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Fußball-WM in Russland
Glückliche Gauchos stolpern ins Achtelfinale

St. Petersburg. Argentinien verhindert mit dem 2:1 gegen Nigeria das Vorrunden-Aus bei der WM. Messi trifft, und auch der Schiedsrichter hilft mit.

Lionel Messi mit einem Geniestreich und Marcos Rojo haben Argentinien vor einem Debakel bei der WM in Russland bewahrt: Im „Endspiel“ gegen die nigerianische Mannschaft von Gernot Rohr erzielte der Kapitän des Vize-Weltmeisters beim 2:1 (1:0) den Führungstreffer (14.), in der 86. Minute schoss Rojo die bereits am Abgrund stehenden Gauchos nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Superadler ins Glück. Argentinien sprang in der Gruppe D vom letzten auf den zweiten Platz und trifft nun im Achtelfinale am Samstag in Kasan auf Frankreich.


Zwischendurch hatten Messi und Co. vor den Augen von Diego Maradona 35 Minuten lang vor dem Aus gestanden. Nach einem Foul von Javier Mascherano am bisherigen Mainzer Leon Balogun verwandelte Victor Moses den Elfmeter zum Ausgleich (51.). Der unkontrollierte Sturmlauf der Argentinier, der einem spielerischen Offenbarungseid gleichkam, führte dann doch noch zum Erfolg – auch, weil der türkische Schiedsrichter Cunyet Cakir den Nigerianern auch nach Videobeweis keinen Handelfmeter zubilligte (75.). Dass die Argentinier das Achtelfinale erreichten, war mit einer gehörigen Portion Glück verbunden: Im Parallelspiel war Island lange nahe dran an einem Sieg gegen eine kroatische B-Elf, in diesem Fall hätten die Gauchos bereits die Heimreise antreten müssen.

Der angeblich von Messi und Mascherano entmachtete Trainer Jorge Sampaoli hatte sich vor dem Spiel forsch gegeben und behauptet, es werde ein „Wendepunkt“ sein, „wir werden ein neues Kapitel schreiben“, und: „Es sind noch fünf Spiele bis zum Titel.“ Ob er noch das Kommando hatte oder die Spieler? Jedenfalls war die Mannschaft auf gleich fünf Positionen verändert, draußen war etwa Sergio Agüero, dereinst Schwiegersohn von Diego Maradona, drinnen unter anderem Gonzalo Higuain und Angel Di Maria. Außerdem neu: Torhüter Franco Armani, ein WM-Debütant mit der Erfahrung von 31 Länderspielen. Er ersetzte Wilfredo Caballero, Sündenbock beim 0:3 gegen Kroatien. Mascherano, mutmaßlicher Rädelsführer der Revolte gegen Sampaoli, sorgte mit seinen Defensivfacharbeitern humorlos dafür, dass jeder nigerianische Angriffsversuch mit Schmerzen endete.



Und Messi? Reagierte wesentlich schneller und entschlossener, wenn der Ball in seine Nähe kam. Wie beim Tor, dem 100. dieser WM: Nach einem Pass von Ever Banega, einer der fünf neuen in der Mannschaft, schaltete er in den Vollgasmodus, nahm den Ball elegant mit, und erzielte mit dem eher schwachen rechten Fuß seinen sechsten WM-Treffer, den ersten nach 652 Minuten Erfolglosigkeit.

Argentinien spielte in dieser Phase nicht sonderlich gut, produzierte vor allem im Mittelfeld jede Menge Fehlpässe. Ein Freistoß von Messi hätte dennoch fast zu einem zweiten Treffer geführt – das Ball flog an den Pfosten (34.). Danach ging bei den Argentiniern nicht mehr viel, zum Leidwesen des sehr ungesund aussehenden Maradona auf der Tribüne. Am Ende aber durfte aber auch die Fußball-Ikone ihre Freude hinausschreien.