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Gold-Sensation im Freiwasser: Hart, härter, Lurz

Barcelona. Trotz offener Wunden gewann Thomas Lurz gleich sein erstes 25-Kilometer-Rennen überhaupt. Und das bei einer WM. Im Hafen von Barcelona fühlte sich auch Angela Maurer kurz als Siegerin – ehe sie doch nur Silber bekam. dpa

Mit offenen Wunden fünf Stunden im schmutzigen Meerwasser schwimmen? Für Rekordweltmeister Thomas Lurz gilt: Geht nicht, gibt's nicht. Nach einer Energieleistung "an der absoluten Grenze" triumphierte der Würzburger in seinem ersten Rennen überhaupt über 25 Kilometer und fügte bei der Schwimm-WM in Barcelona seinem bereits kompletten Medaillensatz den 12. und wohl überraschendsten WM-Sieg seiner überragenden Karriere hinzu. "Unfassbar. Superlative gibt's bei Thomas nicht mehr. Ein irrer Kerl", schwärmte Chefbundestrainer Henning Lambertz. Die Lobeshymnen freuten Thomas Lurz, er selbst verfiel gewohnt bescheiden nicht in Triumphgeheul. Lieber sprach er über seine gelungene Renntaktik, die Favoriten das Tempo machen zu lassen, als über die Schmerzen seiner offenen Wunden. "Während des Rennens ging es eigentlich. Ich habe zwischendurch mal eine Qualle an der Brust abbekommen. Die Ärzte haben sehr gut abgetaped", sagte er. Das rohe Fleisch an Hals und Achseln war durch die dauernde Reibung des Kunststoffanzugs entstanden. Größere Sorgen als Wunden und Konkurrenz machte Lurz etwas anderes: "Ich habe gehofft, dass ich die Nahrung drin behalte und mich wegen des Salzwassers nicht übergeben muss." Schon vor dem traditionellem Gang zum Fast-Food-Imbiss war sich Lurz sicher, "nie mehr" die 25 Kilometer zu schwimmen. "Einmal gewonnen, perfekter geht es nicht. Das reicht."

Lurz wirkte nach seiner herausragenden Leistung fast noch frisch. Angela Maurer weinte nach dem um Handbreite verpassten Sieg über 25 Kilometer beim "Happy Birthday"-Ständchen des deutschen Teams dann doch Tränen der Rührung. An ihrem 38. Geburtstag fühlte sich die Mainzerin sogar wenige Sekunden als Siegerin, ehe die Anzeigetafel sie von Platz eins auf zwei abstufte - mit 0,1 Sekunden Rückstand auf Gewinnerin Martina Grimaldi. Im Foto-Finish wurde klar: Den besseren Anschlag hatte die Italienerin. "Ich habe echt gedacht, es reicht. Es ist schon ärgerlich", sagte die Polizistin, die aber dennoch zufrieden mit Silber war.