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Fußball-EM 2024
Etappensieg für den DFB

Philipp Lahm hält ein Trikot zur deutschen Bewerbung für die EM 2024 hoch. Der EM-Botschafter war mit dem Ergebnis der Uefa zufrieden.
Philipp Lahm hält ein Trikot zur deutschen Bewerbung für die EM 2024 hoch. Der EM-Botschafter war mit dem Ergebnis der Uefa zufrieden. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Nyon. Uefa stellt der deutschen Bewerbung für die Fußball-EM 2024 ein besseres Zeugnis als der Türkei aus. dpa

Die deutsche Bewerbung hat im Rennen um die Fußball-EM 2024 gegen die Türkei einen Punktsieg gelandet und geht mit Rückenwind in die mit Spannung erwartete Vergabe des Turniers. Sechs Tage vor der Wahl des Gastgebers stellte die Uefa dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) in ihrem Evaluationsbericht zur Bewerbung in mehreren Kategorien ein besseres Zeugnis als dem einzigen Konkurrenten aus. Besonders die Menschenrechtslage in der Türkei wird von der Europäischen Fußball-Union sehr kritisch bewertet.


Der Kontinentalverband bescheinigte dem DFB in dem 44-seitigen Papier zur Bewerbung um die Europameisterschaft in sechs Jahren eine „inspirierende, kreative und sehr professionelle Vision“. „Der Bericht zeigt, dass wir unsere Arbeit in den vergangenen Monaten ernst genommen haben und die Uefa unsere Stärken honoriert“, sagte EM-Botschafter Philipp Lahm. „Deshalb machen wir genauso weiter und heben die Transparenz und Nachhaltigkeit unserer Bewerbung hervor“, erklärte der DFB-Ehrenspielführer.

Auch der türkische Fußballverband erhielt eine insgesamt positive Bewertung, muss sich jedoch Kritik in mehreren Punkten gefallen lassen. So wird „das Fehlen eines Aktionsplans in Sachen Menschenrechte“ als „problematisch“ angesehen. Während in Deutschland die notwendige Infrastruktur für das Turnier mit 24 Teams bereits vorhanden ist, seien in der Türkei „umfangreiche“ Projekte geplant. „Der Umfang der Arbeiten birgt angesichts des gegebenen Zeitrahmens ein Risiko“, heißt es.



Zudem bieten die deutschen Stadien größere Kapazitäten und damit das höhere Einnahme-Potenzial. So fassen gleich sieben Arenen in der Türkei weniger Zuschauer als das kleinste Stadion, mit dem sich der DFB bewirbt – Düsseldorf mit 46 264 Besuchern. Als weitere deutsche Spielorte sind Berlin, Köln, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, München und Stuttgart vorgesehen.

Das Uefa-Exekutivkomitee kürt am kommenden Donnerstag in Nyon in einer geheimen Wahl den Ausrichter. Die deutsche Bewerbung ist im Rennen um die Mehrheit der Stimmen der 17 Wahlberechtigten favorisiert. Die Türkei hatte schon mehrfach kandidiert und war zuletzt für die EM 2016 knapp an Frankreich gescheitert. Die bislang einzige EM in Deutschland fand 1988 statt, für die Türkei wäre es eine Premiere.

Die Bewertung im Evaluationsbericht ist für die Mitglieder der Uefa-Exekutive jedoch nicht bindend. Im Rennen um die WM 2022 hatte sich Katar bei der Wahl durch das damalige Fifa-Exekutivkomitee trotz einer deutlich schwächeren Bewerbung gegen seine Konkurrenten durchgesetzt.

In einigen Punkten der zwölf Bereiche erhielt die deutsche Kandidatur von der Uefa nicht die bestmögliche Bewertung. Beim Rechteschutz, der unter anderem Steuergarantien bewertet, bekam die deutsche Bewerbung lediglich das Prädikat „auf recht gutem Niveau“. In der Türkei sei dies „auf hohem Niveau“ der Fall. Unter dem Punkt zu politischen Aspekten wird bei Deutschland nur darauf abgehoben, dass der europäische Fußball hierzulande eine „weit verbreitete Unterstützung“ genieße. Dies sei auch durch die „positive Erfahrung“ des „Sommermärchens“ bei der WM 2006 begründet – die Affäre rund um die Vergabe spielt in dem Bericht keine Rolle.

Für die Türkei wird explizit erwähnt, dass auch der Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan „voll hinter der Bewerbung“ stehe. Allerdings wird die derzeitige Gesamtlage in der Türkei auch kritisch beäugt: „Infolge der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen im Land könnten geplante öffentliche Investitionen unter Druck geraten.“