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Fußball-Bundesliga
Goretzka steht vor dem Topspiel im Fokus

Schalkes Trainer Domenico Tedesco bespricht sich mit Leon Goretzka. „Große Aufgaben pushen ihn“, sagt Tedesco über den Mittelfeldspieler, der den Verein im Sommer in Richtung Bayern verlassen wird.
Schalkes Trainer Domenico Tedesco bespricht sich mit Leon Goretzka. „Große Aufgaben pushen ihn“, sagt Tedesco über den Mittelfeldspieler, der den Verein im Sommer in Richtung Bayern verlassen wird. FOTO: Ina Fassbender / dpa
Gelsenkirchen. Der Nationalspieler gastiert am Samstagabend mit dem FC Schalke 04 bei seinem künftigen Verein Bayern München.

Von den eigenen Fans wurde Leon Goretzka nach Bekanntgabe seines Wechsels im Sommer zu Bayern München teilweise ausgepfiffen und beschimpft, vom Clubchef Clemens Tönnies infrage gestellt. Wenn Bayern-Stadionsprecher Stephan Lehmann am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen dem souveränen Tabellenführer München und Champions-League-Anwärter Schalke 04 die Aufstellung der Gäste verlesen wird, darf sich Goretzka bei der Nennung seines Namens in seiner künftigen Heimat aber wohl auf einen freundlichen Empfang einstellen.



„Die ganze Situation wird natürlich jetzt noch mal ein bisschen aufkochen. Aber beim letzten Mal hat die Mannschaft es ganz gut geschafft, das von sich wegzuhalten. Und ich habe das auch hinbekommen. Ich glaube, dass es nach dem Spiel relativ schnell wieder abebbt“, sagte der 23-Jährige.

Der Mittelfeldspieler wechselt im Sommer ablösefrei an die Isar, wo er einen Vierjahresvertrag unterschrieben hat. Der Einzige, der sich bei den Bayern über diesen Transfer nicht unbedingt freuen dürfte, ist Arturo Vidal, über dessen Abschied im Sommer bereits spekuliert wird.

Bevor es so weit ist, möchte Goretzka aber mit den Königsblauen noch ins Finale des DFB-Pokals einziehen und am liebsten den Titel gewinnen. „Das wäre für mich ein überragender Abschied, wenn wir das schaffen würden, nach Berlin zu reisen. Das ist auch ein Stück weit unser Ziel – mein Ziel, die Mannschaft noch mal dahin zu führen“, sagte Goretzka nach dem 1:0 der Königsblauen im Viertelfinale gegen den VfL Wolfsburg.

Der Confed-Cup-Sieger könnte bereits im Halbfinale wieder auf seinen künftigen Arbeitgeber treffen. Das spielt für ihn aber offenbar keine Rolle. „Jetzt sind es noch einmal 90 oder 120 Minuten. Wir wollen diesem Verein, den Fans, der Mannschaft ermöglichen, diese Reise nach Berlin anzutreten“, sagte Goretzka: „Dafür werden wir alles geben, egal gegen welchen Gegner.“



Zunächst geht es aber darum, im Kampf um die Champions-­League-Plätze weiter zu punkten. „München ist die beste Mannschaft in Deutschland. Aber wir wollen etwas mitnehmen“, sagte Goretzka, der weiterhin das Vertrauen von Trainer Domenico Tedesco spürt. „Leon kommt immer besser in Fahrt“, sagte Tedesco. „Er freut sich auf das Spiel, aber nicht, weil er im Sommer bei Bayern München spielt. Er brennt, er weiß, dass er im Fokus steht. Große Aufgaben pushen ihn.“

Goretzka freut es, dass sich im Vorfeld dieser Partie auch die Wogen bei den Verantwortlichen geglättet haben. Schalke-Manager Christian Heidel, der wie ein Löwe um eine Vertragsverlängerung des Schalke-Juwels gekämpft hatte, sagte der Sport Bild: „Ich kann die Bayern verstehen, dass sie einen guten Spieler wie Leon Goretzka verpflichten.“ „Etwas übertrieben“ findet Heidel aber die Aussage von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der sich damit rühmte, dass Bayern den Spieler in der Bundesliga gehalten habe: „Bayern hat ihn verpflichtet, weil Leon Bayern helfen kann. Punkt. Das ist absolut nachvollziehbar.“ Das Verhältnis zum FC Bayern sei „trotzdem völlig unbelastet“.

Heidel hält den Wechsel von Goretzka zum Rekordmeister aber nach wie vor für den falschen Schritt. „Wir haben ihm einen anderen Weg aufgezeigt, und ich bin weiter davon überzeugt, dass es der bessere Weg für ihn gewesen wäre“, sagte Heidel dem Westfälischen Anzeiger. Goretzkas Schritt zu den Bayern hat aber nicht nur sportliche Gründe, glaubt Heidel – auch finanziell mache der Nationalspieler laut Heidel einen gewaltigen Sprung: „Gegen die Bayern kann keiner wirtschaftlich bestehen.“