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Große Zweifel, ob der Ball in dieser Saison noch einmal rollt

Wie geht im Fußball weiter? : Große Zweifel, ob der Ball noch mal rollt

Die Corona-Krise hat (nicht nur) den saarländischen Amateurfußball fest im Griff. Ob und wenn ja, wie es diese Saison weitergeht, steht in den Sternen. Die SZ hat sich bei Clubs in den Kreisen Merzig-Wadern und Saarlouis umgehört, wie sie die Lage einschätzen.

Der FSV Hemmersdorf befindet sich in einer besonderen Lage: Sollte die Saison vorzeitig abgebrochen und die bisherigen Resultate für null und nichtig erklärt werden, dann wäre der FSV sowohl Gewinner als auch Verlierer einer solchen Regelung. Auf der einen Seite dürfte die erste Mannschaft trotz eines vorletzten Tabellenplatzes auf den Klassenverbleib in der Verbandsliga Süd-West hoffen. Auf der anderen Seite bliebe der zweiten Mannschaft der Aufstieg in die Bezirksliga verwehrt.

Herbert Bauer, der 1. Vorsitzende des FSV, spricht sich dennoch für Abbruch und Annullierung der laufenden Spielzeit aus. In seinen Augen ist eine Fortsetzung der Saison unrealistisch. Auch einer Verlängerung der Spielzeit über den 30. Juni hinaus steht er skeptisch gegenüber und verweist auf die Ferienzeit und die bis dahin entstandene finanzielle Schieflage der Vereine. Sollte die Saison dennoch fortgesetzt werden, dann spricht sich Bauer dafür aus, dass nur der Meister ermittelt und die Ligen in der darauffolgenden Spielzeit aufgestockt werden.

Der Hemmersdorfer Lokal- und Ligarivale FV Siersburg belegt in der Verbandsliga Süd-West im Moment den zweiten Tabellenplatz – und das mit einem Spiel weniger als Tabellenführer FC Rastpfuhl. Für Alois Krotten, den 1. Vorsitzenden des FVS, ist Fußball zurzeit jedoch „die unwichtigste Nebensache der Welt“. Der Unternehmer wird deutlich: „Wir haben im Moment Wichtigeres um die Ohren als Fußball. Sich darüber Gedanken zu machen, geht klar am Thema vorbei.“

Auch für Nico Klauck spielt der Fußball in der derzeitigen Lage nur eine Nebenrolle. Der sportliche Leiter des Landesligisten SG Honzrath-Haustadt erklärt: „Amateurfußball ist zurzeit das Unwichtigste auf der Welt. Wichtig ist, dass Unternehmen und Geschäfte wieder funktionieren.“ Er plädiert für einen Saisonabbruch: „Wir können nicht zu Ende spielen.“ Klauck zufolge sollten (wie etwa im Volleyball und Handball) die derzeitigen Tabellenersten aufsteigen und der Abstieg ausgesetzt werden – eine Klassenreform werde ohnehin kommen. Außerdem spricht er sich gegen eine Saisonverlängerung aus: „Man darf den Spielern den Urlaub nicht wegnehmen.“

Udo Marmitt, Geschäftsführer des Bezirksligisten SF Hüttersdorf, will eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus hingegen nicht grundsätzlich ausschließen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass der Spielbetrieb spätestens im Mai wieder aufgenommen werden kann. Er ist sich jedoch nicht sicher, ob das auch wirklich klappt: „Ich bin skeptisch, ob der Ball vor Juni wieder rollt.“ Im Falle eines Saisonabbruchs spricht sich Marmitt für eine Aussetzung des Abstiegs aus. Die Tabellenführer sollen aufsteigen dürfen, was in der nächsten Saison zu 18er-Spielklassen führen würde. Dort wo bereits jetzt Ligen mit 18 Teams bestehen, schlägt er ein Entscheidungsspiel zwischen dem Meister der unteren und dem Schlusslicht der höheren Klasse vor: „Man sollte diese Option prüfen.“

Für Michael Buchheit, Geschäftsführer des akut abstiegsbedrohten Saarlandligisten 1. FC Reimsbach, ist die Debatte über die Fortsetzung der Saison indes eine „theoretische Diskussion“. Die Vereine und der Saarländische Fußball-Verband (SFV) hätten es sowieso nicht in der eigenen Hand: „Wir müssen abwarten, welche Entscheidungen von der Landesregierung getroffen werden.“ Hinsichtlich der Wertung der Saison weist er darauf hin, dass nicht alle Teams dieselbe Anzahl an Spielen absolviert hätten, sodass die aktuellen Tabellen den Saisonverlauf nur verzerrt wiedergäben. Buchheit schlägt daher vor, „zur neuen Saison bei null zu beginnen“.

Jürgen Kuhn, 1. Vorsitzender des Landesligisten SSV Pachten, spricht sich ebenfalls dafür aus, „alles auf null zu setzen“. In seinen Augen sollte es weder Absteiger noch Aufsteiger geben. Spiele ohne Zuschauer kann er sich nicht vorstellen: „Wir brauchen die Einnahmen.“ Zwar hält er die Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus grundsätzlich für eine gute Lösung, aber er gibt gleichzeitig zu bedenken: „Am besten wäre, es würde normal weitergehen – aber das halte ich für unrealistisch.“ Kuhn ist vor allem eine Botschaft wichtig: „Gesundheit ist das allerhöchste Gut. Kinder und ältere Menschen gehen vor.“

Die SSV Oppen führt die Tabelle der Bezirksliga Merzig-Wadern mit zwölf Punkten Vorsprung unangefochten an. Geschäftsführer Christian Beckinger begrüßt die Möglichkeit, die Spielzeit 2019/2020 zu verlängern: „Es ist sportlich die beste Lösung, wenn alle Spiele stattfinden können.“ Er hebt zudem hervor, dass sich durch eine Verlängerung der Saison Spiele unter der Woche vermeiden ließen. Beckinger spricht sich außerdem dafür aus, auf die Relegation in diesem Jahr zu verzichten und damit zwei Wochen einzusparen.

Udo Marmitt, Geschäftsführer der SF Hüttersdorf Foto: Ulrich Melerski
Nico Klauck, sportlicher Leiter der SG Honzrath-Haustadt Foto: Norbert Becker
Alois Krotten, Vorsitzender des FV Siersburg. Foto: Alois Krotten
Jürgen Kuhn, Vorsitzender der SSV Pachten Foto: Johannes A. Bodwing
Christian Beckinger, Geschäftsführer der SSV Oppen Foto: Werner Krewer

Die SSV Oppen hat dem saarländischen Verband vor kurzem Vorschläge hinsichtlich der Wertung der Spielzeit unterbreitet. Im Falle eines Saisonabbruchs soll es keine Absteiger geben. Weiterhin sieht einer der Vorschläge den Aufstieg der Tabellenersten vor. Doch was passiert in Ligen, in denen keine eindeutige Konstellation vorliegt? Hierzu heißt es in dem Schreiben: „In diesen Spielklassen schlagen wir einen Losentscheid unter den Mannschaften vor, die rein rechnerisch an der Spitze stehen könnten, wenn alle Nachholspiele absolviert wären.“ Beckinger würde es jedoch eindeutig bevorzugen, wenn die Entscheidung über den Aufstieg auf dem Platz fiele: „Meister fühlt sich schöner an, wenn man alle Spiele gemacht hat.“