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Leichtathletik
Grauvogel fliegt zur EM nach Berlin

Der Höhenflug von Louisa Grauvogel geht weiter – und führt die 21-Jährige jetzt sicher zur Leichtathletik-EM nach Berlin.
Der Höhenflug von Louisa Grauvogel geht weiter – und führt die 21-Jährige jetzt sicher zur Leichtathletik-EM nach Berlin. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Ratingen. Die 21-Jährige aus Ottweiler stellt beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen erneut eine Bestleistung auf. Luca Wieland erlebt ein Drama. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Irgendwo in Ottweiler, im Elternhaus von Louisa Grauvogel, muss ein Kraftwerk stehen. Und in diesem Kraftwerk muss die 21-Jährige in den vergangenen Tagen geschlafen haben. Anders ist die Leistung der Siebenkämpferin der LG Saar 70 beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen nicht zu erklären. Bei der letzten Chance, sich für die Heim-Europameisterschaft in Berlin zu qualifizierten, pulverisierte Grauvogel ihre erst eine Woche alte Bestleistung, schraubte den Saarlandrekord auf 6162 Punkte und sicherte sich als drittbeste Deutsche die Fahrkarte nach Berlin. „Ich wusste, dass ich noch Potenzial habe, aber mit so einer Punktzahl hätte ich nicht gerechnet“, sagte Grauvogel der Internetseite leichtathletik.de: „Das absolute Highlight ist natürlich, dass ich mit nach Berlin darf, damit hätte zu Beginn des Jahres niemand gerechnet.“


Dass „Lou“ überhaupt in Ratingen an den Start ging, war schon eine körperliche Herausforderung. Am vergangenen Wochenende hatte Grauvogel, die in den USA Biochemie studiert, bei den US-College-Meisterschaften in Eugene/Oregon 6074 Punkte erreicht. 74 Punkte über der Norm für Berlin – aber eben nicht bei einem Wettkampf erzielt, den der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) für eine Normerfüllung anerkennt. „Wenn ich in der letzten Woche einen etwas besseren Mehrkampf gemacht hätte, hätte ich mir den Start hier vielleicht noch mal überlegt“, sagte Grauvogel: „Viele haben gesagt: Die übernimmt sich, die macht zu viel. Aber ich habe komplett auf meinen Körper gehört. Und ich hätte es richtig bereut, wenn ich es nicht versucht hätte.“ Neben Grauvogel werden in Berlin Vize-Weltmeisterin Carolin Schäfer (Frankfurt), die in Ratingen 6549 Punkte erzielte, und Mareike Arndt (Leverkusen, 6169 Punkte) starten.

Zehnkämpfer Luca Wieland, der zweite Saarländer mit EM-Hoffnungen in Ratingen, erlebte dagegen ein Drama. Der Holzer, der seit dieser Saison in Halle an der Saale lebt und gemeinsam mit Vize-Weltmeister Rico Freimuth trainiert, startete exzellent in den Wettkampf. 10,84 Sekunden über 100 Meter, 7,61 Meter im Weitsprung, 14,84 Meter im Kugelstoßen – der 24-Jährige führte nach drei Disziplinen. Es folgte der Hochsprung, eine der Sahne-Disziplinen von Wieland. Schon lange war kein Zehnkämpfer mehr im Wettbewerb, als Wieland 2,13 Meter übersprang und sich auf Kurs 8350 bis 8400 Punkte befand.



Aber Wieland wollte noch mehr – der Meetingrekord von 2,16 Metern juckte ihn. Doch nach dem zweiten Versuch blieb er mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Matte liegen. Eine Muskelverletzung an der linken Oberschenkelrückseite setzte den 23-Jährigen außer Gefecht. Mit einem dicken Eisbeutel um den Oberschenkel musste Wieland von zwei Physiotherapeuten von der Matte geführt. Damit war nicht nur der Hochsprung, sondern der gesamte Zehnkampf beendet und der Traum von der EM in Berlin ausgeträumt.

Mit seinem dritten Sieg in Ratingen nach 2007 und 2016 schaffte der Ulmer Arthur Abele mit 8481 Punkten nach langer Verletzungspause die Qualifikation für die EM. Der 31-Jährige hatte 2017 die WM-Teilnahme in London wegen Verletzungen absagen müssen und beendete seit seinem 15. Platz bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio erstmals wieder ein Zehnkampf. „Ich habe nie aufgegeben und bin einfach nur glücklich“, freute sich Abele, der auch diese Saison beinahe hätte abschreiben müssen: „Ich hatte von Dezember bis Januar Gesichtslähmungen. Es war ein beschissener Winter.“ Neben Abele fahren der WM-Dritte Kai Kazmirek, der in Ratingen nach drei Disziplinen aussstieg, aber in Götzis 8329 Punkte vorgelegt hatte, und Matthias Brugger (8304 Punkte) nach Berlin.

Beim Kugelstoßen war die Welt von Luca Wieland noch in Ordnung. Nach vier Disziplinen war für den verletzten Holzer in Ratingen Schluss.
Beim Kugelstoßen war die Welt von Luca Wieland noch in Ordnung. Nach vier Disziplinen war für den verletzten Holzer in Ratingen Schluss. FOTO: dpa / Bernd Thissen