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Hälsig will kein Sprachrohr des FCS sein

Hälsig will kein Sprachrohr des FCS sein

Er ist 39 Jahre alt und im Umfeld des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken bislang nicht in Erscheinung getreten. Seit Ende Dezember führt Marketing-Professor Frank Hälsig den Aufsichtsrats des Vereins an.

Noch vor drei Monaten war Frank Hälsig ein weitgehend unbekannter Professor für Marketing an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auf dem Saarbrücker Rotenbühl. Seit 21. Dezember ist er Aufsichtsrats-Vorsitzender des 1. FC Saarbrücken , des "Vereins aus der Landeshauptstadt, der nicht nur im Saarland am meisten wahrgenommen wird. Das wusste ich vorher. Dennoch bin ich vom Umfang des medialen Echos überrascht worden. Ich wurde mal zum besten Marktforscher Deutschlands gekürt - das hatte niemanden interessiert", sagt Hälsig.

Die Reaktionen im Umfeld seien durchweg positiv gewesen, kleinere Spötteleien habe er leicht ertragen. "Mir hat sogar ein in Leipzig lebender Saarländer eine Glückwunsch-Mail geschickt", sagt der 39-Jährige: "Auch meine Studenten haben mir gratuliert." An der HTW liegt Hälsigs Schwerpunkt im Bereich Lehre. "Ich bereite junge Menschen auf ihren Berufsweg vor, darum ist eine gute Vernetzung im Land für mich sehr wichtig." Die könnte dem Verein künftig ebenso zugute kommen wie Hälsigs Forschungen im Bereich Digitalisierung und Wandel der Geschäftsmodelle . "Ich habe im Bereich Handel promoviert. Die Frage war, wie kann man eine Marke stark machen?"

Im Fall der "Marke FCS" sei die Grundvoraussetzung "Bekanntheit" erfüllt. "Zweite Voraussetzung ist ein positives und unverwechselbares Image. Das muss man über Jahre erarbeiten. Denken Sie an Audi . Das war früher eine Automarke für Opas", erläutert Hälsig: "Damit sich das Image verändert, müssen alle Bausteine passen. In einem Verein sind das Präsidium, Aufsichtsrat, Mitarbeiter, Trainer, Spieler und eben auch die Fans. Sie alle tragen dazu bei, in der Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik Vertrauen zu schaffen."

Dass dabei ein guter Slogan hilft, weiß auch der Marketing-Experte. "Der Leitsatz ,Wir leben dich' wird von Schalke benutzt und ist großartig", sagt Hälsig, "aber auch unser ,Liebe kennt keine Liga' stimmte in Liga fünf und wird es auch in Liga zwei noch tun." Wichtig seien Authentizität und Glaubwürdigkeit. "Wenn ich eben nicht der Traditionsverein im Land bin, dann sollte ich nicht für mich reklamieren, der Verein fürs ganze Saarland zu sein."

Hobbykoch Hälsig wurde in Vallendar im Rheinland geboren. "Während des Studiums habe in Saarbrücken im Nauwieser Viertel in einer WG gelebt", erzählt der Mann, dessen berufliche Laufbahn ihn durch zehn Länder geführt hat: "Ich habe zwei Jahre in den USA verbracht. Darum mag ich auch Football oder Basketball. Ich schaue viel Sport und oft." Mit seiner fünf Jahre jüngeren Frau Marga, einer Grundschullehrerin, war er überall auf der Welt mit dem Mountainbike unterwegs. War, denn die zweijährige Tochter Hanna "hat unser Leben doch etwas umgekrempelt".

Den FCS umkrempeln kann und will der neue Aufsichtsratsvorsitzende nicht. "Ich will unterschiedliche Ansätze und Meinungen im Verein verstehen und kanalisieren", sagt Hälsig: "Die erste Aufgabe des Aufsichtsrats bleibt die Kontrolle. Aber ein aktuelles Präsidiumsmitglied hat bereits gesagt, dass es Blödsinn wäre, verschiedene Ideen aus unserem Gremium nicht anzuhören und zu diskutieren." Kommende Woche will sich Hälsig etwa zum Austausch mit seinen Kollegen Aron Zimmer und Michael Haubrich sowie Geschäftsführer David Fischer treffen. "Ich sehe mich dabei als interner Moderator", sagt Hälsig und betont: "Ich will meine Auftritte in der Öffentlichkeit auch klar begrenzen. Sprachrohre des Vereins sind andere." Seine Amtsvorgänger haben ihre Rolle durchaus anders interpretiert. Hälsigs Weg scheint leiser, aber darum nicht weniger interessant.