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Glockner: „Das war ein Schock“

Glockner: „Das war ein Schock“

Während sich das Team des 1. FC Saarbrücken in der Türkei auf die Restrunde vorbereitet, trainieren die Aussortierten im FC-Sportfeld. Für Andreas Glockner, Serkan Göcer und Tim Kruse gibt es beim Drittligisten keine Zukunft.

Andreas Glockner trägt die Bälle, Serkan Göcer zwei Stangen, Tim Kruse hat Hütchen in der Hand und Co-Trainer Andreas Fellhauer eine Leine auf dem Arm. Während sich die Mannschaft des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken mit Trainer Milan Sasic in der Türkei auf die Restrunde vorbereitet, arbeiten die Ausgemusterten auf dem Kunstrasenplatz am FC-Sportfeld. "Der Trainer hat mich am Samstag informiert, dass die drei in den weiteren Planungen keine Rolle mehr spielen und dass ich mit ihnen arbeiten soll", erklärt Co-Trainer Andreas Fellhauer.

Da Christian Eggert individuelle Reha-Maßnahmen durchläuft, Kim Falkenberg weiter an einer Sprunggelenksverletzung laboriert, Philipp Kreuels bis zum 15. Januar krank geschrieben ist und Markus Hayer frühestens nach dem 17. Januar in Saarbrücken erwartet wird, erweist sich das Training mit nur drei Teilnehmern als schwierig. "Es muss aber Zug rein. Alle wollen ja weiterhin hochklassig Fußball spielen", sagt Fellhauer, "die Situation ist für alle nicht einfach."

Besonders für die Spieler selbst. "Ich habe zwei Tage gebraucht, um die Entscheidung zu verdauen", gesteht Andreas Glockner, der erst zu Saisonbeginn vom VfL Osnabrück ins Saarland gewechselt war: "Ich hatte damals attraktive Angebote auch aus der 2. Liga, bin mit ganz anderen Plänen hierher gekommen. Unter Trainer Jürgen Luginger sollte ich kreativer Kopf für vorne sein. Dass ich mich dann gleich drei Mal verletze, daran bin ich ja nicht schuld." Mittelfußbruch, Muskelfaserriss und Muskelbündelriss ließen nur zwei Kurzeinsätze zu - insgesamt 29 Drittliga-Spielminuten.

Glockner aber hat sich zurückgekämpft. Nach Spezialbehandlungen und Personal-Training meldete sich der 25-Jährige zum Auftakt vergangene Woche fit und endlich schmerzfrei. "Von Anfang an hat Trainer Sasic gesagt, wie wichtig ich für die Mannschaft sei. Auch die Kollegen haben ständig angerufen und sich nach meinen Fortschritten erkundigt", erzählt der Mittelfeldspieler, "jetzt bekomme ich gesagt, dass ich mir etwas Neues suchen soll. Das war ein Schock."

Glockners Vertrag mit dem FCS läuft noch bis 2015. "Klar ist, dass ich weiter auf hohem Niveau spielen will. Aber es ist schwer jetzt einen Verein zu finden, nachdem ich fünf Monate verletzt war", sagt Glockner und gibt sich kämpferisch: "Wenn sich nichts ergibt, dann werde ich hier in der 2. Mannschaft solche Leistungen anbieten, so dass der Trainer nicht anders kann, als mich zu berücksichtigen."

