder neue Spieler auf. Aber es ist schon so, dass wir unseren Stamm dabei haben, der teilweise schon in der 2. Liga spielt.

Wie beurteilen Sie die Lage im Saarland derzeit - gibt es genug Talente für die Zukunft?

Schwarzer: Wir haben immer wieder Spieler, die regelmäßig an den Stützpunkten trainieren. Mit Yves Kunkel haben wir sogar einen Kaderspieler des Jahrgangs 1994. Außerdem haben wir aus diesem Jahrgang noch Peter Resch, Peter Walz (beide HSG Völklingen, Anm. d. Red.) und Davide Servello (HG Saarlouis) im Fokus des DHB. Auch im 1995er-Jahrgang sind ein paar talentierte Jungs dabei. Ich glaube, wir sind da gut aufgestellt, obwohl wir nur ein kleiner Landesverband sind.

Die HG Saarlouis kämpft als Aushängeschild im Saarland um den Einzug in die eingleisige 2. Liga. Vor der Saison gab es mehrere Ab- und Zugänge, vor einer Woche heuerte mit Bartosz Janiszewski ein weiterer Ausländer bei der HG an. Was halten Sie davon, weil dies eigentlich gegen Ihre Vorstellung geht, auf mehr Nachwuchsspieler zu setzen?

Schwarzer: Über die Personalpolitik der Vereine mache ich mir gar keine Gedanken. Mir wäre es recht, wenn die Mannschaft in der 2. Liga bleiben würde, um den lokalen Talenten die Möglichkeit zu bieten, auch in der 2. Liga Fuß zu fassen. Meine Richtlinie wäre es, vermehrt mit deutschen Spielern zu arbeiten. Alles andere möchte ich nicht kommentieren. Aber es wäre super, wenn es im Saarland weiterhin einen Zweitligisten gäbe. Einfach, um den jungen Talenten die Perspektive zu geben, so hoch wie möglich zu spielen.

Auf einen Blick

3. Victor's Cup in Merzig mit A-Jugend-Nationalmannschaften aus Europa und Ägypten und dem Top-Team Saar:

Vorrunde: Gruppe I: Deutschland, Island, Finnland, Polen. - Gruppe II: Top-Team des Handballverbandes Saar (HVS), Schweiz, Ägypten, Slowakei.

Spielplan:

Montag: Schweiz - Slowakei (16 Uhr), Polen - Finnland (17.05 Uhr), HVS - Ägypten (18.10 Uhr), Deutschland - Island (19.15 Uhr).

Dienstag: Schweiz - Ägypten (10.30 Uhr), HVS - Slowakei (11.40 Uhr), Polen - Island (12.50 Uhr), Deutschland - Finnland (14 Uhr), Schweiz - HVS (15.10 Uhr), Slowakei - Ägypten (16.20 Uhr), Island - Finnland (17.30 Uhr), Polen - Deutschland (18.40 Uhr).

Mittwoch: Kleine Halbfinals: Dritter Gruppe I - Vierter Gruppe II (9.30 Uhr), Vierter Gruppe I - Dritter Gruppe II (11 Uhr). - Große Halbfinals: Erster Gruppe I - Zweiter Gruppe II (12.30 Uhr), Zweiter Gruppe I - Erster Gruppe II (14 Uhr). - Platzierungsspiele ab 15.30 Uhr, Spiel um Platz drei um 18.30 Uhr, Finale um 20 Uhr. ros