| 21:48 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft
Grindel kündigt Veränderungen an

Reinhard Grindel äußert sich selbstkritisch.
Reinhard Grindel äußert sich selbstkritisch. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Frankfurt. DFB-Präent räumt Fehler ein. Die Nationalmannschaft habe sich zu sehr von der Basis entfernt. sid

Mehr Demut für „Die Mannschaft“, weniger Machtfülle für Oliver Bierhoff: DFB-Präsident Reinhard Grindel hat nach dem WM-Desaster in Russland teils tiefgreifende Veränderungen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) angekündigt. Im Umgang mit Mesut Özil räumte der 56-Jährige erneut Fehler ein, kritisierte allerdings auch das Verhalten des Mittelfeldspielers, der ihm in seiner geräuschvollen Rücktrittserklärung offen Rassismus vorgeworfen hatte.


„Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen. Solche Angriffe sind völlig inakzeptabel“, sagte Grindel in einem Interview: „Dass Özil sich vom DFB im Stich gelassen gefühlt hat, tut mir leid.“ Wichtig sei es ihm aber „zu betonen, dass ich mich nach der WM zu keinem Zeitpunkt zu seiner sportlichen Leistung geäußert habe“. Er habe von Özil eine Erklärung zu den Fotos mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan verlangt. „Das darf aber keinesfalls als Kritik an seiner sportlichen Leistung missverstanden werden“, sagte Grindel: „Ich hätte mir eine solche Erklärung auch gewünscht, wenn wir Weltmeister geworden wären.“

Das WM-Aus mache nun „tiefgreifende Veränderungen“ notwendig, nicht zuletzt bei den umstrittenen Marketing-Maßnahmen. „Ich denke da an mehr öffentliche Trainingseinheiten, niedrigere Ticketpreise“, sagte Grindel: „Und ich nehme auch wahr, dass an der Basis der Begriff ,Die Mannschaft’ als sehr künstlich empfunden wird. Auch das sollten wir auf den Prüfstand stellen.“



In der DFB-Struktur soll Nationalmannschaftsdirektor Bierhoff entlastet werden. Grindel kündigte die Wiedereinstellung eines Sportdirektors sowie eines Leiters für das Akademie-Projekt an, die dann aber weiter Bierhoff unterstellt sein werden. „Ansonsten muss er in den nächsten Monaten selbst überprüfen, ob er das alles leisten kann“, sagte Grindel. 

Grindel deutete auch Dissonanzen zwischen Teamleitung und Präsidium an. Er sei „während der WM nicht nah genug an der Mannschaft gewesen, um sagen zu können, ob das Teamquartier nicht ausreichend war, ob es in den Abläufen Dinge gab, die nicht gut waren“, sagte er: „Da erwarte ich auch von dem Teammanager Oliver Bierhoff, dass das Präsidium Einblicke in die Abläufe erhält.“

Konkret auf den Vorfall angesprochen, dass den Nationalspielern im Teamquartier in Watutinki nachts das WLAN ausgeschaltet wurde, damit sie nicht mehr mit der Playstation spielen konnten, erklärte der DFB-Boss: „Dass dort jemand Anlass gesehen hat einzugreifen, hätten wir schon gern gewusst. Wir müssen intensiver miteinander reden.“