| 20:57 Uhr

US Open in New York
Görges hat keinen Grund, Trübsal zu blasen

Julia Görges versuchte alles, trotzdem schied sie in der zweiten Runde der US Open aus.
Julia Görges versuchte alles, trotzdem schied sie in der zweiten Runde der US Open aus. FOTO: dpa / Seth Wenig
New York. Die Hoffnungsträgerin scheitert bei den US Open überraschend früh. Witthöft und Maria erhalten Lehrstunden, nur Kerber ist weiter. sid

Trotz der unangenehmen Landung auf dem harten Boden ihrer langjährigen Grand-Slam-Realität hatte Julia Görges ihr Lächeln nicht verloren. Warum auch? „Das ist kein Weltuntergang, ich habe keinen Grund, Trübsal zu blasen“, sagte sie nach dem 6:7 (10:12), 3:6 gegen die Russin Jekaterina Makarowa. Natürlich sei sie enttäuscht von ihrer Leistung, „aber davon“, sagte Görges, „lasse ich mich nicht unterkriegen“.


Die 29-Jährige, das ist leicht zu erkennen, hat ihren eigenen, gesunden Weg gefunden, mit Rückschlägen umzugehen. Das Aus in der zweiten Runde der US Open, so bitter es angesichts der vergebenen Chancen im ersten Satz war, wirft Görges nicht um. Ebenso wenig hatte sie das Halbfinale in Wimbledon, ihr mit Abstand größter Grand-Slam-Erfolg, sie abheben lassen. „Wahrscheinlich werde ich aus der Niederlage mehr lernen als aus einem Sieg“, sagte Görges.

Das gilt auch für Carina Witthöft. Immerhin erlebte die 23 Jahre alte Hamburgerin, deren Karriere ins Stocken geraten ist, einen unvergesslichen Abend im gigantischen Arthur-Ashe-Stadium. Beim 2:6, 2:6 gegen die große Serena Williams war Witthöft zwar chancenlos, die „Mega-Erfahrung“ kann ihr aber keiner mehr nehmen. „Positiv war, dass ich mithalten konnte, wenn wir im Ballwechsel waren. Ich muss mich nicht verstecken. Darauf kann ich aufbauen“, sagte Witthöft, die schwer beeindruckt war von ihrer Gegnerin. Williams kommt nach ihrer wechselhaften Rückkehr nach der Babypause immer besser in Fahrt – das war deutlich zu sehen. In der dritten Runde trifft die Amerikanerin auf Schwester Venus. Es wird bereits das 30. Duell der beiden sein. „Wir hätten lieber später gegeneinander gespielt, es ist noch so früh im Turnier“, sagte Serena Williams.



Da auch Tatjana Maria (31) gegen die Weltranglistensiebte Jelena Switolina aus der Ukraine verlor, war Wimbledonsiegerin Angelique Kerber am vierten Turniertag die letzte deutsche Hoffnung bei den Frauen. Die Weltranglistenvierte aus Kiel machte sich dabei das Leben schwer. Sie lag gegen die Schwedin Johanna Larsson bereits mit 6:2, 5:2 in Führung, vergab jedoch zwei Matchbälle und zitterte sich schließlich nach 2:23 Stunden zum 6:2, 5:7, 6:4.

Erstmals seit Steffi Graf und Anke Huber vor 20 Jahren hatten wieder zwei deutsche Spielerinnen zu den Top 10 der Setzliste bei einem Grand-Slam gehört. Zumindest Görges konnte die hohen Erwartungen jedoch nicht erfüllen.

Gegen Makarowa, die sie in der vergangenen Woche in New Haven deutlich geschlagen hatte, lief im ersten Durchgang noch vieles nach Plan. Drei Satzbälle hatte Görges, bei einem fehlten nur Millimeter. „Der erste Satz war spielentscheidend“, sagte sie. Tapfer stemmte sich Görges im Tiebreak gegen die Trendwende, wehrte acht Satzbälle ab, doch diesmal war Makarowa stärker.

Kein Drama, wie Görges versicherte. „Sie war einmal die Nummer acht der Welt und stand hier im Halbfinale“, sagte Görges. Schon vor dem Match hatte sie die These aufgestellt, dass im Frauentennis derzeit alles möglich ist: „Jede kann gegen jede gewinnen.“ Ihre Chancen auf die Teilnahme am WTA-Saisonfinale in Singapur sind durch die Niederlage rapide gesunken, auch muss sie wohl den elitären Kreis der Top 10 wieder verlassen. Ihr Höhenflug ist gestoppt, aber Görges weiß: „Es geht darum, dieses Leben zu genießen, denn es gibt nur das eine.“