| 20:23 Uhr

1. FC Saarbrücken
Grenze des Erträglichen ist überschritten

Bitter: Hat sich Marco Kehl-Gomez (rechts), hier mit FCS-Physiotherapeut Paolo da Palma, zu früh zu viel zugemutet? Nach seinem gerade verheilten Muskelfaserriss zog er sich in Stadtallendorf gleich den nächsten zu.
Bitter: Hat sich Marco Kehl-Gomez (rechts), hier mit FCS-Physiotherapeut Paolo da Palma, zu früh zu viel zugemutet? Nach seinem gerade verheilten Muskelfaserriss zog er sich in Stadtallendorf gleich den nächsten zu. FOTO: Andreas Schlichter
Stadtallendorf. Trotz des 3:0 in Stadtallendorf hat der FCS Sorgen: die Sanktionen im Saarlandpokal und Marco Kehl-Gomez’ Verletzung.

Der 3:0 (1:0)-Erfolg des 1. FC Saarbrücken bei Eintracht Stadtallendorf war am Dienstagabend fast nebensächlich. Dabei hatte der Spitzenreiter der Fußball-Regionalliga Südwest mit einer sehr ordentlichen Leistung einen weiteren Schritt in Richtung Titelgewinn gemacht und eventuell aufkeimende Selbstzweifel nach der 0:1-Heimpleite gegen die TuS Koblenz gleich wieder beendet.


Zu sehr beherrschte das Urteil des Saarländischen Fußball-Verbandes und der vom Verein eingelegte Einspruch die Themenlage. 5000 Euro Geldstrafe, personalisierte Tickets, Verbot von Fahnen und Fanutensilien, Androhung des Ausschlusses bei weiteren Vergehen – fast alles Strafen, die neben der Minderheit der Chaoten vor allem die Mehrheit der FCS-Fans treffen würden. „Der DFB hat sich zuletzt immer wieder gegen Kollektivstrafen ausgesprochen“, sagte FCS-Vizepräsident Dieter Ferner, „das ist auch richtig so. Aber wie sollen die Vereine der wirklichen Täter habhaft werden?“ Ferner hofft, dass die Ermittlungen der Polizei und die bei den Pyro-Exzessen während des Saarlandpokal-Viertelfinales im Homburger Waldstadion gemachten Videoaufnahmen zu Ergebnissen führen.

Das Präsidium ist sich einig: Die Grenze des Erträglichen ist überschritten. Präsident Hartmut Ostermann soll intern schon von langjährigen Stadionverboten und sogar Regressforderungen gegen überführte Zündler und Gewalttäter gesprochen haben. Dass auch der Verein bestraft werden muss, steht außerhalb jeder Diskussion. Dass er nicht alleine verantwortlich ist, allerdings auch. Der unzureichende Ordnungsdienst der Heimclubs blieb sowohl in Homburg als auch beim letzten Pokal-Eklat des FCS 2015 in Wiesbach (damals soll ein Schiedsrichter geschlagen worden sein) ungeahndet. Der FCS hatte bislang bei den meisten Auftritten im Saarlandpokal auf seinen Teil der Einnahmen verzichtet, die kleineren Clubs damit unterstützt. Zumal die FCS-Fans fast ausschließlich nur für vermehrten Umsatz und nicht für vermehrte Probleme sorgten.

Zurück zum Sportlichen: Nach dem Sieg beim sympathischen Aufsteiger durch Tore von Markus Mendler (43. Minute), Tobias Jänicke (54.) und Marlon Krause (Foulelfmeter, 90.), sorgten die Verletzten für weitere Themen. Mendler musste in der Schlussphase wegen einer Risswunde auf dem Spann raus, er wurde mit zwei Stichen genäht und ist für das Spitzenspiel am Ostersamstag zuhause gegen Waldhof Mannheim (15 Uhr, live auf Sport1) fraglich. Schlimmer erwischte es Marco Kehl-Gomez. Der erneute Muskelfaserriss am linken Oberschenkel ärgerte die sportliche Leitung. „Gleiches Bein, fast genau an der gleichen Stelle“, sagte Sportdirektor Marcus Mann kopfschüttelnd. Trainer Dirk Lottner klagte über den Übereifer des Spielers und die eigene Entscheidung. „Marco war am Wochenende schon enttäuscht, dass er nicht im Kader war. Vielleicht hätte ich konsequenter sein sollen und sagen, du wartest noch eine Woche.“ Jetzt muss Kehl-Gomez wieder mindestens vier Wochen warten.