1. Sport
  2. Saar-Sport

Große Stars und große Sorgen

Große Stars und große Sorgen

Gstaad. Bei ihren Fans weckt die Elfenbeinküste immer noch große WM-Hoffnungen, bei vielen Experten immer mehr Zweifel. Als Trainer Sven-Göran Eriksson seine Mannschaft diese Woche im Trainingslager in der Schweiz zusammenzog, begrüßte er genauso viele Klassefußballer wie Probleme

Gstaad. Bei ihren Fans weckt die Elfenbeinküste immer noch große WM-Hoffnungen, bei vielen Experten immer mehr Zweifel. Als Trainer Sven-Göran Eriksson seine Mannschaft diese Woche im Trainingslager in der Schweiz zusammenzog, begrüßte er genauso viele Klassefußballer wie Probleme. Mit Stars wie Didier Drogba oder Kolo Touré kann er bei der WM weiter kommen als jedes andere afrikanische Team. Aber seine Spieler haben kaum Zeit, sich an ihren neuen Coach zu gewöhnen, sie leiden an der riesigen Erwartungshaltung in ihrer Heimat und sind sich untereinander nicht immer grün. Arthur Boka vom VfB Stuttgart pendelt bei den Ivorern zwischen Stammplatz und Ersatzbank, aber dafür drückt der kleine Verteidiger die Dinge unverblümter aus als viele Andere. Über die Stimmung im Team sagt er: "Wir haben eine große Mannschaft mit großen Spielern. Aber wenn die Leute sagen: Die Elfenbeinküste ist Drogba, dann sind einige frustriert. Häufig haben die Stars bei uns mehr für sich gespielt als für die Mannschaft." Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Auch Mittelfeldspieler Romaric vom FC Sevilla klagte: "Wir haben große Schwächen beim gemeinsamen Auftreten. Wir bilden noch keinen Block." Das zu ändern, ist die Aufgabe von Trainer Eriksson. Der Schwede ist erfahren im Umgang mit Stars, führte unter anderem England zweimal zur WM und Lazio Rom zur Meisterschaft. Für seine neue Mission bleibt dem 62-Jährigen aber kaum Zeit. Nach der Entlassung seines Vorgängers Vahid Halilhodzic begann er seine Arbeit mit den Ivorern erst diesen Monat. Er spricht ihre Sprache nicht, hat keine Erfahrung mit afrikanischen Teams und präferiert ein anderes System als seine Spieler. Die sind es gewohnt, mit drei Stürmern anzugreifen. Eriksson setzt lieber auf eine 4-4-2-Formation. Über seine neue Mannschaft sagt er das gleiche wie fast alle Beobachter. "Wir haben viele Spieler von allerhöchstem Niveau. Aber es reicht nicht, zu hoffen, dass Drogba rausgeht und ein paar Tore schießt." Eriksson ist schnell zum Hoffnungsträger aufgestiegen, die Spieler loben seine Arbeit. "Wir könnten keinen Besseren haben. Er weiß, welche Stärken wir haben und an welchen Schwächen wir noch zu arbeiten haben. Er ist ein erstklassiger Trainer", sagte Kolo Touré. Zusammen mit seinem Bruder Yaya (FC Barcelona) sowie den Chelsea-Stürmern Drogba und Kalou verkörpert Kolo Touré das große Potenzial, das im Team steckt. "Wenn wir die Vorrunde überstehen, dann ist alles möglich. Dann können wir auch Weltmeister werden", sagt Boka. Viele Fans denken genauso - nur ohne jede Einschränkung.Die Ivorer treffen in der Gruppenphase auf Portugal und Brasilien. "Wenn wir in Südafrika scheitern, brauchen wir gar nicht mehr heimzukommen", sagte Romaric und spielt auf die Enttäuschung nach dem Afrika-Cup an. Da scheiterte die Elfenbeinküste als großer Favorit im Viertelfinale und feuerte anschließend ihren Trainer - nach der ersten Niederlage im 24. Spiel. dpa