Große Momente im Sportzentrum Erbach bei Spiel der Handball-Legenden

Kostenpflichtiger Inhalt: Handball-Helden kommen zurück : Große Momente im Sportzentrum Erbach

2700 Zuschauer feiern die deutschen Allstars und die Saarland-Auswahl beim Handball-Fest. Die alten TVN-Helden begeistern.

Zeitreisen? Es gibt sie doch! Am Sonntag machten sich 2700 Mitreisende in der „Zeitmaschine Sportzentrum Homburg-Erbach“ auf den Weg in vergangene Handball-Tage. Das Spiel der deutschen Allstars um die Weltmeister von 2007 gegen die Saarlandauswahl mit den Helden des TV Niederwürzbach war sportlich und emotional gespickt von großen Momenten.

Für den ersten sorgte der wohl mit Abstand beste saarländische Handballer aller Zeiten. Als Joachim Deckarm in die Halle kam, standen alle auf, applaudierten ihrem „Jo“ minutenlang zu. Als der mit Jürgen Hartz den Anwurf vollzog, gab es bei dem ein oder anderen erstmals feuchte Augen. „Ich musste schon aufpassen, dass da keine Tränen kommen“, sagte Hartz: „Es war unglaublich.“ Und unvergesslich – wie die Zeit, als der TVN den Saar-Handball in Deutschland und Europa repräsentierte. „Ich war damals wegen Rudi Hartz ins Saarland gekommen. Er war ein Manager alter Schule, stand immer zu dem, was er versprochen hatte“, sagte Markus Baur, der 2007 beim Wintermärchen mit dem DHB-Team den WM-Titel im eigenen Land holte. „Es waren heute so viele auch auf den Rängen, deren Gesichter ich noch von damals kannte. Großartig“, sagte Baur, der, seit er nicht mehr trainiert, augenzwinkernd „genau zwei Kilo zugenommen hat“.

Die langen Haare von Staffan Olsson sind noch immer sein Markenzeichen – auch wenn sich inzwischen das ein oder andere graue reingemogelt hat. Der ehemalige Weltklasse-Rückraumspieler ist mittlerweile 55 Jahre alt, nicht mehr so schnell wie zu besten Zeiten in Niederwürzbach und später beim THW Kiel, aber immer noch mit dem Auge für die Spielsituation – wie bei seinem Tor zum 1:2 für das Saarland. Nach Deckarm bekam der Schwede den größten Applaus. „Klar spiele ich für das Saarland, mein Sohn wurde damals hier geboren. Mein Gewicht ist auch noch immer gleiche wie damals. Aber es sind nicht mehr so viele Muskeln“, sagte Olsson: „Heute bin ich froh, wenn ich fünf Minuten auf dem Feld überlebe.“ Olsson, 1990 und 1999 Weltmeister mit Schweden, ist seit September Sportdirektor des US-amerikanischen Handballverbands: „Das Ziel ist, Handball in den Staaten bekannter zu machen und die Olympischen Spiele 2028.“

Drei Mal Olympia-Gold und zwei WM-Goldmedaillen – das sind die größten Erfolge von Andrej Lavrov. Seine Zeit im Tor des TV Niederwürzbach hat Russlands „Handballer des 20. Jahrhunderts“ dennoch nicht vergessen. „Es war das beste Publikum meiner Karriere. Darum habe ich keine Sekunde gezögert, hier zuzusagen“, sagte Lavrov, der noch über herrausragende Reaktionen verfügt, sich wie Gegenüber Henning Fritz im deutschen Tor über jeden Gegentreffer ärgerte.

Wie es ist, mit dem Adler auf der Brust Fußball zu spielen, weiß Philipp Wollscheid. Am Sonntag durfte der Saarländer, einst Fußball-Nationalspieler, mit den deutschen Handball-Legenden auflaufen und traf per Siebenmeter gegen Michael Rocksien zum 17:11-Zwischenstand: „Dabei war ich der einzige, der nie Handball gespielt hat. Es hat so Spaß gemacht.“

Tolle Tore, glänzende Paraden und die ein oder andere witzige Einlage sorgten für prächtige Stimmung. Da versenkte Dominik Klein einen Abwurf von Fritz nach spektakulärer Annahme mit einem Drehwurf hinter dem Rücken. Marek Kordowiecki ließ sich trotz Muskelverletzung einwechseln, um einen Strafwurf gegen Fritz im Nachsetzen zu verwandeln. Oder als Schiedsrichterin Aleksandra Jelicic sich den Ball schnappte und das 25:36 durch Marcus Simowski vorbereitete. „Das Zuspiel an den Kreis war immer meine Stärke“, sagte die über Jahre beste Handballerin im Saarland lachend.

Mitorganisator Christian Schwarzer, auch Nachwuchstrainer des Saarländischen Handballverbandes, hatte die nächste Generation auch dabei. Max Hartz, Sohn von Jürgen, und Blacky-Sprössling Kian Schwarzer durften ihr Talent zeigen. Da interessierte es eigentlich niemanden, dass das Saarland am Ende mit 27:38 unterlag – trotz der Verstärkung mit den aktuellen Bundesliga-Profis Yves Kunkel und Jerome Müller. „Das ist schon Wahnsinn“, sagte Müller voller Respekt vor der Leistung der einstigen Weltstars: „Das sind schon beeindruckende Zocker, da kann man sich noch immer etwas abschauen.“

Handball-Ikone Joachim Deckarm wird von den Zuschauern in Homburg-Erbach minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert. Foto: Andreas Schlichter
Der alte Schwede reißt die Arme hoch und feiert sein Tor: Staffan Olsson war einer der Helden von damals, die ins Saarland gekommen waren. Foto: Andreas Schlichter
Jung gegen alt: Peter Walz (vorne) wird von den Weltmeistern Christian Schwarzer und Andrej Klimovets (rechts) gestoppt. Foto: Andreas Schlichter

Neben dem Spaß stand der gute Zweck im Mittelpunkt. 15 000 Euro für soziale Projekte kamen zusammen. Dazu kommt der Erlös aus Tombola und Trikot-Verkauf. „Es war so, wie wir uns das gewünscht haben“, sagte Schwarzer: „Ich verspreche, das war nicht das letzte Mal, dass wir hier gespielt haben.“