Glücksgriff statt B-Lösung

Glücksgriff statt B-Lösung

Der VfB Stuttgart will seinen Aufwärtstrend gegen den Hamburger SV fortsetzen. Zuletzt zwei Siege und davor zwei Unentschieden bezeugen, dass die Schwaben unter Trainer Jürgen Kramny wieder Tritt fassen.

Die Verlegenheitslösung erweist sich immer mehr als Glücksgriff für den VfB Stuttgart . Seit Jürgen Kramny den kläglich gescheiterten Alexander Zorniger als Trainer abgelöst hat, geht es mit dem schwäbischen Fußball-Bundesligisten voran. Gegen den Hamburger SV will der immer noch stark abstiegsgefährdete Tabellen-15. seinen Aufwärtstrend fortsetzen. "Wir gehen es positiv an, aber mit dem nötigen Respekt vor dem HSV", kündigt Kramny vor dem Abendspiel am Samstag (18.30 Uhr) an.

Kramnys Bilanz seit seinem Amtsantritt am 24. November kann sich sehen lassen. Nach der 1:4-Pleite zum Auftakt in Dortmund verlor der VfB keine Partie mehr. Acht Punkte sammelten die Stuttgarter in den vier zurückliegenden Spielen und verschafften sich so wenigstens etwas Abstand zu den beiden direkten Abstiegsplätzen. "Wichtig ist, dass wir selbst punkten. Dann geht es nach oben", sagt das Mitglied der Meistermannschaft von 2007 zu seiner Mission.

Sportvorstand Robin Dutt schätzt die Arbeit des ehemaligen U23-Trainers. Kramny, der von 1995 bis 1997 für den 1. FC Saarbrücken in der Regionalliga Südwest spielte (66 Einsätze), habe an den richtigen Stellschrauben gedreht. Mit der Ausbeute unter dem Zorniger-Nachfolger ist der Manager zufrieden, auch wenn der VfB noch längst nicht in Sicherheit ist. Dabei war Kramny keineswegs der Wunschkandidat der VfB-Verantwortlichen. Erst als sich Pläne mit dem ehemaligen Mönchengladbacher Trainer Lucien Favre und anderen Kandidaten zerschlugen, wählten sie die hausinterne Lösung.

Eine Entscheidung, die auch Bruno Labbadia gut findet. "Allein schon wegen seiner Kenntnisse und seines Zugehörigkeitsgefühls zum VfB ist er eine gute Wahl", befand der HSV-Coach, der Kramny aus seiner Stuttgarter Tätigkeit (Dezember 2010 bis August 2013) bestens kennt. "Und bisher hat er einen guten Job gemacht."

Einen guten Job will Kramny auch am Samstag machen und fordert von seinen Schützlingen eine couragierte Leistung wie bei den beiden jüngsten Siegen gegen Wolfsburg und in Köln. Ein paar grundlegende Veränderungen haben genügt, um aus der unter Zorniger völlig verunsicherten und vor lauter aufgezwungenem Vorwärtsdrang die Defensive sträflich vernachlässigenden Mannschaft wieder ein selbstbewusstes Team zu formen. Kramny lässt den VfB das spielen, was der durchschnittlich besetzte Kader kann und qualitativ hergibt.

Die Stuttgarter stehen nun deutlich weiter hinten und agieren stabiler. Die Stürmer Filip Kostic und Timo Werner haben dadurch mehr Platz und können ihre enorme Schnelligkeit besser ausspielen. Zudem ist die zuvor äußerst anfällige Viererkette durch die Hereinnahme des von Zorniger kalt- und bloßgestellten Georg Niedermeier wieder gefestigt.