| 21:14 Uhr

3. Handball-Liga Süd
Keine Angst vor einer Führungsrolle

Josip Grbavac, Neuzugang bei der HG Saarlouis, wird am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den HC Oppenweiler/Backnang trotz leichter Probleme auf jeden Fall auf der Bank sitzen – und vielleicht auch spielen.
Josip Grbavac, Neuzugang bei der HG Saarlouis, wird am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den HC Oppenweiler/Backnang trotz leichter Probleme auf jeden Fall auf der Bank sitzen – und vielleicht auch spielen. FOTO: Andreas Schlichter
Saarlouis. Rückraumspieler Josip Grbavac hat sich bei der HG Saarlouis schon gut eingefunden – und sieht noch Luft nach oben. Von David Benedyczuk

Ein paar deutsche Wörter kenne er schon, sagt Josip Grbavac: „Rechts, links. Vor und zurück.“ Begriffe, die er auf dem Handballfeld braucht, um sich mit den neuen Mitspielern bei Drittligist HG Saarlouis zu verständigen. Seit gut drei Wochen ist der 23-Jährige aus Bosnien-Herzegowina im Saarland. „Ich habe in Bosnien vier Jahre Sport studiert, um später Trainer oder Sportlehrer zu werden. Das Studium ist fast abgeschlossen. Jetzt hat der Handball erst mal Priorität“, sagt Grbavac, der beim Zweitliga-Absteiger für zwei Jahre unterschrieben hat. Der 1,89 Meter große Rechtshänder ist die von HG-Trainer Philipp Kessler geforderte Rückraum-Verstärkung, die nach dem Mittelhandbruch des Slowaken Ivo Kucharik umso dringender her musste.


Grbavac verkörpere das, „was uns gefehlt hat: Jemand, der im Angriff die Fäden ziehen kann“, lobt Kessler: „Josip bringt alles mit, was einen kompletten Mittelmann auszeichnet.“ Dynamik, das Auge für den Nebenmann – und nicht zuletzt einen knallharten Abschluss. Seine Wurfgewalt bewies der bosnische Kroate aus der südlichen Region Herzegowina bereits beim Debüt für Saarlouis. Im ersten Heimspiel gegen den TuS Fürstenfeldbruck traf er fünf Mal. Danach war er in Balingen mit sechs Toren bester HG-Schütze – die Niederlagen konnte auch er nicht verhindern. Umso wichtiger sei der jüngste 33:25-Heimsieg über den TVS Baden-Baden gewesen: „Das haben wir gebraucht. Für den eigenen Kopf, um neue Euphorie zu entfachen und die Fans hinter uns zu bringen“, sagt Grbavac.

Er ist angetan von der Atmosphäre bei den Heimspielen. Wobei er die zuletzt gar nicht lange auf der Platte auskosten konnte. Grbavac ist angeschlagen und kam gegen Baden-Baden erst in der Endphase. Sein einziges Tor war aber ein wichtiges: Nachdem Grbavac krachend zum 29:24 in den Winkel getroffen hatte, erlahmte der Gäste-Widerstand vollends. Ob er im Heimauftritt am Samstag um 19.30 Uhr in der Stadtgartenhalle gegen den punktlosen HC Oppenweiler/Backnang spielt, bleibt abzuwarten. „Ich sitze wohl auf der Bank – und wenn der Trainer mich braucht, spiele ich vielleicht“, sagt er.



Er fühle sich wohl im neuen Team. Junge Spieler, junger Trainer – das erleichtere ihm mit seinen 23 Jahren die Integration. Ebenso die Tatsache, dass er nicht der einzige Neuling ist. Somit müssten auch andere die Taktik-Vorgaben des Trainers erst verinnerlichen. Die erste Woche sei hart gewesen, „weil alles neu war und ich die Sprache nicht verstehe. Aber das wird mit der Zeit. Die Teamkollegen helfen mir.“

Und Grbavac will dem Team helfen. Die Suche nach einer neuen Herausforderung habe ihn hergeführt, nachdem er in der Heimat schon große Erfolge feiern konnte: Mit HRK Izvidac Ljubuški wurde er bosnischer Meister, spielte zudem in der SEHA-Liga, einer Art Champions League für osteuropäische Clubs – gegen Teams wie den mazedonischen Königsklassen-Sieger 2017, Vardar Skopje, oder KC Veszprém aus Ungarn. „Es war eine tolle Erfahrung, gegen diese Topteams zu spielen“, sagt Grbavac. Die bosnischen Spitzenclubs könnten aus seiner Sicht zwar in der 2. Bundesliga mithalten, aber an sich sei selbst das Niveau in der 3. Liga Süd höher als in Bosniens „Premijer Liga“.

Vor einer Führungsrolle schreckt Grbavac nicht zurück, weiß aber, dass das Zeit braucht: „Wenn ich dieses Vertrauen bekomme, nehme ich die Rolle auch an. Aber es ist sehr früh. Ich muss mich erst eingewöhnen – und an sich ist Handball ja ein Teamsport.“ Die Bundesliga sei durchaus sein Perspektivziel, wobei er hofft, sich mit der HG annähern zu können: „Saarlouis hatte eine lange, gute Zeit in der 2. Bundesliga. Und ich denke, dass wir auch dorthin gehören“, sagt Grbavac. Ob die HG diese Saison bereits oben mitspielen werde, könne er nicht abschätzen: „Aber wenn nicht dieses, dann vielleicht nächstes Jahr“, sagt Grbavac.