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Grgic kehrt als Rivale in sein altes „Wohnzimmer“ zurück

Handball : Grgic kehrt als Rivale in sein altes „Wohnzimmer“ zurück

Seine ehemaligen Kollegen bei der HG Saarlouis schwärmen noch immer von der Extraklasse des Kroaten. Der kommt heute als Trainer der VTZ Saarpfalz.

Es ist die Rückkehr in sein „Wohnzimmer“, wie er selbst sagt. Am heutigen Freitag (19.30 Uhr) weilt Danijel Grgic wieder in der Stadtgartenhalle. An jenem Ort, an dem der kroatische Ex-Nationalspieler mit den Handballern der HG Saarlouis über Jahre Erfolge feierte. Diesmal kehrt er als Rivale zurück. Als Trainer der VTZ Saarpfalz, die im Abstiegskampf der 3. Liga Süd jeden Punkt braucht. Der Aufsteiger ist mit 12:32 Zählern Vorletzter. „Die stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir haben zum Glück nicht diesen Druck nach unten“, sagt HG-Trainer Philipp Kessler.

Mit zuletzt vier Siegen in Folge hat sich die HG Saarlouis wieder nach oben orientiert und belegt mit 24:20 Zählern Rang acht. Die Stimmung ist positiv – ähnlich wie es seinerzeit bei Grgics Wechsel zur HG der Fall war. „Ich war damals mit Anfang 20 ein junger Spieler. Alleine wegen seiner Vita war im Verein gleich eine Aufbruchsstimmung zu spüren. Jedem war klar: Das ist ein echter Transfercoup“, erinnert sich Kessler.

Das war es definitiv. „Er hat das Trainingsniveau einfach auf ein anderes Level gehoben. Etliche Spieler in Saarlouis haben super viel von Dado gelernt. Er war über Jahre der Mann schlechthin im saarländischen Handball“, sagt Torwart-Urgestein Darius Jonczyk über Grgic. Beide waren von 2006 bis zu Grgics Abschied 2014 Teamkollegen. Und bis heute sind sie eng befreundet.

Dabei sah es anfangs so aus, als würde die Liaison gar nicht zustande kommen, wie Jonczyk verrät: „Ich weiß noch, dass er mit einem Kumpel im Probetraining war. Das war alles ein bisschen unwirklich, einen Spieler dieses Formats im Training zu haben. Das einzige, was er dann sagte, war, dass ihm Grün-Weiß eher nicht so steht. Da dachte jeder, das wird eh nix“, erzählt Jonczyk. Doch es wurde was – nicht nur in Sachen Handball. „Dado ist weiterhin einer meiner besten Freunde. Wir schreiben hin und wieder oder trinken mal ein Bier zusammen“, sagt Jonczyk.

Früher stießen der 34-Jährige und sein sieben Jahre älterer „Spezi“ auf gemeinsame Erfolge an: etwa 2009 beim Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd. Oder als 2011 die Qualifikation für die eingleisige 2. Liga gelang, wo die HG bis zuletzt noch unterwegs war. Aber auch aus anderem Anlass: „Wir waren auf den Auswärtsfahrten immer auf einem Zimmer. Das Weizenbier-Ritual nach dem Spiel gehörte da einfach dazu“, verrät Jon­czyk lachend. Bevor beide nach dem Derby ihr Kaltgetränk zu sich nehmen, erwartet der Torhüter einen heißen Tanz vor großer Kulisse. „Es werden sicher 1500 Zuschauer da sein – da ist ein gewisses Kribbeln nicht zu leugnen“, betont Jonczyk.

„Das Spiel stößt natürlich auf besonders großes Interesse“, sagt auch der HG-Vorsitzende Richard Jungmann und ergänzt: „Der Abstieg aus der 2. Liga war bitter für uns, so aber haben wir wenigstens noch mal dieses Derby.“ Und wie so oft dürfte dann vor allem die Mentalität wichtig werden – wovon Jon­czyk beim Gegner viel erwartet: „Alleine Dado wird dafür sorgen, dass der Gegner alles raushaut: Er ist einfach ein Motivationskünstler.“

Kessler sieht beim VTZ-Pendant zudem seit eh und je „einen hohen Handball-Sachverstand“. Grgic habe „das Spiel immer super gelesen. Er hat in Saarlouis einfach den Unterschied ausgemacht, war einer jener Spieler, die absolut heiß darauf sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. Inwieweit sie sich ähneln oder nicht, vermag Kessler nicht zu sagen – mutmaßt aber: „Er hat als Spieler mit strenger Hand Regie geführt und wird auch als Trainer sehr darauf achten, dass die Spieler seine Vorgaben genau umsetzen. Er ist zudem ein sehr emotionaler Mensch – bei ihm kochen die Emotionen vielleicht sogar noch etwas höher als bei mir.“

Schon das Hinspiel in Zweibrücken war nichts für schwache Nerven: Im November hatte die HG in der Westpfalzhalle mit 27:26 die Nase vorne. Erst drei Sekunden vor Ende traf Josip Grbavac zum Saarlouiser Sieg – und stürzte Grgic und die VTZ ins Tal der Tränen. „Jetzt wird es viel emotionaler als in Zweibrücken“, sagt Grgic vor der Rückkehr ins alte Wohnzimmer.