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Leichtathletin vor EM-Start
Grauvogel freut sich vor allem auf ihr Deutschland-Trikot

In technischen Disziplinen wie dem Kugelstoßen sieht Louisa Grauvogel bis zur EM im August in Berlin noch Nachholbedarf.
In technischen Disziplinen wie dem Kugelstoßen sieht Louisa Grauvogel bis zur EM im August in Berlin noch Nachholbedarf. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Ottweiler. Die Siebenkämpferin aus Ottweiler fiebert der Heim-EM im August in Berlin entgegen. Bis dahin hat die 21-Jährige noch ein wenig Arbeit im Training. Von Stefan Regel
Stefan Regel

Die Reisestrapazen haben für Leichtathletin Louisa Grauvogel vorerst ein Ende. Nach ihrer erfolgreichen Qualifikation für die Europameisterschaft vom 7. bis zum 12. August im Berliner Olympiastadion bleibt die Siebenkämpferin jetzt erst mal bei ihren Eltern in Ottweiler. „Ich mache jetzt mal ruhiger, will mit Familie und Freunden entspannen. Gerade die Freunde sind in letzter Zeit ziemlich kurz gekommen“, sagt Grauvogel. Und natürlich wird sie kommenden Montag ihren 22. Geburtstag feiern.


Zu feiern hatte Grauvogel 2018 schon einiges. Nach 6074 Punkten bei den US-College-Meisterschaften in Eugene schraubte sie nur eine Woche später in Ratingen ihre persönliche Bestleistung erneut in die Höhe. Als Wettkampfvierte war sie hinter Carolin Schäfer (6549) und Mareike Arndt (6169) mit 6162 Punkten drittbeste Deutsche. Für die Athletin der LG Saar 70 war es der bisherige Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere. Zwei Siebenkämpfe auf internationalem Niveau innerhalb einer Woche – Respekt.

„Zu Jahresbeginn hatte mich Bundestrainer Wolfgang Kühne wohl gar nicht auf dem Zettel“, erinnert sich Grauvogel zurück. Weil der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nicht möchte, dass Topathleten in die USA gehen, war sie aus dem Bundeskader geflogen. Nach ihren guten Leistungen nahm Kühne den Kontakt wieder auf, schrieb der Saarländerin. Und jetzt wird die 21-Jährige mit Arndt und Schäfer bei der Heim-EM im Berliner Olympiastadion im Siebenkampf starten. Damit ist sie die erste Saarländerin, die sicher dabei ist – noch vor Sprinterin Laura Müller vom LC Rehlingen.



Bis dahin wird Grauvogel im Saarland trainieren. Mit Disziplin-Bundestrainer Uli Knapp im Weitsprung, auch mit Lothar Altmeyer und Heimtrainerin Tanja Horbach. Alle drei waren schon in Ratingen dabei. „Das fand ich toll, es war eine große Hilfe für mich“, sagt Grauvogel. Sie sieht vor allem in den technischen Disziplinen Weitsprung und Hochsprung Steigerungspotenzial: „Da hatte ich noch Probleme.“ Um den Weg zur Weltspitze zu schaffen, sind mindestens 6,20 Meter im Weitsprung, 1,80 Meter im Hochsprung oder 14 Meter im Kugelstoßen nötig. In Ratingen warf Grauvogel die Kugel auf 13,22 Meter: neue Bestweite. Zudem sprang sie 1,69 Meter hoch und 5,85 Meter weit.

Grauvogel regeneriert nach den zwei harten Wettkämpfen erst einmal, die Trainingspläne aus den USA will sie weiter anwenden. Bei welchen Wettkämpfen sie bis zur EM teilnehmen wird, ist noch unklar. Eventuell will der DLV beim Meeting in Neuwied am 25. Juli eine Leistungsüberprüfung machen und alle drei Siebenkämpferinnen sehen. „Ich überlege auch, ob ich im Juli in Nürnberg bei den deutschen Meisterschaften über die 100 Meter Hürden laufe. Das würde ich schon gerne machen“, sagt die Saarländerin. Die Einzelnorm für die EM hat sie in den USA schon unterboten.

Ihre Höhepunkte in Ratingen waren neben den beinahe immer starken 100 Meter Hürden vor allem die 200 und die 800 Meter. „Das hat schon Spaß gemacht. Eine schnelle Bahn, schönes Wetter, viele Zuschauer, die zum Teil ganz nah dran waren“, sagt Grauvogel. Die Läufe hat sie sich schon auf Youtube angeschaut. Und bei so viel Freude ist es auch nicht schlimm, dass der nächste Urlaub erst nach der EM anstehen wird. „Ich freue mich schon richtig darauf – und auf die Klamotten für die EM“, sagt die Leichtathletin. Trainingsanzug und Wettkampfsachen sollten bald in Ottweiler eintreffen. Das letzte Mal im Deutschland-Trikot steckte sie 2015 bei der Junioren-EM. Damals gewann sie sogar die Bronzemedaille. Jetzt steht die erste „große“ EM an.