Bei Serkan Göcer und Tim Kruse ist die Lage anders. Beide Verträge laufen im Sommer aus. Der 20-jährige Göcer (20 Liga-Einsätze, ein Tor) steht noch am Anfang seiner Karriere. Kruse (14 Einsätze) ist dagegen bereits 30 Jahre alt. "Klar macht man sich Gedanken um das, was danach kommt. Aber an ein Karriereende denke ich nicht", sagt Kruse, "nach den letzten Monaten war ohnehin abzusehen, dass es im Sommer eine Trennung geben wird." Jetzt hat er Gewissheit. "Wenn das Telefon jetzt klingelt, hofft man natürlich, dass es ein neuer Verein ist", sagt der Familienvater zu seiner Situation. Darauf hofft auch Göcer: "Es bringt jetzt aber nichts, sich selbst runterzuziehen", sagt er und ergänzt: "Ich habe immer alles für den Verein und die Mannschaft gegeben. Jetzt habe ich mit meinem Berater gesprochen und wir schauen, wie es weitergeht."Erst Joselu und Stephan Schröck, nun Tobias Weis - wenn Eintracht Frankfurt jetzt auch noch Tim Wiese verpflichten würde, wären die Hessen endgültig der große Problemlöser für 1899 Hoffenheim. Doch obwohl sich der Kreis der aussortierten Profis verkleinert hat, wird die mittlerweile aufgelöste "Trainingsgruppe 2" den Verantwortlichen der Kraichgauer auch künftig Schwierigkeiten bereiten.

Die Probleme des Fußball-Bundesligisten, der gestern bei Sonne und 20 Grad seine Vorbereitung auf die Rückrunde in San Pedro del Pinatar bei Murcia fortgesetzt hat, sind nur aufgeschoben. Denn davon abgesehen, dass Ex-Nationaltorwart Wiese, Matthieu Delpierre, Matthias Jaissle und Edson Braafheid immer noch da sind, werden Weis, Joselu und der zu Bayer Leverkusen zurückgekehrte Eren Derdiyok im Sommer wieder auf der Matte stehen. Dazu kommen die peruanischen Profis Luis Advincula und Alexander Juniór Ponce Pardo, deren Ausleihgeschäfte nach Südamerika 2014 enden. "Wir haben immer gesagt, dass wir an Lösungen interessiert sind. Es muss aber für die Spieler, den aufnehmenden Verein und für uns tragbar sein", sagte Profifußball-Direktor Alexander Rosen mit Blick auf Wiese und Co.: "Wir sind permanent im Austausch mit den Beratern."

Wenn Markus Gisdol in einer ruhigen Minute an den kommenden Sommer denkt, muss dem Trainer derzeit noch Angst und Bange werden. Sollten alle ausgeliehenen Profis zurückkommen, hat es Gisdol mit mehr als 40 Spielern zu tun - Resultat der Flickschusterei der vergangenen Jahre, an denen zahlreiche Kurzzeit-Trainer und -Manager beteiligt waren. Auch das Geld von Mäzen Dietmar Hopp ist in diesem Fall mehr Fluch als Segen. Angesichts der üppigen Gehälter machen es sich die Profis am Wochenende lieber auf der Tribüne oder dem heimischen Wohnzimmer bequem, anstatt sich einen neuen Verein zu suchen.

Das Paradebeispiel dafür ist Top-Verdiener Wiese (3,5 Millionen Euro im Jahr), der jüngst unter anderem ein Angebot aus Russland ausgeschlagen hat. "Ich habe hier einen Vertrag bis 2016. Ich möchte meine Chance nutzen", sagte der 31-Jährige zuletzt - obwohl Gisdol und Rosen immer wieder beteuern, Wiese habe gar keine Chance mehr.

Zum Thema:

Am RandeDas Trainingslager des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken im türkischen Belek forderte gestern sein erstes "Opfer". Neuzugang André Mandt zog sich einen Bänderanriss im Knie zu und fällt vorläufig aus. Auch Mittelfeldspieler Julien Humbert kann bislang nur Individualtraining absolvieren. Nach einem Muskelfaserriss im Dezember des vergangenen Jahres ist der Franzose noch nicht voll belastbar.Das erste Testspiel gegen den holländischen Zweitligisten PSV Eindhoven II endete torlos. FCS-Trainer Sasic gab allen gesunden Akteuren Spielzeit, die größten Torchancen vergaben Stefan Reisinger und Marcel Ziemer bereits vor der Pause. cor