Griezman lässt den Giganten schrumpfen

Madrid · Auch der FC Barcelona kann den Titelverteidiger-Fluch nicht brechen: Der Vorjahressieger scheiterte am späten Mittwochabend im Viertelfinale der Champions League überraschend, aber verdient an Atlético Madrid.

Als der Titelverteidiger-Fluch auch den FC Barcelona heimgesucht hatte, waren die Fußball-Profis um Lionel Messi auf Zwergen-Format geschrumpft. Der Königsklassen-K.o. gegen Atlético Madrid stürzt Barcelona in eine Krise. Die Kritik in der Heimat fällt vernichtend aus. "Der Untergang von Barcelona", titelte die Zeitung "Marca" am Tag nach der 0:2-Niederlage des Favoriten und verglich den uninspirierten Auftritt des spanischen Meisters im Calderon-Stadion "mit der Einweisung eines Patienten in die Notaufnahme". Selbst die seriöse "El País" ging mit der Mannschaft und Trainer Luis Enrique hart ins Gericht: "Die Depression hat Barca erreicht. Es war keine Spielanlage lesbar und der Trainer hatte keine Antworten."

Tatsächlich agierte Barcelona am Mittwochabend wie ein Schatten seiner selbst. Das System mit dominantem Offensivfußball und Chancen am Fließband, wie es die Mannschaft noch vor wenigen Wochen im Drei-Tages-Rhythmus zelebrierte, kollabierte regelrecht. "Die Mannschaft ist traurig. Die Champions League war unser oberstes Ziel", sagte Enrique. Doch der giftigen Spielweise der Madrilenen von Atlético-Trainer Diego Simeone hatten die Katalanen nichts entgegen zu setzen. Das Offensiv-Trio Messi, Neymar und Luis Suárez, der beim 2:1-Sieg im Hinspiel beide Treffer für Barcelona geschossen hatte, brachte kaum etwas zustande. Vor allem Messi agierte neben der Spur. Seit fünf Spielen - so lange wie seit April 2010 nicht mehr - wartet der Argentinier auf einen Torerfolg. Durch das Ausscheiden Barcelonas bleibt es dabei: Seit der Einführung der Champions League in der Saison 1992/1993 konnte keine Mannschaft den Titel zweimal hintereinander gewinnen.

Bei Atlético herrschte unterdessen Hochstimmung. Nach den beiden Treffern des starken Franzosen Antoine Griezmann (36. Minute und 88./Handelfmeter) fiebern die Madrilenen der heutigen Halbfinal-Auslosung entgegen. "Den einzigen Wunsch, den wir haben, ist: kein Duell mit Real Madrid ", sagte Linksverteidiger Filipe Luis.

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